 About a Girl.
| Autor |
Courtney Love |
| Titel |
Dirty Blonde |
| Verlag |
KiWi |
| Seiten |
312 |
| Bewertung |
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Gäbe es heute noch Hexenverbrennungen, Courtney Love wäre längst auf dem Scheiterhaufen des Rock verbrannt worden. Dicht gefolgt von Yoko Ono ist Skandalnudel Love aller Wahrscheinlichkeit nach die meistgehasste Frau in der Musikgeschichte. Sie war die Frau, so die Spex 1994 kurz nach dem Ableben Kurt Cobains, „die alle sterben sehen wollen“. Harte Worte für eine trauernde und alleinerziehende Witwe. Doch Courtney wäre nicht Courtney, wenn sie nicht eigene Mittel und Wege hätte, um die Misere auf ihre unverkennbare und durchaus auch zweifelhafte Art zu meistern (Drogen, Affären, Schönheitsoperationen, Schauprozesse, Skandalauftritte, Drogen). Die Presse hat Courtney — wenn man mal ehrlich ist — für ihre Totalausfälle geliebt, während sie von den Hardcore-Nirvana-Fans und engstirnigen Rockkritikern aufs schärfste dafür verurteilt wurde. Als hätten weibliche Künstler kein Recht auf Sex, Drugs und Rock'n'Roll und erst recht keine Lizenz zum Musikmachen. Dabei war die ehemalige Hole-Sängerin doch vor allem das: eine talentierte Songschreiberin und tolle Texterin, wie sie aktuell mit ausgewählten Veröffentlichungen ihrer Tagebücher beweist. Und die haben es in sich.
Nicht nur, weil die üppig bebilderten, aufwändigen gestalteten Seiten die Sensationslust des voyeuristischen Lesers befriedigen und private Einsichten gewähren, sondern weil die publizierten Briefe, Fotos, Songtexte, Zeichnungen und Gedichte (vieles übrigens als Faksimiles erhalten) schlichtweg so intim sind, dass es einem stellenweise den Atem verschlägt. Allein schon das Umschlagmotiv (eine Privataufnahme Kurt Cobains übrigens) zeigt Courtney nackt in einem Blumenbeet liegen — so verletzlich und angreifbar, hat man die sonst nur so vor weiblicher Aggressivität strotzende Sängerin selten zu Gesicht bekommen. Und der Leser sieht noch so viel mehr: Den Teenager Courtney als Bay City Rollers-Fan, ein Absageschreiben vom Mickey Mouse Club, für den sich „Coco“ in jungen Jahren beworben hat, Briefkorrespondenzen mit John Peel oder Lindsay Lohan (der sie mütterliche Ratschläge zur Bewältigung des Medienrummels gibt) und Familienfotos im Kreis von Kurt und Frances Bean aus glücklichen Zeiten…
„Ich verspreche mir von diesem Buch vor allem eins: dass die Leser wissen, wie sich mein Leben anfühlt, und damit auch, wie ich meine Songs geschrieben habe“, so Courtney im Vorwort zu Dirty Blonde. Und dieser Eindruck entsteht durchaus nach dieser in jedem Moment aufregenden Lektüre, die glücklicherweise immer mehr „wildes Piratenleben“ denn kitschige Generalbeichte ist.
Fazit: Diese Frau gehört in den Rockolymp und nicht in die Klatschspalten dieser Welt. Als: Überlebenskünstlerin.
Katja Peglow
Bilder-Galerie
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