 Du lieber Gott!
| Autor |
Rajaa Alsanea |
| Titel |
Die Girls von Riad |
| Verlag |
Pendo |
| Seiten |
332 |
| Bewertung |
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Der Einband verrät: Ein Mädchenbuch. Rosa, kitschig, Titel: Die Girls von Riad. Also alles ganz klar! Oder warte mal: ist es wirklich klar?
Das sind keine Stories, das sind echte Geschichten. Aus einem Land der Vorurteile und Mysterien — Saudi Arabien. Anders als bei vielen sogenannten orientalischen Frauenschicksalsromanen wurde dieser nicht von einer gelangweilten amerikanischen Hausfrau geschrieben, sondern von einer, die es wissen muss. Sie ist nicht verbittert, sie ist nicht wütend, sie ist eine junge saudische Studentin und sie beschreibt das Leben und Lieben ihrer Freundinnen im goldenen Käfig.
Saudi Arabien ist ein Land voller Widersprüche. Vier Freundinnen gehen hier gemeinsam zur Schule. Kamra, Lamies, Michelle und Sadim haben alle große Träume. Sie möchten die Liebe ihres Lebens finden, diese heiraten und ein tolles, erfolgreiches Leben führen. Aber bei beinahe allen kommt es anders, als sie es geplant haben. Denn mit etwas haben sie nicht gerechnet: mit saudischen Männern und der arabischen Mentalität.
Dieses Buch ist kein Hass-Buch, auch wenn viele Geschichten unverständlich scheinen. Faisal heiratet seine große Liebe nicht, weil diese seiner Familie nicht gefällt. Walid heiratet seine große Liebe, aber leider gibt sich diese ihm bereits nach der standesamtlichen Trauung und vor der offiziellen, großen Hochzeit hin — und ist somit ein schlechtes Mädchen. Er lässt sich scheiden. Rajaa Alsanea beschreibt in ihrem Roman Menschen, die gefangen sind. Gefangen von außen, gefangen von innen. Dabei könnte alles so einfach sein. Wenn man nur ein bisschen mehr darüber reden würde.
Und genau das will Rajaa. Sie ist keine Revolutionärin, sie weigert sich vehement gegen die Bezeichnung „Feministin“. Und auch das macht ihren Roman sehr lesenswert. Sie zieht nicht über alles und jeden her, lamentiert und kritisiert, sondern sie erzählt Geschichten. Und das nicht ohne Humor.
Insgesamt ist ihr ein sehr facettenreiches Bild der saudischen Oberschicht gelungen. Wenn die Publikation anfangs auch verboten war, so hat sich die saudische Regierung am Ende breitschlagen lassen. Und der Roman findet reißenden Absatz.
Fazit: Wer sich vorurteilslos und authentisch über das Land hinter dem Schleier informieren will, der ist hier endlich mal an der richtigen Adresse. Der saudische Mann ist nicht immer nur ein Monster. Manchmal ist er vielleicht der wahre Gefangene.
Jasamin Ulfat
Kommentare
| Dr. Helmut Simon schrieb am 23.06.2007 um 17:22 Uhr: |
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Der letzte Satz in Ihrer Rezension ist für mich das eigentliche Resümee des Buches: Noch schlimmer als die Frauen sind die Männer die Opfer ihrer eigenen Urängste vor selbständigen agierenden Frauen und der unsinnigen gesellschaftlichen Zwänge, Rituale, Traditionen und Vorurteile. Es führt dazu, dass sie die eigentlich „Schwachen“ sind, während die Frauen in allem ihrem Unglück stark genug sind, um damit fertig zu werden. Die Religion spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Auf jeden Fall ein lesenwertes Buch, das tiefe Einblicke in eine andere Welt gibt.
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