 Good Girl.
| Band |
Amy Winehouse |
| Ort |
Palladium (Köln) |
| Datum |
28.10.2007 |
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Amy Winehouse lässt sich partout in keine Schublade stecken: Sie hat die Figur einer herangezüchteten R'n'B-Sängerin, die Tätowierungen einer durchgeknallten Punkrockerin und die Stimmbänder einer alternden Souldiva aus den 60ern. Die 24-jährige gebürtige Londonerin, ist Englands zurzeit wohl schillerndster Popexport und hat ihre deutschen Fans lange auf sich warten lassen. Nach der geplatzten Mini-Tour im Frühjahr holte sie jetzt endlich die versäumten Gigs in deutlich größeren Venues nach. Nur um sich mal den rasanten Aufstieg der Skandalsängerin zu vergegenwärtigen: Im März sollte das Konzert noch im Bürgerhaus Stollwerck (=sehr klein) stattfinden und nur sieben Monate später füllt La Winehouse bereits das komplette Palladium (=sehr groß). Das Publikum ist wie erwartet bunt gemischt. Anzug- und Chucksträger waren genauso vertreten wie alt und jung. Dendemann war übrigens auch da.
Der Abend beginnt mit dem Opening Act MissinCat. Die nur mit einem dünnen Stimmchen und einer Akustikgitarre bewaffnete Folksängerin verbreitet 40 Minuten lang gepflegte Langeweile auf der viel zu großen Bühne. Kaum vorbei macht sich spürbar Spannung im Raum breit. Wie lange lässt Amy diesen Abend auf sich warten? Kommt sie oder kommt sie nicht? Und falls ja: in welchem desolaten Zustand wird sie diesmal erscheinen? Die Antwort lautet: in gar keinem.
Die Frau, die an diesem Abend nur von einem einzigen Fotografen geknipst werden darf präsentiert sich in guter Verfassung. In ihrem adretten Jeanskleid, Leopardenpumps und der legendären Turmfrisur sieht Amy blendend aus. Auch ihre berühmte Zahnlücke, die immer nur dann kurz aufblitzt, wenn die Rehab-Sängerin sich zu einem ihrer seltenen Lächeln hinreißen lässt, bekommen die Besucher an diesem Abend mehrfach zu Gesicht.
Entgegen allen Befürchtungen liefert Amy Winehouse mit ihrer famosen Backing Band The Dap Kings eine tadellose und komplett skandalfreie Performance ab. Eine Stunde und 15 Minuten spielt sich die neunköpfige Band durch ein mitreißendes Set, bestehend aus den beiden Alben und etlichen Coverversionen von The Specials bis zu den Zutons. Besonders gelungen: der Moment als He Can Only Hold Her in Lauryn Hills That Thing übergeht. Ansagen gibt es so gut wie keine. Wake Up Alone widmet die Winehouse immerhin ihrem Mann, der das gesamte Geschehen am Bühnenrand mitverfolgt und zu dem Amy zwischendurch immer mal wieder Zuflucht sucht, nur um dann in spektakulären Sprints zum Mikro zu hechten und ihren Einsatz dennoch um Haaresbreite zu verpassen. Sehr charmant.
Überhaupt: Nur selten ist von der vorab heftig kritisierten Lustlosigkeit der Sängerin zu spüren. Sicher, hin und wieder wirkt die 24-jährige etwas teilnahmslos. Das liegt aber vornehmlich daran, dass hier hauptsächlich mit der Stimme und weniger mit dem Körper performt wird, der ohnehin nur sehr sporadisch zum Einsatz kommt. Auch wenn Amy Winehouse an diesem Abend ihre kraftvollen Soul-Hymnen nur mit halber Power schmettert bleibt ihre Stimme zu jedem Zeitpunkt beängstigend ausdrucksstark. Kaum vorstellbar wie gut diese Frau erst sein muss, wenn bei ihr mal der Knoten auf der Bühne platzt.
Katja Peglow
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