 Turn Back Time.
| Band |
Camille |
| Ort |
Stadtgarten (Köln) |
| Datum |
18.12.2005 |
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Letzten Sonntagabend hätte ich alles gegeben, die Zeit zurückdrehen zu können. Dann hätte ich nicht nur das absolut grandiose Konzert dieser französischen Popsensation namens Camille noch einmal live erleben dürfen, sondern auch den in der Schule von mir getroffenen Entschluss, mich gegen den Französischunterricht zu entscheiden, ohne mit der Wimper zu zucken, sofort rückgängig gemacht. Dann wäre ich zwischen den Songs, nämlich auch in der Lage gewesen mitzulachen, so wie die wildgewordenen Franzosen um mich herum, die jede witzige Ansage bereits im Keim ihres Gelächters erstickten, bevor diese überhaupt nur in die Nähe meiner verzückten Ohrmuscheln dringen konnten. Glücklicherweise holte Camille im Laufe des Konzerts eine Übersetzerin auf die Bühne, die ihre Ansagen kongenial ins Deutsche übersetzte. Besser hätte es die ebenfalls im Publikum anwesende „Madame Nathalie“ auch nicht hinbekommen.
Überhaupt wurde Interaktion beim einzigen und endlich nachgeholten Deutschlandkonzert der ehemaligen Noveulle Vague-Stimme an diesem Vorbandlosen Abend groß geschrieben. Egal, ob zwischen den Musikern untereinander auf der Bühne oder mit dem Publikum, das teilweise von Camille mit in die Show integriert wurde (zum Beispiel als Tänzer oder Human Beatbox), glich das insgesamt Dargebotene vielmehr einer Aufführung als einem traditionellen Konzert. Ausgelassen tobte Camille, zu Beginn noch fest in ihren Björk'esken Federkokon eingehüllt über die Bühne, auf der ein Faden gespannt war, den die Künstlerin am Ende des Konzerts noch durchneiden sollte.
Beim Publikum platzte der Knoten schon nach den ersten Takten, denn das, was die junge Französin und ihre beiden grandiosen Mitstreiter an Kontrabass und Piano dort boten, hatte wohl kaum jemand im Publikum in dieser Form so schon einmal erlebt. So erklang fast über zwei Stunden der sowohl verrückteste als auch schönste Mix aus Beatbox, Jazz, Chanson und Pop, den man sich erträumen kann, ohne dass auch nur ein Quäntchen Charme des ebenso tollen Albums Le Fil verloren ging. Im Gegenteil: Der Anblick dieser drei Vollblutmusiker und ihrer Art des Entertainments hob die ohnehin schon unvergleichbare Musik noch eine Stufe höher. So bleiben nur diese leeren Worte übrig von einem Abend, für dessen Beschreibung die passenden musikjournalistischen Floskeln noch erfunden werden müssen. Denn Camille spielt irgendwie in einer anderen Liga, und dass hoffentlich auch bald wieder in deutschen Konzertsälen.
Katja Peglow
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Kommentare
| alex schrieb am 02.02.2006 um 23:36 Uhr: |
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Besser spät als nie: Ja Katja, so war's. Mein Konzert des Jahres 05! Definitiv!
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| U schrieb am 28.12.2005 um 16:29 Uhr: |
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So geschrieben als wäre ich dabei, und nicht zuviel geschwärmt, sehr gut.
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| bjoer.n schrieb am 22.12.2005 um 20:34 Uhr: |
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Wie gerne haette ich Camille live gesehen. Was sie mit ihrem zweiten Album gemacht hat fand ich einfach nur grossartig. Ich war so positiv ueberrascht von ihrem Auftritt auf dem La Route Du Rock, welches ich auf Arte sah. Leider ist die Franzoesin nur auf einen kleinen Besuch nach Koeln gekommen. Vielleicht das naechste Mal, wenn sie da nicht schon wieder ein ganz anderes musikalisches Konzept hat.
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