 Die bittersüßen 21 Gramm Seele.
| Band |
Shout Out Louds |
| Album |
Our Ill Wills |
| Plattenfirma |
Haldern Pop / Cargo |
| Bewertung |
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Für manche Leute muss Schokolade einen Kakaoanteil von mindestens 110 Prozent haben. Darunter machen sie nichts. Diese Leute mögen es bitter. Wobei: Sie bringen sich um den Spaß von bittersüß. Um was sich im übrigen auch alle bringen, die auf das zweite Album der Shout Out Louds verzichten. So Leute die sagen, „Bäh, wenn jetzt schon Nena für einen Oliver-Pocher-Film Young Folks covert, wie weit soll es denn noch mit schwedischem Pop kommen?“ und „Nee, noch so einen Hit wie Please Please Please kriegen die eh nicht mehr hin.“ Solche Leute zünden auch den Daimler-Benz von Kai Diekmann an und halten das für einen legitimen Beitrag zum kommenden G8-Gipfel.
Stattdessen geht es natürlich jeden Sommer wieder um etwas anderes: flirrende Hitze, gegebenenfalls einen Jungen beziehungsweise ein Mädchen kennenlernen, vom Steg in kaltes Waldseewasser springen, für das Fotohandy gemeinsam die Zunge rausstrecken und dann am Ende des Jahres denken: „Your love is something I cannot remember“, weil dies wunderbar melancholisch nach vergangenen Zeiten klingt, die so großartig waren, dass man sie nur mit einer Melodie konservieren kann, die das eigene Herz mit Gänsehaut bannt und im gleichen Moment die Schlagzahl verdoppelt.
Die Shout Out Louds also sind der Soundtrack des Sommers 2007. Diesen Vertrag zu unterzeichnen, könnte sich als bisher beste Entscheidung im Mai herauskristallisieren. Denn mal ehrlich: Wer vermisst nicht den Pop von The Cure, dieses unbeschwerte Schmachten nach Alternativen von Close To Me, was natürlich so viel mehr ist als ein unbeschwertes Liebeslied? Auf Our Ill Wills klingt dies alles möglicherweise weniger spektakulär, als man vermuten könnte. Ein paar Streicher hier, ein verhuschter (natürlich The Cureekser) Beat da, charmant verschrammelte Gitarrenakkorde, ein altes Klavier, zarte Glockenspiele, ein wenig ausschweifendes Feedback, die Stimme von Robert Smith, Texte, die oft das Vergangene feiern und das Zukünftige herbeisehen.
Zusammengehalten wird der Zauber von einem bittersüßen Schmelz. Keine watteweiche Überzuckerung, die nach mehrmaligen Hören verklebt, was anfangs bewegt, sondern (und das ist die Stärke von bittersüß) das Beste aus zwei Welten. Die Shout Out Louds lassen sich unbekümmert mitpfeifen und rühren doch an den 21 Gramm Seele, für welche die schönste Momente eines Leben gleichzeitig die schwermütigsten darstellen.
Fazit: Ihr einsamen Herzen, rennt raus ins Grüne, solange Deutschland noch von der Klimakatastrophe profitiert. Tausend Sonnenstrahlen pro Minuten werden mit diesen Melodien eure Sehnsüchte in einen wolkenlosen Himmel projizieren.
Stefan Petermann
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