 My home is my castle… and yours?
Macht es glücklich, alleine zu wohnen?
Pro
Endlich ist dieser anstrengende Tag vorbei, und ich komme nach Hause. Als ich die Türe aufschließe, erinnere ich mich an Dinge, die mich in dieser Situation schon erwartet haben:
- Eine fünfstöckige Pyramide aus Kaffeebechern, Essensresten, Pennytüten und Geschirr auf dem Küchentisch, obenauf die leere Verpackung der Pizza, auf die ich mich schon den ganzen Heimweg lang gefreut habe.
- Kalter Zigarettenrauch. Und meine Zimmertüre steht offen.
- Laute Hip-Hop-Musik der übelsten Sorte. Und die CD hat 26 Tracks.
- Drei Stunden lang Telefon und somit Internet besetzt. Und ich muss dringend ein E-Mail versenden.
- „Gut, dass Du da bist! Jetzt können wir das endlich einmal aufräumen.“
- Kein Klopapier. Keine Milch. Keine Zahnpasta. Und es ist Samstag abend.
- „Wo warst Du so lange? Du hast doch gesagt, es wird nicht spät!“
- Vier Männer und 30 Bierflaschen vor dem Fernseher. Noch nicht einmal Halbzeit, und meine Lieblingsserie fängt gleich an.
- „Kannst Du bitte diese frustrierende Musik abdrehen? Das stört gerade wirklich.“ Und ich stehe da mit meiner neuen CD, wie ein Kind, das unter dem Weihnachtsbaum die Geschenke nicht auspacken darf.
- Fremde Unterwäsche in der Wohnung verstreut, und dazu eine Geräuschkulisse, die in keinem Hauptabendprogramm unzensiert zugelassen wäre. Und ich fühle mich wie Brantley aus The secret of my success in seinem heruntergekommenen Appartment mit den dünnen Wänden.
Beim Gedanken an solche Momente weiß ich doch mal wieder genau, warum ich alleine wohne. Einsam habe ich mich hier noch nie gefühlt; schließlich habe ich Telefon, Nachbarn, Musik, Leute, die mich gerne besuchen, und jederzeit die Möglichkeit, auszugehen.
Contra
Müde und erschöpft schließe ich zu später Stunde die Wohnungstüre auf. Dunkelheit. Stille. Leere. Ich denke und erinnere mich daran, was mich an solchen Abenden schon zu Hause erwartet hat beziehungsweise erwarten könnte:
- Jemand, dem ich ohne Scheu und ohne einen Termin ausgemacht zu haben, die Erlebnisse des Tages berichten und dabei in die Augen sehen kann.
- Du in deiner knackigsten Boxershort, dir müde und verschlafen die Augen reibend und sagend: „Hey, mein Liebling, wie schön, dass du zu Hause bist, lass dich drücken.“
- Ein paar nette Freunde, die in Null-komma-nichts meine Gedanken verscheuchen, ob ich mir die 326. Wiederholung von Columbo oder doch die unsinnige neue Fernsehserie auf dem anderen Sender ansehen soll.
- Jemand, der sich mit dem elenden Video-Rekorder auskennt und mir den genialen Film aufnehmen kann, den es natürlich erst um 0:25 spielt.
- Die Gewissheit, dass ich nicht schnell duschen und dann todmüde abermals die Wohnung verlassen muss, weil ich versprochen habe, später noch zu dir zu kommen.
- Das Shampoo, das ich zu kaufen vergessen hatte und das du dennoch besorgt hast, weil du mich mittlerweile verdammt gut kennst und wusstest, dass ich nicht daran denken würde.
- Ein vorgewärmtes Bett, in das ich nur noch zu dir hineinkriechen muss, um von deinen starken Armen und deinem wohligen Geruch eingefangen zu werden, um mit deinen Lippen auf meiner Haut wie jeden Abend einschlafen zu können und um bei dir einfach nur daheim zu sein.
- Eure Worte: „Komm setz dich zu uns, wir haben heute Chili gekocht, das magst du doch auch so gerne.“
- Der unerwartete Anblick wunderschöner Blumen auf dem Tisch, die noch nicht da waren, als ich am Morgen die Wohnung verließ.
- Dein ja so schauderbarer Gesang unter der Dusche, der mich jedes Mal erneut zum Lachen bringt und dabei mein Herz erwärmt.
Manche Menschen mögen zum Alleine-Wohnen geboren sein, ich bin es wohl nicht. Natürlich sollte man sich gut aussuchen, mit wem man zusammenzieht. Erwischt man aber den oder die Richtige(n), dann kann so ein gemeinsames Wohnhöhlen-Gefühl etwas Wunderbares sein — trotz ein paar Pizzaschachteln oder einer offen gelassenen Zahnpastatube.
Katharina Litschauer, Claudia Leithner
Kommentare
| Daps schrieb am 06.11.2005 um 12:40 Uhr: |
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da kann ich dir einfach nur zustimmen
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