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Bora Cosic - Reise nach Alaska

Dilettantische Beschreibungen.

Autor Bora Cosic
Titel Reise nach Alaska
Verlag Suhrkamp
Seiten 172
Bewertung 3 von 9 Punkten

Nun liegt die Lektüre in meinem Schoß. Es ist warm, ich sitze in der Bibliothek und gleich gehe ich weiter. So viel vorneweg: Von dieser Lektüre bin ich etwas enttäuscht. Ich erwähne sie Serbien wegen, denn was erfährt man aus der Ecke schon.

Serbien, Belgrad: Wir erinnern uns, was vor einigen Jahren dort geschah. Die Serben versuchten Jugoslawien zu dominieren und scheiterten an der Intervention des Westens. Seitdem arbeitet die serbische Kultur an der Aufarbeitung des Krieges, der nicht wenige Opfer forderte. Das Land hat sich seit der Niederlage gewandelt. Die einstmals so breite kulturelle wie wissenschaftliche Bühne der jugoslawischen Öffentlichkeit ist nicht nur nach Bora Cosic verschwunden. Peter Handke versucht, aus welchen Motiven auch immer, die Erinnerung an die serbische Kultur durch seine zugegebenermaßen manchmal etwas taktlosen Aktionen aufrecht zu erhalten. In Deutschland genießt Jugoslawien ja nach wie vor große Anerkennung.

Bora Cosic, 1932 geboren, lebt derzeit in Istrien und Berlin. Bis vor 2005 war er jedoch serbischer Kriegsflüchtling in Berlin. Das Buch fußt auf seiner Reise in die alte Heimat, zehn Jahre nach dem Krieg, auf einer Aufarbeitungsreise. Cosic nennt sie daher Reise nach Alaska, synonym für Reise in die Wildnis oder ins Ungewisse. So erschreckt Cosic nicht wenig angesichts der vom Krieg gezeichneten kleinen Dörfer, des vor Müll stinkenden Kroatiens, der donnernden Jugendlichen und der verwahrlosten Kulturlandschaften.
„Der provinzielle Geist der Neureichen, der die eigene Vergangenheit nicht pflegt, erneuert das Zerstörte nicht, vielmehr sprießen bauliche Ungetüme ohne Schönheit und Sinn empor, so daß die Öde der verbrannten Erde durch eine andere, durch die Öde der geistigen Armut, der Prahlerei und Geschmacklosigkeit ersetzt wird.“

Aber so hübsch seine Reflexionen sind, so wahnsinnig eintönig können sie sein, wenn er wiederholt malerisch Landschaften neben Verfall, neben Zerfall und Zerstörung, aber auch Schönheit und Erhabenheit beschreibt. Ich denke nicht, dass es leicht ist, nach so langer Zeit in die Heimat zurückzukehren. Ich denke, der nostalgische Blick auf die Vergangenheit und die Entdeckung der Gegenwart sind immer erschreckend und verleiten zu Sentimentalität. Als eine große Retroperspektive, als ein kleine biographische Notiz hat man das Buch daher zu lesen, und nicht als literarische Attraktion inmitten der ohnehin zahlreichen Serbienfürsprecher und Jugoslawiennachweiner. Denn, wie ich finde, versagt Cosic an manchen Stellen und ufert in eine dilettantische Wegbeschreibung oder Sinnesbeschreibung aus, die so gar nicht gefällt. „In der Gegend, wo geduckte Dörfler in einem Ort wohnen, der Nemila heißt. Ein Markt also.“ Geduckte Dörfler? Bucklige? Alte?

Wären es immerhin pointierte Einzelfälle, ging es. Aber Cosic schießt über das Ziel hinaus und verfällt einem triefenden Zurückblicken, Flanieren, Parodieren und Staunen, was mich, der ich monotone Literatur verabscheue, nach fünfzig Seiten doch arg enttäuschte und nur unter Magenschmerzen durch 172 Seiten zwang. Denn was hat er sich dabei gedacht, als er Zeilen wie die nachfolgenden schrieb? „Wieder steht uns eine neue Etappe dieser Reise bevor, als nähmen wir an dem einstigen Rennen teil, dem Radrennen durch Jugoslawien.“

Fazit: Alles klar.

Rafael Wawer



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