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Wissen schützt vor Torheit nicht.

Wissen schützt vor Torheit nicht.

Warum ich jeden Fehler mindestens zweimal mache.

Aus der Serie Fight Club:

„Experience is a wonderful thing. It allows you to recognise a mistake when you make it again.“
Wer immer sich dieses Sprichwort ausgedacht hat, muss mich sehr gut kennen. Ich kann auf eine vielseitige Karriere der doppelten Fehler zurückblicken.

Wir stehen uns gegenüber. Gleich wird er mich küssen. Es geht ja gar nicht anders vor dieser Hafenlichter-Romantik-Kulisse.
Ich sehe ihn an. Ich mag ihn. Ich mag ihn sogar sehr, doch küssen will ich ihn erst, wenn ich wirklich verliebt bin. Meine innere Stimme meldet sich: „Wenn du das Unvermeidliche verhindern willst, musst du jetzt was tun“, sagt sie. Das Tuten der vorbeiziehenden Schiffe ist lauter. Kurz bevor sich unsere Lippen berühren, höre ich noch den Schrei in meinem Kopf: „Halt! Erinnerst du dich nicht mehr, letzten Sommer — du wirst doch nicht noch mal das gleiche-?!“
Doch, ich werde. Und schon währenddessen weiß ich, dass es ein Fehler ist.

Genau so wie ich wusste, dass Alkohol nicht gegen Frust hilft, dass ich nicht zehn Becher auf einmal tragen kann, ohne dass einer kaputt geht, und dass ich einen Rock nie anziehen werde, wenn ich ihn schon beim Anprobieren zu kurz finde.
Eine Erfahrung alleine bringt mir selten die Lernfähigkeit, die ich mir als erwachsenem Menschen gerne zuschreiben würde. Es braucht immer noch ein zweites Mal in die gleiche Falle tappen. Dann kommt der Ärger dazu, noch mal so blöd gewesen zu sein, und macht mir den Fehler bewusst.
Erst durch die Wiederholung bin ich imstande, zufällige Missgeschicke von Fehlern zu unterscheiden, zu denen ich offensichtlich eine Veranlagung habe. Nur dann kann ich ein Frühwarnsystem installieren, das nicht erst im letzten Moment erkennt, worauf ich zusteuere und das verhindern kann, dass ich den gleichen Fehler ein zweites Mal mache. Wenn ich das überhaupt will…

Ein Musikerkollege ruft mich an: „wichtiges Casting…kannst du vielleicht diesen einen Song…wäre super“. „Kein Problem“, sage ich, ohne nachzudenken. „Schick mir die Noten und wir proben das morgen.“
Vor nicht allzu langer Zeit hat eine künstlerische Zusammenarbeit für mich mit dem Fazit geendet, monatelang in solchen Situationen schamlos ausgenützt worden zu sein. Und trotzdem will ich meinem Kollegen, der genauso pleite ist wie ich, nicht 25 Euro dafür verrechnen, dass ich ihm eine Stunde lang helfe. „Willst du schon wieder unbezahlt arbeiten?“ fragt die wohlbekannte Stimme in meinem Hinterkopf. „Du wirst doch nicht noch mal so dumm sein?“
Doch, ich werde. Und schon währenddessen fühle ich, dass ich immer lieber riskieren würde, ausgenützt zu werden als nur mehr Dinge zu machen, die mir Geld bringen.

Genauso wie ich fühle, dass ich wieder auf meinen Schlaf verzichten würde, weil es gerade so lustig ist zu telefonieren, dass ich mich wieder zum Affen machen würde für den Mann, in den ich verliebt bin, und dass ich wieder das schwierigere Referatsthema wählen würde, weil es das interessantere ist.
Erst beim zweiten Mal erkenne ich in solchen Situationen, dass es zwar von außen betrachtet ein Fehler sein mag, was ich tue, dass ich aber im Innersten davon überzeugt bin, ein anderes Handeln gar nicht mit mir vereinbaren zu können.

Der gleiche Fehler zum zweiten Mal ist entweder das letzte Mal so dumm sein oder der erste von vielen Akten des Scheiterns aus Überzeugung.

Katharina Litschauer



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