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Diver - Kites

Der Zauber einer Nacht.

Band Diver
Album Kites
Plattenfirma inkmusic
Bewertung 7 von 9 Punkten

Es ist still in meinem Wohnzimmer. Ich freue mich auf einen entspannten Abend alleine zuhause. Ich lege eine CD ein und schließe die Augen. Das Kaminfeuer knistert leise. Plötzlich berührt mich eine sanfte Hand. Ich öffne die Augen und begegne einem Blick aus verträumten Augen, die eine wohlige Wärme ausstrahlen. Ein Junge mit einer Gitarre sitzt auf meiner Couch. Ein zweiter liegt auf dem Teppich vorm Kamin, auch er hat eine Gitarre dabei. Ein Dritter hat sich an den Flügel gesetzt, ein Vierter lehnt am Fenster und blickt hinaus in die dunkle Straße. Auf dem Sims liegt ein Fagott. Ich kann ihre Stimmen ganz nahe spüren. Ich glaube mich daran zu erinnern, dass ich die vier schon einmal gesehen habe. Wo kommen die plötzlich her? Ich habe doch nur eine CD in den Player gelegt?

Die CD, die diesen Zauber auslöst, heißt „Kites“ und ist das Debut der jungen österreichischen Akustik-Pop-Band Diver, das dieser Tage auf inkmusic erscheint. Wolfgang Bruckner (Stimme, Gitarre, Percussion), Stephan Ebert (Gitarre, Stimme, Melodica) und Olaf Schuberth (Gitarre, Stimme, Klavier) beherrschen ihre Instrumente und setzen diese mit viel Fingerspitzengefühl fürs Detail ein. Die unglaubliche Nähe und Wärme, die dieses Album ausstrahlt, entsteht zum Einen durch die klaren, natürlichen Stimmen und die sehr raffiniert verschlungenen Arrangements der Band, zum Anderen durch den Sound, der zugleich transparent und dicht wirkt und einen intimen Raum schafft, der die Lieder direkt ins Herz der Zuhörer strahlen lässt.

Vor mir steht eine Tasse Kaffee. „Let's have some coffee and talk about poetry“, schlägt der Junge auf der Couch neben mir vor. Wir kommen ins Philosophieren. „Everyday reality is an illusion of possibilities“, meint der Mann vorm Kamin und wir werden alle ein bisschen sentimental (Illusions). Einer der Jungs erzählt von dieser Frau, über die er sich noch immer nicht im Klaren ist, und die jetzt in London verliebt ist (London). Während der Gitarrist silberne Major-Akkorde zupft, vertrauen wir uns sehr intime Dinge an. „I'm full of glory, full of fear“, gesteht einer der Männer verzweifelt und die Intensität der Gefühle öffnet einen neuen Klangraum, das Klavier unterstreicht die emotionale Größe, und auch der Junge am Fenster, der bisher nur aufmerksam zugehört hat, stimmt eine Melodie an (Bones). Ich sitze in der Mitte und lausche dem Gespräch rund um mich, es geht jetzt um Euphorie und Liebe, und ich habe plötzlich Lust, zu tanzen (Red Colour).

Diver versinken nicht in hoffnungsloser Traurigkeit, auch wenn die Lyrics auf „Kites“ über weite Strecken dunkel und nachdenklich sind. Immer wieder nehmen treibende Rhythmen die Zügel in die Hand und aus Sehnsucht und Zweifel wird Hoffnung. Der sehr sauber intonierte mehrstimmige Gesang und manch melancholisches Gitarrenpicking erinnert an die Kings of Convenience, auch Namen wie Nick Drake, Leslie Feist und Bernhard Eder drängen sich auf.

Plötzlich fällt mir ein, woher ich meine unerwarteten Gäste kenne: Wir sind uns auf dem ersten Waves-Festival in Wien begegnet. Zwischen Kissen, Bildern, blauen Lichtern und zauberhaften Indie-Mädchen, die verträumt lauschten, habe ich diese Lieder schon einmal gehört und mich sofort verliebt gefühlt.
Die sonst so ruhigen jungen Männer haben inzwischen den Kaffee ausgetrunken und sind zu hochprozentigem übergegangen. Wir feiern, wir tanzen, wir lachen und wir küssen uns, und die Nacht verfliegt viel zu schnell.

Am nächsten Morgen kommen wir alle nicht in die Gänge. Jemand hatte versprochen, Frühstück zu machen, doch das ist ihm jetzt irgendwie zu anstrengend. „Last night, I had one drink too much, but don't say goodbye, just say let's stay in touch“ seufzt er.
Don't worry, I won't. I will say Hello zu dieser vielversprechenden Band, und hoffe, dass die Vier noch oft bei mir aufkreuzen.


Fazit: „Kites“ wird all jene begeistern, die feinfühligen, verträumten Akustik-Pop mögen.

Katharina Litschauer

Tourdates

25.1.2012 TAG, Wien
27.1.2012 Röda, Steyr
02.02.2012 b72, Wien



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