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Marjana Gaponenko - Nachtflug

Nicht so ganz von dieser Welt.

Autor Marjana Gaponenko
Titel Nachtflug
Verlag Polonius
Seiten 78
Bewertung 8 von 9 Punkten

Wenn der letzte Vers dieses Gedichtbandes gelesen ist, erscheint die junge Autorin dem Leser klar vor Augen: Eine Figur wie aus einem alten russischen Zaubermärchen. Mystisch, sanft, immer barfüßig und in schöne Kleider gehüllt. Schwer vorstellbar, wie die 1981 in der Ukraine geborene Marjana Gaponenko shoppen geht oder mit Freunden in einer Kneipe Bier trinkt. Völlig losgelöst vom profanen Alltag sind ihre Gedichte, frei von Raum und Zeit. Alles ist berührend und betörend. Worte und Wendungen, die viel zu selten (oder vielleicht auch nie) verwendet werden. Immer wieder Sterne, Küsse, Berührungen, blaue Nächte.

Gaponenko liebt und zelebriert die deutsche Sprache. Mit fünfzehn entschied sie sich, ihre Gedichte auf deutsch zu schreiben. Später studierte sie Germanistik in Odessa und lebt inzwischen in Frankfurt am Main. Ihre große Sprachverliebtheit spiegelt sich in jeder Silbe wieder, traumwandlerisch entstehen mit jeder gelesenen Seite lichtdurchflutete Bilder, die niemals verglühen. Ihre Gedichte sind zerbrechlich, sehnsüchtig und zärtlich, als dürften sie nur leise und in Zweisamkeit ausgesprochen werden. Nachtgeflüster für Verliebte.

Einige werden jetzt aufspringen und rufen: „Ach, geh mir weg mit dem Kram! Ich kauf mir lieber Sarah Kuttners neue Kolumnensammlung, da hab ich was in der Hand und was zu lachen.“ Niemand hindert euch. Aber welches Mädchen würde nicht dahinschmelzen, wenn ihr Liebster ihr in einem Brief schreiben würde: Du bist nicht da und dennoch überall/ erkennbar und so schön wie früher/ eine schillernde Naht im zerspaltenden Stein/ ein Lied, das im Geflüster aufblüht. Na gut, eher unrealistisch, aber wunderschön. Für manche Momente muss es solche Worte geben, wenigstens ein paar davon.

Fazit: Das Angenehmste an diesem Buch ist der Raum, der sich der Phantasie und dem inneren Auge eröffnet. Ein Autorin, die ihren Lesern etwas zutraut und die ihre eigene Sprache gefunden hat.

Linda Wilken


Kommentare



HerrH schrieb am 23.07.2008 um 15:43 Uhr:

Immer muss es diese Worte geben, dafür sind Sie da,
sie machen uns ein bißchen bewusst wie wichtig
es ist wenn wir es betrachten

eMail: Hans-Juergen.H@gmx.de

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