 Je m'appelle Camille.
| Band |
Camille |
| Album |
Le Fil |
| Plattenfirma |
Virgin/EMI |
| Bewertung |
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Schon nach wenigen Takten hat mich Camille in ihren Bann gezogen. Auf Arte läuft ein Special zum diesjährigen La Route Du Rock Festival und dieser eine Song reicht aus, um mich zu überzeugen. Alles, was ich in den folgenden Stunden über das französische Gesamtkunstwerk im Internet recherchiere, lässt mich irgendwie kalt. Lieber schaue ich zum fünften Mal ihr aktuelles Video zur Singleauskopplung Ta Douleur auf ihrer Homepage an. Denn all das, was momentan zu lesen ist und noch zu lesen sein wird (dies hier eingeschlossen), kann einem solchen Jahrhundertwerk wie Camilles zweiter Platte Le Fil wohl kaum gerecht werden.
In Frankreich ist das Wunder bereits vollbracht. Ohne Hitsingle und Radioairplay erreicht das Album Goldstatus und die Besucher der restlos ausverkauften Konzerte schwärmen von einer sensationellen Performance. Camille ist kein unbeschriebenes Blatt in Frankreich. Sie lieh bereits zahlreichen namenhaften Acts (u.a. Nouvelle Vague) ihre Stimme und veröffentlichte 2002 ihr Solodebüt Le sac des filles, doch mit Le Fil ist sie nun allen voraus und beweist, dass Frankreich doch mehr zu bieten hat als leicht bekömmlichen Café-Chanson.
Le Fil, das ist auch der (rote) Faden, der in Form eines Tones das ganze Album durchzieht. Wie die meisten Instrumente, die man zu hören glaubt, entspringt er tatsächlich Camilles einzigartigem Stimmorgan. Dass ein solches Konzeptalbum und die Idee, hauptsächlich mit menschlichen Lauten zu arbeiten, nicht neu ist und außerdem nach einer Avantgarde-Sensation schreit, trübt den Eindruck nicht. Denn Le Fil ist kein Experiment sondern ein Popalbum.
Angesichts dieses kleinen Wunderwerks verblasst selbst die einzig mögliche musikalische Referenz, Björks hochgejubelte Vokalplatte Medúlla, denn Camille beeindruckt den Hörer nicht bloß mit großer Experimentierfreude, sondern vermag ihn auch zu berühren und zu entzücken. Und auch wenn ich keinen blassen Schimmer von dem habe, was die 26jährige Pariserin dort singt, treibt es mir beim hören Tränen in die Augen und ein breites Grinsen ins Gesicht. Denn das hier ist so erschreckend authentisch, dass es auch auf einer anderen Ebene funktioniert. Eben ohne Langenscheidt oder Gedächtnistraining. Und wer am Ende der Platte nicht mal mehr bemerkt, dass er in den letzten 30 Minuten nur dem ausklingenden Ton H gelauscht hat, der hat vermutlich verstanden, worum es geht.
Fazit: Das ist nicht bloß Vokalakrobatik, Jazz, R&B, Soul und Pop sondern vor allem Musik, die man ausnahmsweise noch niemals zuvor gehört hat. Und wann konnte man das zuletzt schon von sich behaupten?
Marius Bubat
Kommentare
| Denniso schrieb am 10.10.2006 um 14:33 Uhr: |
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Noch nie vorher gehört, ist wohl nicht ganz richtig. Die Platte erinnert schon stark an „Medula“ von Björk. Nur auf französisch halt und auch nur so ähnlich.
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