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Garish (04.12.2007)

Immer diese Italiener.

Band Garish
Ort Chelsea, Wien
Datum 04.12.2007

Bei manchen Bands fangen die Mädchen zu kreischen an, wenn der Sänger die Bühne betritt. Bei manchen erst dann, wenn der Bassist zu sehen ist. Die Jungs von Garish sehen gut aus, und so unterschiedlich, dass bestimmt für jede/n im Publikum was dabei ist. Bekannt sind sie hier auch, und musikalisch erfolgreich. Im Chelsea haben sie schon mehrere Male gespielt, und zuletzt ihre aktuelle CD-Veröffentlichung gefeiert. Trotzdem kreischt niemand, als sie die Bühne betreten. Was ist da los? Ist das Wiener Publikum mal wieder lahm? Sind keine Fans da? Wie wird das nach dieser verhaltenen Begrüßung weitergehen?

Erst mal sieht es nicht allzu erfreulich aus. Die Menschen applaudieren zwar kräftig, aber schon nach ein paar Liedern passiert es zum ersten Mal: Jemand brüllt „Junge Römer!“ Es handelt sich nicht um den Wunsch nach attraktiven Italienern (obwohl der an diesem Abend noch erfüllt werden sollte, doch dazu später mehr), sondern um das Schicksal einer Band, deren aktuell wohl bekanntestes Lied eine Coverversion ist: „Junge Römer“, im Original gesungen von Falco und der ist für die Mehrheit der Wiener noch immer unantastbar der Größte. Garish-Sänger Thomas Jarmer verzieht das sonst meist fröhliche Gesicht, und sagt zu seinem Kollegen etwas, das wie „nee, sicher nicht“ klingt.

Es war dies nicht der letzte Römer-Schrei des Konzerts, doch mit der Zeit beginnt sich etwas Entscheidendes zu ändern: Bei jedem Song sind die Zuseher begeisterter, werden lauter, bewegen sich mehr, und ja, bald kreischen auch die ersten Mädchen. Nachdem die Musiker dieselben sind wie vor einer halben Stunde, und noch keiner sein T-Shirt ausgezogen hat, wird klar: Sie kreischen wegen der Musik. Und das immer exstatischer. Gegen Ende des Sets versucht eine besonders hingebungsvolle Frau, ihren Helden näher zu kommen, indem sie sich gleich einer Meerjungfrau, die an die Wasseroberfläche will, laut singend an den Stangen vor der Bühne hochzieht. Spätestens jetzt haben Garish die einseitigen Songwünsche vom Beginn vergessen und freuen sich über das Wiener Publikum, das im Grunde das Stammpublikum der Band ist.

Zum Dank gibt es dann als Zugabe endlich die ersehnten jungen Römer, und dafür haben sich Garish was besonderes einfallen lassen: Als Gastsänger kommt Christian Pitschl von Chris and the other girls auf die Bühne, um, Kraft seiner Kompetenz als italienisch muttersprachiger, die zweite Strophe zu singen. Zunächst schleicht er am Rande der Bühne herum und quatscht noch während des Songs mit den anderen Musikern. Man könnte fast denken, er fühlt sich da oben unwohl. Dann beginnt er zu singen. Es liegt wohl nicht nur an seinem wohlklingenden Timbre, dass das Mädchenkreischen in diesem Moment seinen Höhepunkt erreicht. Auch Garish-Fans können also auf Anhieb triebgesteuert ausflippen.

Noch zwei Zugaben spielen Garish im inzwischen kochenden Chelsea, bevor sie noch auf der Bühne von den ersten Autogrammjägern umringt werden. Das sind allerdings keine kreischenden Mädels. Die schauen wahrscheinlich erst später backstage vorbei.

Katharina Litschauer



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