 Gefährliche Liebschaft.
| Autor |
Anne-Sophie Brasme |
| Titel |
Das erste Mal sah ich sie an einem Samstagnachmittag |
| Verlag |
Goldmann |
| Seiten |
192 |
| Bewertung |
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Anne-Sophie Brasme ist in Frankreich ein Star der jungen Autorengeneration. Kein Wunder, schrieb sie doch mit 16 Jahren den Sensationsroman Dich schlafen sehen und katapultierte sich damit in etliche Bestsellerlisten. Die Chancen stehen recht gut, dass sie mit ihrem zweiten Roman Das erste Mal sah ich sie an einem Samstagnachmittag an diesen Erfolg anknüpfen, auch wenn der kitschige Romantitel in der deutschen Übersetzung zunächst in die Irre führt (der Originaltitel lautet Le Carnaval Des Monstres).
Wie schon der erste Roman kreist das neue Werk um eine verhängnisvolle Freundschaft zwischen zwei unterschiedlichen Charakteren, deren Rückzug in die Isolation für einen der beiden Beteiligten zum Schluss tödlich endet. Im Mittelpunkt des neuen Romans der 21-jährigen Autorin, die eigenen Angaben nach zufolge selbst mit ihrem Äußeren hadert, steht die hässliche Studentin Marica und der wortkarge Fotograf und Maler Joachim. Der findet in der jungen Frau seine Muse, die sich später in brutale Obsession verwandelt.
„Marica war hässlich, und auch dafür habe ich sie geliebt. Körperliche Makel, monströse Menschen haben mich schon immer fasziniert […] Andere sammeln Bücher oder Bilder, ihre Leidenschaft gilt leblosen Objekten. Ich hingegen sammelte Menschen. Mein Museum war eine Monstergalerie. Ich trug Gesichter und Körper zusammen. Ich klapperte Spitäler und Anstalten ab. Ich suchte rare Exemplare, Wunder der Natur — die äußerste Form menschlicher Entstellung. So habe ich sie getroffen.“
Überraschend lädt keiner der beiden Protagonisten zur Identifikation ein oder appelliert an das Mitgefühl des Lesers. Emotionslos sieht Brasme dabei zu, wie sich ihr steriles Personal in fatale Affären verstrickt, lebt, liebt und leidet und sich letztlich doch nur ein eigenes Grab schaufelt. Unterbrochen wird diese nüchterne Studie nur durch den raffinierten Wechsel zwischen den beiden Erzählperspektiven von Marica und Joachim — bis zum bitteren Ende.
Fazit: Fast so fesselnd wie der Erstling.
Katja Peglow
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