 Die Bibel fernsehen.
Ein Fernsekanal bekehrt im Verborgenen — bald auch Jugendliche.
„Die Bibel ist einer der besten Lebensbegleiter, den man überhaupt finden kann. Wir sind überzeugt, dass die Bibel jedem Menschen etwas zu sagen hat. Und wollen deswegen mit Bibel TV dieses wertvolle Buch den Menschen näher bringen.“ Das ist die Programm-Philosophie von Bibel TV, Deutschlands erstem Bibelfernsehsender. Seit 2002 sendet Bibel TV, das Kind des bibelfesten Bonner Verlegers Norman Rentrop, über „das Buch der Bücher“. Das Programm setzt sich zusammen aus Talkshows zu christlichen Themen, Bibel-Lesungen, Reportagen, Spielfilmen, Event-Dokumentationen und christlicher Musik — auch Pop. In Zeiten, wo Jesus wieder cool ist und gar als Punk gilt, gibt es ihn und seine Botschaft natürlich auch als Livestream, Podcast und Video on Demand. Bibel TV erreicht in Deutschland ungefähr 15 Millionen Haushalte. 80 Prozent des Senders werden durch Spenden der Zuschauer finanziert, etwa 20 Prozent durch Werbung und andere Einnahmen. Evangelische und Katholische Kirche in Deutschland sind an dem ökumenisch ausgerichteten Bibel TV mit einem Minderheitsanteil beteiligt. Dem EKD-Beauftragter Merz, der dem Programmbeirat von Bibel-TV vorsitzt, schwebt eine digitale Plattform vor, auf der sich anspruchsvolle religiöse Programme bündeln lassen. Sein katholischer Kollege Hober verweist auf Pläne für einen eigenen katholischen Kirchensender.
Religiöse TV-Sender sind im Kommen — weltweit. K-TV aus Österreich, EWTN aus den USA, Telepace aus Italien oder God Channel aus Großbritannien erreichen ihre deutschen Glaubensfreunde via Satellit. Diese religiöse Szene im Fernsehen will zeigen, wie Kirche heute aussehen kann. Der „Televangelismus“ kommt natürlich aus Amerika, wo fast jeder an offene Kanäle rankommt, und die christliche Gemeinde gerne zahlt. Der Trinity Broadcasting Network and The God Channel erreichen aber mittlerweile ein internationales Publikum.
Die Verbindung von Glauben und Massenmedien hat Tradition. In dern Zwanzigern entdeckten missionarische Christen das Radio für sich — vor allem in Ländern, aus den Missionare rausgeschmissen wurden. In der Dritten Welt heute noch sehr verbreitet: Bekehrung und Bibelunterricht. Obwohl es das Fernsehen da auch schon gab, ging es auf dem Bildschirm erst nach dem Zweiten Weltkrieg richtig los. Der erste Fernsehprediger war der katholische Erzbischof Fulton Sheen. In den Sechzigern und Siebzigern war der Glaube dann endgültig im Fernsehen angekommen. Eins zu eins funktioniert die Übertragung des Glaubens auf die Mattscheibe aber nicht. Und das sind die größten Kritikpunkte: Zu wenig Rechenschaft, weil die Prediger oft keiner Kirche unterstehen, übernatürliche Glaubensanwandlungen, ausschweifender Lebensstil, extremes Spendensammeln, Personenkult um die Priester, Entertainment, Wunderversprechung, falsche Glaubenslehre, ja sogar Massenhypnose — die Liste der Vorwürfe ist lang.
Im Oktober 2007 wird Bibel TV auch noch einen Jugendsender mit dem Arbeitstitel J-TV starten. Der Schwerpunkt hier: Musiksendungen, Comedy-Formate und Lifestyle-Sendungen. Digital zu empfangen über den Satelliten Astra. Er wird eben so wie der Mutterkanal Bibel TV von Hamburg aus ausgestrahlt. Die weltweite christliche Musikszene habe Deutschland noch nicht voll erreicht, sagt die Pressesprecherin von Bibel TV. Selbst die christliche Deutungshoheit liegt in Zukunft wohl bei den Fernsehmachern.
Franziska Schwarz
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