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Mamallapuram-Abend (Pop-Up) (12.05.2007)

Das Zucken und Wippen der Postrockbrille.

Event Mamallapuram-Abend (Pop-Up)
Ort UT Connewitz (Leipzig)
Datum 12.05.2007

Postrock 1

Ter Haar: Es ist erstaunlich, was Menschen vor der Bühne in fünf Minuten alles tun können: Da ist das Indymädchen in gepunktetem H&M-T-Shirt, das SMS tippt. Da ist die kleine Gruppe Soziologiestudenten, die über die neue Biermarke und den gestrigen Abend quatscht. Und dann ist da Indie-Leipzig, das sich zu der Musik von Ter Haar ein neues Getränk holt. Ter Haar sind die Werbepause bei der Pop-up.
Sie sind das Postrock-Risiko eingegangen und daran gescheitert:
Postrock muss in einem fünf-Minuten-Solo überzeugen. So viel Zeit für ein Solo hat nicht jede Musikrichtung. Das heißt aber auch, dass die Bands ihre Zuhörer fünf Minuten fesseln muss. Klingt nicht viel, aber Ter Haar schaffen es trotzdem nicht. Sie verlieren sich in ihren Instrumenten. Sie zeigen, wie Postrock zur Hintergrundmusik werden kann.

Der Spaß ist auf der Bühne; die Musik kommt nur bis zum Bühnenrand und darüber hinaus ist sie wie Radio, das dudelt, während sich Menschen unterhalten und auf Toilette gehen. Es gibt aber auch hier natürlich den einen Typen, der auch zum Radio tanzt. Er hat wirre Locken und eine Brille, die fast herunterfällt, wie er so seinen Kopf schüttelt und die Arme dazu. Er merkt wahrscheinlich nicht einmal, wie er die Menge teilt, weil die Leute an ihm vorbeigehen, um frische Luft zu schnappen oder einen Bekannten zu begrüßen.

Postrock 2

EF: Auch EF] sind das Postrock-Risiko eingegangen und haben gewonnen. Leute kommen wieder in den Raum. Sie bleiben gebannt stehen. Leute hören auf zu reden. Sie schauen zur Bühne. Da sind fünf Männer am arbeiten. Sie legen sich ins Schlagzeug und kämpfen mit der Gitarre. Sie ringen mit dem Bass und sie zersägen das Cello. Der Typ mit der Brille und den wirren Locken hört auf zu zucken. Dem Indie-Mädchen bleibt der Mund offen stehen, dann beginnt sie sehr rhythmisch zu tanzen und ein paar Soziologiestudenten bekommen glänzende Augen.

Da gibt es keine fünfminütigen Soli, ein Solo geht ein ganzes Lied und die Lieder gehen ineinander über. Da muss der Sänger auch nicht mehr sagen als „Hi“ und „Thank you“. Und das ist viel im Vergleich zu Konzerten von Mogwai — Postrock eben. Der gute.

Rehrock

Britta Persson: Mit Augen größer als Sailor Moon blickt sie erschrocken in die Menschenmenge. Ein Rudel Rehe könnte nicht scheuer blicken. Den Blick wird sie während des Konzertes nicht absetzen. So zerbrechlich kann die Stimme gar nicht sein, wie man erwarten möchte. Ist sie auch nicht, aber hell und klar. Etwas verlegen zupft Britta Persson an der Gitarre und blickt zu ihrem Schlagzeuger der gleichzeitig ihre ganze Band ist. Er steht viel zu weit weg. Dafür fassen sich Menschen vor der Bühne an den Händen, schauen sich in die Augen. Der Typ mit den wirren Locken wieder: die Locken wirbeln nicht mehr umher wie beim Postrock, sie wippen nur noch leicht. Er steht mit geschlossenen Augen da und lässt sie wippen. Das Indie-Mädchen tanzt nicht mehr, sondern wiegt sich nur noch.

Britta Persson ist das Betthupferl des Abends. Nach ihr gehen die wirren Haare, das Indie-Mädchen mit dem gepunkteten T-Shirt und die Soziologiestudenten nach Hause und ins Bett.

Kerstin Petermann





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