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Still und heimlich — Schluss damit.

Still und heimlich — Schluss damit.

Wir machen Unbekanntes bekannt.

Mexikanischer Bohnen-Maistopf von Erasco (Sebastian)

Was
Der Autor kauft diese Suppe mit Bohnen, Mais, Paprika, Lauch, winzigen Salamistücken, Tomatensoße und scharfen Gewürzen jedes Wochenende, weil da die Mensa geschlossen hat. Mit dem Inhalt der Dose kann er zweieinhalb Suppenteller füllen.

Warum das berühmt werden muss
Keine andere Suppe schafft es, die Schärfe so zu dosieren, dass sie reinhaut, ohne einem die Tränen in die Augen zu treiben. Außerdem macht sie satt und schmeckt wirklich noch nach dem, was drin ist. Der Autor empfiehlt dazu Ciabatta-Brot mit Frischkäse und drüber gestreutem Curry.

Warum es bisher noch nicht geklappt hat
Suppen werden selten berühmt, wenn sie nicht gerade von Andy Warhol porträtiert werden. Wie jede andere leidet auch diese Supersuppe unter dem spießigen Image, das den Suppen anhaftet und unter dem Ruf, nur Ersatzmahlzeit zu sein. Die wenige Aufmerksamkeit muss sich der Mexiko-Eintopf noch mit zig anderen, natürlich langweiligen, Sorten teilen wie Erbsen- und Hühnersuppe.


Dokumentarfilmer Adam Curtis (Sebastian)

Was
Der Engländer Adam Curtis macht Dokumentarfilme fürs Fernsehen, die sich meist darum drehen, wie politische und wirtschaftliche Eliten der Gesellschaft ihre Ideen aufdrücken. Im Dreiteiler The Power Of Nightmares stellt er den Aufstieg des Neokonservatismus und des islamischen Terrorismus nebeneinander. In dem Dreiteiler The Century Of The Self erklärt, wie Regierung und Wirtschaft Sigmunds Freuds Erkenntnisse nutzten, um die Massen zu kontrollieren. Curtis übernimmt zwar die Off-Stimme in seinen Filmen, tritt aber nicht selbst auf.

Warum er berühmt werden muss
Curtis verbindet Geschichten und spannt Erzählbögen, wie es erfrischender nicht sein könnte. Dafür fängt er sich zwar auch Prügel ein, doch sind die weniger berechtigt als bei dem seine eigene Voreingenommenheit verfilmenden Michael Moore. Außerdem ist Curtis' dramatisch klingende Stimme ein mächtiger Schnabel, der einen nicht mehr loslässt.

Warum es bisher noch nicht geklappt hat
In England hat er es ja schon geschafft, bisher sind seine Filme aber nicht in anderen Ländern erschienen. In Deutschland laufen ja leider nur die schlechten der BBC-Dokus auf Vox und irgendwelche Dinosaurier-Sachen. Wie gut, dass es das Internet gibt. Curtis' Filme gibt es zum Beispiel bei Stage6 und Google Video.



Japanischer Comic-Junge Shin Chan (Kerstin)

Was

Man muss nicht nach Japan fahren, um den kleinen Comic-Jungen kennen zu lernen: In Spanien ist er noch bekannter. Dort lässt er im Comic und im Fernsehen seine Hose runter, um entsetzten Erwachsenen seinen blanken Hintern zu zeigen. Die Spanier lachen nur, weil sie nicht die armen geplagten Eltern von Shin Chan sind, der sie terrorisiert. Er ist für sie nicht nur anstrengend, weil er in der richtigen Situation garantiert das Unpassendste sagt; er ist dazu noch ein notorischer Frauenheld und spricht jede Frau an, die unter 25 Jahren ist an: „Magst Du Paprika?“

Warum er berühmt werden muss

Shin Chan ist die Personifizierung von „Kindermund tut Wahrheit kund“. Er darf alles und macht auch alles. Er tanzt und spielt gegen die Rationalität der Erwachsenen an und solange die sich noch durch Fragen wie: „Papa, warum schaust Du der Frau auf den Ausschnitt?“ schockieren lassen, braucht es einen Shin Chan, um die Moral der Erwachsenen zu unterlaufen.

Warum es bisher noch nicht geklappt hat

In Deutschland war eine Weile eine deutsche Synchronisation von Shin Chan im Fernsehen zu sehen — leider eine schlechte. Der Witz des fünfjährigen Rebellen muss bei der Synchronisation in der Babysprache unter gegangen sein. Die übersetzten Comics sind in Deutschland fast gar nicht zu bekommen, nur über Internetversand. Deswegen muss es wohl an der Aufmachung und Vermarktung liegen, dass Shin Chan hier zwischen Simpsons und Mangas untergeht.
Eventuell könnte es auch an den Zeichnungen liegen: Sie sind nicht unbedingt das, was man von Disney gewöhnt ist. Sie erinnern an die frühen, die ganz frühen, Simpsons. Aber die haben es ja auch geschafft.

Die Redaktion



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