 Garish fassen sich ein Herz
| Band |
Garish |
| Album |
Wenn dir das meine Liebe nicht beweist |
| Plattenfirma |
ink music |
| Bewertung |
 |
|
Wien, Arena, 23.1.2010 Im Publikum herrschte erwartungsvolle Stille. Garish stimmten ein Lied an, dass sie noch nie live gespielt hatten. Nach zwei Minuten sangen alle im Publikum mit. Konnten den Text und den Rhythmus, die Melodie sowieso. Was war da los? Bei Live-Präsentationen von noch unveröffentlichten Alben sind es meistens nur ein paar glückliche Journalisten, die die CD schon Wochen zuvor auf dem Schreibtisch hatten und neuerdings die Illegal-vorab-herunter-Lader, die lautstark mitgröhlen. Warum also hat das bei Garish funktioniert? Okay, da gibt es Textpassagen, die merkt man sich schnell, vor allem, wenn sie schon von der Band als Chor mehrfach wiederholt werden und sich daher perfekt für Singalong-freudige eignen: „Wir sind daaa, dap dadidaaa, dapdadidaaa“, „Daaa daaa daaa daaa“, das ist zu schaffen und auch „Achtung Fehler, Herr Erzähler“ lässt sich mühelos wiederholen, wenn auch manche „Erbsenzähler“ oder „Eierzähler“ sangen — es kommt bei Garish-Frontmann Thomas Jarmer schon mal vor, dass man die Lyrics nur bruckstückhaft versteht. (Wo wir schon bei dem Thema sind: Wer den Refrain von „Im Takt“ versteht, möge ihn bitte als Kommentar unter diesen Artikel schreiben, danke! Und nein, „Im Takt, Biedermaier“ heißt das nicht).
Auf „Wenn Dir das meine Liebe nicht beweist“ gehen aber nicht nur die Chorus-Texte ins Ohr, auch die Melodien sind im positivsten Sinne das, was man eingängig nennt. Sie schrauben sich beim ersten Mal in den Gehörgang und bleiben dann da. Am meisten Freude macht das beim schwungvoll lauten „Wir warten“, beim vorsichtig leisen „Die Wahrheit ist davon krieg ich den Mund nicht voll“, und bei der aktuellen Single „Dann fass ich mir ein Herz“, die das Album eröffnet. „Und dann fass ich mir ein Herz“ lautet auch deren erster Satz und diese Ansage ist Programm. Die Stücke auf „Wenn Dir das meine Liebe nicht beweist“ gehen voran, sie haben keine Angst, aus der Reihe zu tanzen, sie machen ihr Ding ohne vorsichtig danach zu schielen, ob wir das jetzt gut finden oder nicht. Die Soloprojekte der einzelnen Bandmitglieder haben auf erfrischende Weise abgefärbt auf das neue gemeinsame Werk, vor allem verspielte Elemente in Estebans' Manier hüpfen vorwitzig zwischen den Gitarrensaiten hervor und bringen dem Album ein bisschen Leichtigkeit.
Die meisten Songs haben unverwechselbare Riffs in zum Teil eher ausgefallenen Arrangements, von hartem Cello-Gehobel („Eisenherz“) bis zu leisem Banjogezupfe („Unglück trägt den selben Namen“) ist da vieles vertreten, was man anderswo in dieser Weise selten hört. Nicht nur die Platte als Ganzes hat einen wiedererkennbaren Sound, sondern jeder Track ist eine Klangwelt für sich. Benachbart sind die natürlich schon, da gibt es ein paar typische Garish-Merkmale, die die Lieder gemeinsam haben, allen voran die Stimme von Thomas Jarmer, die wie immer irgendwie kraftvoll und jammernd zugleich klingt. Das trifft auch auf viele Texte zu. Garish sind dafür bekannt, am Erwarteten vorbei zu reimen und gegensätzliche Ebenen der Interpretation offen zu lassen: Resignation und Aufbruch in einem. Traurig und mutig zugleich. Scheiß drauf und ernst gemeint.
Fazit: „Wenn dir das meine Liebe nicht beweist“ ist das vielschichtigste und direkteste Album von Garish. Besonders geeignet zum laut mitsingen.
Das könnt Ihr nicht nur zuhause, sondern auch hier: Fr 26.03. Graz, ppc w/ Sweet Sweet Moon Sa 27.03. Weyer, Bertholdsaal Sa 03.04. Pichla, Wenn die Musi rockt Fr 09.04. Judenburg, Gewölbekeller w/ Son Of The Velvet Rat Mi 14.04. Wien, Flex w/ Songs of Claire Madison Fr 16.04. Salzburg, ARGE Kultur w/ The More Or The Less Sa 17.04. Linz, Posthof Mi 21.04. Innsbruck, Weekender Club w/ Bo Candy Do 22.04. Dornbirn, Spielboden w/ Bo Candy Fr 23.04. Traunstein, Festung Mi 12.05. Berlin, Club Rekorder schoenwetter über Berlin Do 20.05. St. Pölten, Cinema Paradiso Sa 17.07. Wiesen, Forestglade Fr 23.07. Eberndorf, Acoustic Lakeside Fr 26.03. Graz, ppc w/ Sweet Sweet Moon
Katharina Litschauer
|