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*rschl*ch K*r**k*.

*rschl*ch K*r**k*.

Verlinke niemals die Kopie einer Kopie einer Kopie.

Es wird zu diesem Thema keine Links geben. Weil jeder geklickte Link eine Bestätigung für diejenigen ist, gegen die diese Zeilen gerichtet sind. Und die sollen keine Aufmerksamkeit mehr erfahren. Die leben doch von den Klicks und den rasselnden Countern und den „LOL, wie bescheuert“ in den Kommentaren. Die haben doch sonst nichts. Die Links lassen sich schnell finden. Einmal Remix Gr*p T*kk*n bei g**gl* eingegeben, einmal „lustiges Video“. Darum geht es. Um Menschen, die vor einer Kamera Karaokeversionen von Karaokeversionen singen und das entsprechende Video dann bei youtube hochladen.

Technik macht das möglich. Und Talentlosigkeit. Und das ewige Bedürfnis, mal für sieben Tage in den Radar der TV-Total-Show zu kommen. Vor zwei Jahren war das der dicke Typ, der Dragostea Din Tei vor seinem Rechner sang. Das ging dann durch die Büros und Blogs und Foren und jeder lachte für 2:20 und verlinkte dann weiter, im guten Glauben, etwas Anständiges, weil Unterhaltendes getan zu haben.

Über S*nn*nl*scht der Gr*p T*kk*n ist die letzten Wochen viel geschrieben wurden. Über die Art und Weise, wie es bekannt wurde, wie es zum Plattenvertrag kam, wie schnell die MaxiCDSingle erschien und bei *m*z*n auf den hinteren dreistelligen Wertungsplätzen verkümmerte. Jeder hat S*nn*nl*scht einmal in seinem Leben an irgendjemanden weitergeschickt. „Virales Marketing“ heißt das und davon träumen junge MarketingmixmanagerInnen in kalten Winternächten. „Virales Marketing“ heißt auch: Jeder ist schuld am Schund. Jeder sagt aber am Ende wieder: „Was sind das bloß für Hitparaden.“ Bei Schn*pp* war das schon so. Im Internet war es noch superlustig und irgendwie auch unschuldig niedlich, im Büro mit den Kollegen und den innovativen Freunden von der ChatCommunity. Als aber die kleine Joy ohne Ritalin bei der Echo-Verleihung vom kleinen Krokodil sang, da wollte niemand daran Schuld getragen haben.

So ist das Internet. Die Kopie einer Kopie einer Kopie sein zu wollen. Da stehen vier Mittezwanziger in einem turnhallenähnlichen Zimmer, mit „lustigen“ orientalischen Mützen auf den Köpfen und bunten Tüchern um die breiten Hüften und nennen sich Gr*p D*n*r. Und weil das lustig ist, beginnt der sanfte Beat und dann bewegen die Mittezwanziger ihre Lippen und imitieren S*nn*nl*scht. Scheiße generiert Scheiße. Das wissen die Mittezwanziger genau und machen genau deshalb mit. Camp ist, wenn etwas offensichtlich schlecht ist, aber vom Künstler mit ehrlichem Ehrgeiz geschaffen wurde. Die einzige Ehrlichkeit in diesem Video besteht in der nicht verhüllten Absicht, ein paar Krumen des Traffickuchens abhaben zu wollen. Und dafür investieren die Mittezwanziger ihre Zeit, kein Können, teuren Webspace, die Zeit derer, die sich das anschauen und mit der Betreffzeile „Vorsicht: Lustig“ an Bekannte weiterverschicken.

Zu Musik synchron die Lippen zu bewegen. Dafür gibt es schon eigene, von g**gl* initiierte Wettbewerbe. Im Finale stehen P*mm* & K*lly. Aus einem hier nicht verlinkten Blog: „Nach Gr*p T*kk* ist es Zeit für P*mm* & K*lly, zwei 15-jährige Holländerinnen, die in ihrer (reichlichen) Freizeit lustige Musik-Videos erstellen.“ Am 27. März hatten die beiden über 12000 Stimmen bekommen. Das heißt: zwölftausend Menschen haben zwölftausend andere Menschen über den Link informiert, die haben auf das Video geklickt, sich Respect angesehen und dann für P*mm* & K*lly gestimmt. Allein in der Finalrunde. Jetzt spricht der holländische Telegraaf mit ihnen und „some television programs.“ In einem hier unverlinkten Kommentar zu einem Blogeintrag über die beiden heißt es: „Wer Traffic braucht, sollte mal über die beiden berichten.“

Dabei gab es das schon immer. Das Schneeballsystem. Und es funktioniert am besten bei offensichtlich Schlechtem. 1999 wurde die private Homepage des Türken Mahir Cagis millionenfach angeklickt. Mahir Cagis hatte dort seine Hobbies vermerkt („volaball“, „music enstruments my home I can play“), sein Vorliebe „to take foto-camera (amimals, towns and peoples)“, Fotos, die ihn beim Akkordeonspielen zeigten und auch „I like sex“ und „Who is want to come to TURKEY I can invitate“ und „She can stay my home.“ Sp**g*l *nl*n* und die New York Times berichten über Mahir Cagis, er machte eine Tour durch Amerika, eine Rezitation seiner Homepagetexte wurde angeblich von Aphex Twin vertont. Mahir Cagis war die Gr*p T*kk*n seiner Zeit.

Humor lässt sich glücklicherweise nichts vorschreiben. Lacht erst, denkt dann. Humor reagiert auf jedes E-Mail-Attachment. Auf j*stm*g ist der zweiterfolgreichste Artikel die Top 10 der Pornofilmnamen aus dem Jahr 2004. Das war so nicht geplant. Aber so ist Humor. „Scheiße generiert Scheiße“ ist keine neue Erkenntnis. Aber eine, deren Folgen die E-Mailkästen verstopfen und Zeit stehlen. Ein ewiger Kreislauf, der nur unterbrochen wird, indem man beim nächsten Mal die 2:20 Minuten wieder lacht. Aber dann nicht weiter verlinkt. Sondern einfach ******.


Links zu diesem Thema:

Stefan Petermann


Kommentare



Borschti schrieb am 30.04.2006 um 14:03 Uhr:

Vielleicht ist nun mit Grup … auch das Ende der Fahnenstange erreicht. Ihr Misserfolg in der Chartswelt gibt mir persönlich das Gefühl das sich wenigstens nicht alles vermarkten lässt.
Links, egal in welcher Form und wofür genutzt sind jedoch niemals falsch, denn ohne Links wäre das Internet überflüssig und trostlos und nicht das was es heute ist.

Wenn das bedeutet das ich bei jedem 2. Link mir 2 Minuten Mist anschauen muss, den ich temporär lustig finde und danach einen Link der mich auf etwas sehr wissenswertes stoßen lässt, so kann ich damit gut leben.

Btw.: Traffickuchen hat das Potenzial zum Wort des Jahres

eMail: butterbeidefische@gmx.net

Jonas schrieb am 14.04.2006 um 23:28 Uhr:

ich lache gerne und herzlich über scheisse


Artkan schrieb am 08.04.2006 um 12:03 Uhr:

Wisst ihr was das schlimmste ist? Selbst davon GIBT ES EINE KOPIE!!! Und natürlich bekam ich sie gestern den Link davon -.-

eMail: artkan@web.de | Homepage: artkan-diary.de.vu

Stoffek schrieb am 07.04.2006 um 13:36 Uhr:

Dein Kommentar spricht einem regelrecht aus der Seele.
Ätzend, die Links, die dir dauernd jemand schickt, mit einem augenzwinkernden Smiley, oder dem auch von dir zitiertem „Lol“.
Dann muss man sich dauernd irgendwelche Leute angucken, die sich Raketen in den Arsch schieben, oder sich irgendwie anders weh tun, oder irgendwelche Flashanimationen, die teilweise ganz witzig sind, aber einem zum Hals raus hängen, wenn man sie drei Tage später in Dauerschleife bei VIVA sieht.


Also, danke für diesen schönen und treffenden Kommentar!


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