 Befreit die Stars.
| Band |
Rufus Wainwright |
| Album |
Release The Stars |
| Plattenfirma |
Geffen/Universal |
| Bewertung |
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Rufus Wainwright ist nicht nur Sohn eines Musiker-Paars, auch seine Schwester ist erfolgreiche Sängerin. Und er liebt die Oper. Und er ist schwul. Und das alles hört man seinen Platten an! Nein, nicht im negativen Sinne. Im positiven Sinne! Er macht Musik für ein Publikum, das man früher Bildungsbürgertum nannte, als es so etwas noch gab. Passend verlangt er gleich zu Beginn seinem Hörer eine gewisse Selbsteinschätzung ab: „Do I disappoint you in just being human?“
Letztes Jahr sang er für ein exklusives Konzert der Pet Shop Boys deren Casanova In Hell und verwandelte den Song so inbrünstig und stilsicher in sein Eigentum, dass er Neil Tennant nachhaltig beeindruckt hätte. Wenn… ja wenn der Bildungsbürger Tennant nicht eh' schon von Wainwrights musikalischer Arbeit beeindruckt gewesen wäre. So oder so hätte Tennant wohl die Produktion des neuen Albums Release The Stars übernommen. So trafen sich die beiden zuletzt öfter in Rufus' Wahlheimat Berlin und arbeiteten auch an Songs, die Tiergarten oder Sanssouci heißen. Vielleicht schrieben sie sogar Songs über diese Zeit? „Won't you walk me through the Tiergarten? Won't you walk me through it all, darling? Doesn't matter if it is raining. Won't you walk me through it all?“
Für seine Musik soll der Begriff Popera erfunden worden sein, manche sagen auch Baroque Pop. Wie das klingt? Wie ein langweiliges, ruhiges Liedchen, das unvermittelt Pirouetten dreht, sich in die Höhe schwingend in eine Bombast-Pose wirft, sich kauernd wieder zurückzieht und dann doch noch mal emotional ausbricht, mit leicht veränderter Stimmungslage (Slideshow). Nein… das war's doch noch nicht. Rufus kann auch einen Epilog sexy hinterher klingen lassen. Andere Stücke tragen ganz offensichtlich Orchesterelemente vor sich her, quartieren Pianosolos ein oder basieren auf taumelnden gesanglichen Emotionen (Tulsa). „I'm not ready to love until I'm ready to love you the way you should be loved. Until I'm ready to hold you the way you should be held, but I'm not ready to.“
Im Grunde hält Release The Stars, was der Titel verspricht: Hübsche Kleinode von Songs, die ihre Schönheit erst dem Hinhörer offenbaren. Im ersten Moment könnte alles langweilig erscheinen, doch die Operndramatik zahlt sich aus. Immer wieder brechen die Songs aus ihrer Starre heraus, wechseln die Emotionalität (Do I Disappoint you) oder krönen einen irgendwie immer noch langweiligen Song am Ende mit einem fulminanten Crescendo (Between My Legs). Auch so kann ein Song funktionieren und am Ende die aufregendste Minute des Albums liefern. Der Anspieltipp bleibt dennoch die Single Going To A Town, hier geben Amerika-Kritik, Eingängigkeit, Melodieverliebtheit und musikalische Verspieltheit das Exempel ab, das so ein Album am besten verkauft. Nichtsdestotrotz, die Stars, die der Titel befreien möchte, sind in Wirklichkeit Hollywood-Schauspieler, wie der Titeltrack am Ende verrät: „Old Hollywood is over. So why not just release the gates and let them all come out?“
Fazit: Ein Neil Tennant ist er mit 34 noch nicht ganz, aber diese musikalische Virtuosität wird ihm treue Fans bescheren. Zu Recht!
Parallel zu 'Release the Stars' erschien am 25.05.2007 die Compilation 'Yellow Lounge compiled by Rufus Wainwright' in der er seine klassischen Favourites zusammenstellt für die Berliner Klassik DJ Night.
Jörg Dietrich Tourdates
- Juni — 20. Juli Europa: UK, Spanien, Glastonburry, Belgien, Dänemark, Schweden, Irland, Schweiz
Kommentare
| Jörg schrieb am 29.06.2007 um 12:02 Uhr: |
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Ich will mal noch anmerken das im Englischen gesungen aus Tiergarten, leicht 'teargarden' wird, was dem Song eine raffinierte Wendung gibt.
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