 1837 trifft Gegenwart.
| Autor |
Gideon Defoe |
| Titel |
Piraten! |
| Verlag |
Heyne |
| Seiten |
173 |
| Bewertung |
 |
|
Auch dieses Gefühl können Bücher auslösen: Jetzt Fischstäbchen braten! Danach unter zwanzig Wolldecken verschwinden und alle Verpflichtungen absagen! Die einzige Verpflichtung heißt lesen. Gideon Defoe legt mit seinem Debütroman Piraten! ein viel zu dünnes Büchlein vor, das jeden Abenteuerroman karikiert und doch seine Liebe fürs Genre nicht verbirgt.
Eine furchtlose Bande von Piraten langweilt sich auf hoher See. Sie erzählen sich gegenseitig schlechte Witze, bauen eine Quallenhüpfburg und diskutieren über die richtige Zubereitung von Schinken („Durch das Braten verliert der Schinken mehr als zweiundzwanzig Prozent seines Gewichts“) und ein Pirat gesteht dem Kapitän, dass er sich dessen Gesicht auf den Arm tätowieren lassen möchte. Als sie endlich ein Schiff erblicken, kapern sie es und nehmen die Besatzung gefangen, darunter Charles Darwin, der einen Affen mit sich führt, den er zu einem Menschen erziehen will. Schon beginnt das Abenteuer: Der Bischof von Oxford hat Darwins Bruder entführt, scheinbar weil er aufgrund seines Glaubens mit dessen Forschungstreiben nicht einverstanden ist (die Wahrheit ist viel verrückter). Die Piraten schippern nach London und nehmen die Sache in die Hand.
Es gibt viele Gründe, warum der Leser sich bei Piraten! vor Lachen kaum mehr einkriegt, aber der wichtigste ist der: Defoe lässt die Piraten des Jahres 1837 auf Elemente der Gegenwart treffen. Der Piratenkapitän zum Beispiel verwechselt Yo-Yo-Tricks (Walking The Dog) mit Kartenspielen und gibt in London eine Autogrammstunde wie ein Popstar. Und Defoe erzählt die Geschichte in der Sprache der Gegenwart: „Viele Piraten behaupteten von sich, mit dem Meer verheiratet zu sein, aber gewöhnlich war dies bloß eine faule Ausrede, weil sie keine Frau abbekamen oder schwul waren.“ Defoe überdreht hoffnungslos und bringt uns eine Berufsgruppe wieder näher, der wir uns als Kind unbedingt anschließen wollten. Ob wohl das alte Lego-Piratenschiff noch auf dem Dachboden steht?
Fazit: Augenklappe aufsetzen und Klingel abstellen! Gideon Defoe sorgt mit Piraten! für einen amüsanten Nachmittag voller Haudegen, perversen Geistlichen und schwarzem Humor.
Sebastian Dalkowski
Kommentare
| baumbart schrieb am 16.06.2006 um 20:12 Uhr: |
|
|
tach, ich habe das buch schon vor dieser kritik gelesen und muss sagen es ist der HAMMER purer nonsens durch das ganze buch…grandios. viel spass
mfg baumbart
|
| Christoph schrieb am 17.02.2006 um 12:20 Uhr: |
|
|
Hallo! Ein großes Dankeschön für diese Buchkritik. Du wirst es kaum glauben, aber ich habe daraufhin direkt das Buch bestellt. Und, ich bin nicht enttäuscht worden. Es ist eine sehr witzige Geschichte, kurzweilig und amüsant. Nebenbei werden noch viele wissenswerte Dinge über Piraten, oder andere Themen vermittelt. Wer das Buch jetzt noch nicht gelesen hat, sollte das schnell nachholen.
|
|