JUSTmag - morgen werden wir erwachsen... StartseiteSucheFreundeTeamNewsletterGästebuch
Chairlift - Does You Inspire You

Hippies im Weltall.

Band Chairlift
Album Does You Inspire You
Plattenfirma Columbia / Sony Music
Bewertung 7 von 9 Punkten

Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn in den Jahresabschlusslisten das aus der letzten iPod-Werbekampagne bekannte Bruises nicht als einer der Songs des Jahres gefeiert werden würde: „I tried to do handstands for you / But everytime I fell for you / I'm permanently black and blue / Permanently blue for you.“ Der ansteckende Popappeal plus die herzerweichenden Lyrics von Sängerin Caroline Polacheck, die nebenbei bemerkt wie die jüngere Schwester von Sofia Coppola aussieht, ließen nicht nur das im Spot beworbene Apple-Produkt hinwegschmelzen, sondern wohl auch das ein oder andere Männerherz.

Genau diesem Werbespot verdanken Chairlift wohl auch den Re-Release ihres bereits im letzten Jahr auf dem New Yorker Indie-Label Kanine erschienenen Debütalbums Does You Inspire You, dass dieser Tage neu abgemischt und um zwei Extra-Songs ergänzt auf einem Major wiederveröffentlicht wird. Ob sich das Trio aus Brooklyn dieses Mal länger ins kollektive Gedächtnis brennen kann?

Immerhin muten die drei Musiker ihren Fans auf Albumlänge einiges zu. Und sich in Wohlgefallen auflösende perfekte Popmelodien wie Bruises oder die 80's-infizierte neue Singleauskopplung Evident Utensil gehören nicht unbedingt dazu. Die beiden einzigen Uptempo-Stücke schmiegen sich nicht gerade in den Albumkontext und werfen ein fast schon irreführendes Licht auf den ansonsten deutlich getrageneren Sound des ambitionierten Debüts. Stattdessen dominieren psychedelische Weltraumklänge und — wohlwollend formuliert — eskapistische Texte, die es nur der zauberhaften und klassisch geschulten Gesangsstimme Polachecks verdanken inmitten der verträumten Popmelodien nicht negativ aufzufallen, wenn sie wie im Opener Garbage von verbrauchten Kondomen singt oder sich über Mäuse in ihrer Wohnung beklagt (Territory). Überraschenderweise funktionieren jedoch auch diese Songs ganz ausgezeichnet (allen voran das neben Bruises vielleicht beste Stück des Albums Earwig Town) und das einzige was man Chairlift vorwerfen könnte, wäre ihr inkonsistenter Gesamtsound. Die im späteren Albumverlauf auftauchenden Country-Anleihen sind dann aber vielleicht doch ein wenig zu viel des Guten.

Fazit: Trotz kleiner Abzüge: Worth the Hype und überraschend inspirierend.

Katja Peglow



XML (RSS/RDF)