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Bernhard Eder - The Livingroom Sessions

While my guitar gently weeps.

Band Bernhard Eder
Album The Livingroom Sessions
Plattenfirma Solaris Empire / Broken Silence
Bewertung 6 von 9 Punkten

Bernhard Eder lädt in sein Wohnzimmer nach Berlin zu einer Akustik-Session. Hier beginnt er mit seinem Debutalbum eine Karriere als Solokünstler, und so sind seine Bandkollegen von wa:rum nicht dabei, nur Vera Fleischanderl, die Freundin und Mitbewohnerin ist zuhause, und hat ihre Violine schon bereitgelegt für die Single Cute. Für alle anderen Instrumente ist Eder selbst zuständig. Sie sind sanft und leise und passen dadurch zur Stimme des Sängers, der im Gegensatz zu seinen Live-Darbietungen an diesem Abend nur die verhalten-weinerliche Klangfarbe verwendet. Schlagzeug und laute Gitarren wären hier fehl am Platz.

Wie könnte es aussehen in diesem Wohnzimmer? Auf jeden Fall füllen warme Farben den Raum, Kerzenschein schafft eine heimelige Atmosphäre. Auf dem Couchtisch steht ein Glockenspiel, in der Kommode liegen alte Liebesbriefe. Auf dem Kaminsims die Fotografie eines fremden Mannes. Es könnte Eders Vater sein, dem der Singer/Songwriter letzten Herbst unbekannterweise ein Abschliedslied gewidmet hat (Farewell).
Im Bücherregal stapeln sich die CDs. Nicht nur die naheliegenden Vorbilder wie Elliott Smith, Nick Drake, Kings of Convenience, Boy Omega, max Min, und Jose Gonzales, gibt es hier, sondern auch sämtliche Platten der Pet Shop Boys, die Eder seit langem verehrt. Dem hat er auf The Livingroom Sessions Ausdruck verliehen und dabei bewiesen, dass 80er-Synthie-Songs auch im unplugged-Gitarrensound überzeugend klingen, wenn sie gut sind (Being boring).
Was sich leider nicht in Eders Wohnzimmer befindet, ist das Buch „English Phonetics and Phonology“, und so reiht sich Eder nahtlos ein in die lange Liste der österreichischen Indiemusiker mit seltsamem Englisch-Akzent, an deren Spitze Oliver Welter steht. Mit dessen Band Naked Lunch teilt Eder die Vorliebe für Tearpop-Songs. The Livingroom Sessions klingt schwermütig und weich, einfühlsam und intim. Live ist das Album allerdings um einiges intensiver als auf Platte. Authentische Texte und wohlklingende Arrangements trösten jedoch darüber hinweg, dass die Stücke größtenteils sehr ähnlich klingen. Die Lieder erzählen Geschichten aus dem Privatleben des Sängers, die direkt seinem Tagebuch entnommen sein könnten. Eder versteckt sich hinter keiner Maske. Oder ist der introvertierte traurige Junge nur eine Rolle? Wenn ja, dann spielt er sie sehr überzeugend.

Die Kerzen sind fast niedergebrannt. Bernhard Eder spielt zum Abschluss das Instrumentalstück Taktikker. Die sanften Gitarrenklänge wiegen zärtlich in den Schlaf, und schenken schwebende Träume.

Fazit: KammerPopMusik für Melancholiker, die in leisen Momenten berührt.

Katharina Litschauer

Tourdates

26.Jun.2007 Nbi w/Salt Berlin
24.Aug.2007 Bock Ma's Festival Timelkam
09.Sep.2007 Live in the Living Kassel
02.Okt.2007 Unikum w/ Velojet Halle
03.Okt.2007 Schokoladen w/ Velojet Berlin
08.Okt.2007 Mausefalle Bonn



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