 Apocalypse Later.
| Band |
Get Well Soon |
| Album |
Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon |
| Plattenfirma |
Cityslang |
| Bewertung |
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Die Musikmagazine lügen. Zumindest darfst du nicht davon ausgehen, dass sie die Wahrheit schreiben. Manchmal verkaufen sie Lobeshymnen und Titelseiten an den Meistbietenden und tarnen das als journalistische Entscheidung. Dass die Visions und der Musikexpress Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon, das Debüt von Get Well Soon zum Album des Monats Januar gemacht haben, muss deshalb nichts bedeuten. Kann aber.
Deine Freunde lügen. Zumindest darfst du nicht davon ausgehen, dass sie die Wahrheit sagen. Sie lesen in den Musikmagazinen von Get Well Soon und sie lesen viel von dem jungen Mann, der dahinter steckt: Konstantin Gropper, 25 Jahre alt, klassische Musikausbildung, früher Mannheim, jetzt Berlin, erste Band mit 15, nur die großen Vorbilder wie Nick Cave, Leonard Cohen Tom Waits. Mit Stockhausen auseinandergesetzt. Auftritt beim Glastonbury. Album zuhause aufgenommen. Und dann lieben deine Freunde noch diese eine Band aus Oxford, die kein Geld für ihre Platten nimmt, und dann ist es sowieso zu spät. Die Bewunderung für den theoretischen Unterbau von Get Well Soon verwechseln sie mit der Bewunderung für die Songs des Debüts.
Die Konzerte lügen. Zumindest darfst du nicht davon ausgehen, dass sie die Wahrheit zeigen. Live steht Konstantin Gropper mit fünf Männern und einer Frau auf der Bühne. Die Frau ist seine Schwester, auch die anderen sind mit ihm befreundet oder verwandt. Sie spielen: Gitarre, Schlagzeug, Bass, Trompete, Geige, Glockenspiel undundund. Sie haben die Fähigkeit, Menschen Gefühle hervorzulocken, die eigentlich keine Gefühle zeigen, wenn andere zusehen. Sie überwältigen einen einfach und gehen dann wieder von der Bühne.
Das Debütalbum lügt nicht. Aber vielleicht gehst du lieber davon aus, dass sie noch besser können. Dabei ist die Platte nicht einmal sonderlich abwechslungsreich, jedenfalls in dem Sinne, dass sie einen roten Faden hat. Getragen. Erhaben. Ein düsterer Himmel und am Horizont reißt die Wolkendecke auf. If This Hat Is Missing I Have Gone Hunting — ein düsteres Elektromonster. We Are Safe Inside While They Burn Down Our House — Gigantismus gegen den Weltuntergang. Tick Tack! Goes My Automatic Heart — ein Freudenfest, das einem die Kehle zuschnürt: „And then the sky cleared up and everything you said become true to me / everything is green in the springtime — a new life for everyone and me.“
Ja, Get Well Soon müssen sogar besser, weil noch Makel bleiben. Die Texte sind egal. Zu opulent manchmal die Songs, zu viele Ideen auf zu engem Raum. Lernen, das Überangebot der Möglichkeiten nicht immer zu nutzen, sondern wissen, wann viel zuviel ist und sich dafür auf die Melodien konzentrieren. Eine Nacht alleine in der Süßigkeitenabteilung und dann doch nicht alles probieren. Das wissen Radiohead, Leonard Cohen hat es erst später verlernt, Tom Waits beherrscht es bis heute meisterhaft.
„Ich weiß nicht, wie man einen Verriss rechtfertigen sollte“, sagte Konstantin Gropper in einem Interview. Als er merkte, dass diese Aussage arrogant klingen könnte, nahm er sie trotzdem nicht zurück. Sondern erklärte nur, wie sie gemeint war. Hier muss ein Punkt stehen.
Fazit: Usch.
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Sebastian Dalkowski
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