 Ein Bild ohne Rahmen.
| Band |
Death Cab for Cutie |
| Ort |
Markthalle (Hamburg) |
| Datum |
03.02.2006 |
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Liebe Konzertbesucher, regt euch bloß nicht auf. Seid nachgiebig zu den Veranstaltern vor Ort. Lieber lachen, als sich darüber ärgern, wenn das Plakat vor dem Eingang ankündigt: „Heute live: Death Cap for Cutie.“ Geht einfach schnell hinein in die Markthalle und freut euch auf die, die wirklich kommen. Versucht auch, euch nicht davon aus der Stimmung bringen zu lassen, dass es nicht so ganz zusammenpasst, wenn hier am selben Abend zeitgleich eine Hip Hop-Veranstaltung stattfindet, sondern seht die lauten Bässe als erfrischenden Kontrast zu den Klängen der Band, wegen der ihr hier seid. Und wenn ihr dann erst mal in der Halle drin seid, vergesst ihr all das ohnehin, denn die Atmosphäre da nimmt einen jedes Mal gefangen.
Seid dankbar für eine gute Vorband. John Vanderslice dürfte wohl den meisten Fans von Death Cab For Cutie gefallen, schließlich klingen seine Lieder live nicht unähnlich wie die der vier Amerikaner, die nach seinem Auftritt auf die Bühne gestürmt kommen. Und auch jetzt gilt: Bleibt gelassen und genießt die Musik, auch wenn das nicht immer leicht ist. Es kann schließlich schon sehr irritierend sein, wenn Frontmann Ben Gibbard wie von der Tarantel gestochen hin und her rennt, halbe Ansagen ins Mikro ruft, und keinen Moment Ruhe aufkommen lässt, obwohl das den Liedern manchmal so gut tun würde. Lasst euch nicht ablenken von all der Hektik, von Chris Wallas lustiger Wollmütze, und von Nick Harmers bösen Blicken, und zeigt den Musikern, dass ihr die Botschaft verstanden habt: Ja, Death Cab for Cutie sind eine Rockband, auch wenn das neue Album nicht danach klingt.
Freut euch, dass eben jenes Album live noch besser ist als auf CD, tanzt ausgelassen zu den glücklich machenden Gitarrensounds, die über traurige Texte gekonnt hinwegtäuschen — doch davon versteht man dank der krachenden Gitarren ohnehin kaum etwas, und das ist irgendwie ganz gut. Lauscht dann lieber andächtig den zu Tränen rührenden Balladen, auch wenn die Banausen neben euch selbst bei Liedern über den Tod lautstark von der letzten Party reden und dabei die innige Stimme Gibbards übertönen. Lasst die Augen geschlossen, bis der letzte Ton verklungen ist, damit ihr nicht seht, wie der Sänger noch während der Schlussakkorde eilig nach der Gitarre für den nächsten Song sucht. Gönnt euren Körpern das sinnliche Rauscherlebnis der unglaublichen Live-Version von Different Names For The Same Thing. Betrachtet die faszinierende Einigkeit von 17-jährigen Kiffern und 40-jährigen Pärchen, wenn sie zu den gleichen Lieblingssongs abrocken. Lasst euch in die Musik fallen, bis euch die letzte Zugabe zum Abheben bringt und ihr laut singend einstimmt in das hymnische Finale.
Bewahrt euch dieses Gefühl, auch wenn euch das Hip Hop-Krachen vor der Tür brutal in den Alltag zurückholen will. Ihr habt ja recht, das Konzert hätte sich einen anderen Rahmen durchaus verdient. Doch vielleicht ist das alles gar nicht so wichtig. Schließt einfach noch mal eure Augen, tragt die Klänge mit hinaus in die kalte Nacht und lasst sie in euren Herzen weiter glühen.
Tourdaten:
12.2. Bielefeld, Kamp 13.2. Köln, Live Music Hall 14.2. Frankfurt, Batschkapp 15.2. Heidelberg, Kulturhaus Karlstorbahnhof 16.2. Dresden, Starclub 17.2. Wien, Arena 18.2. München, Ampere Muffathalle 19.2. Freiburg, Fri-son 20.2. Zürich, Abart Music Club
Katharina Litschauer
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