 Meine Freunde vs. Die Objektivität.
| Band |
Polarkreis 18 |
| Album |
Polarkreis 18 |
| Plattenfirma |
Motor / Edel |
| Bewertung |
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Subjektiv: Ich habe Freunde. Sie mögen und machen Musik und lassen sich nicht von kurzlebigen Trends beeindrucken. Im Gegenteil. 2005 war es, als sie aufgeregt von einem Konzert kamen und von dieser Band sprachen. Wie wahnsinnig perfekt ihre Musik sei. Meine Freunde sprachen davon, wie sie gleichzeitig getanzt, vor Begeisterung gebrüllt und vor Ehrfurcht stillgestanden hätten. Von den Bildprojektionen, auf denen die Band über Wiesen flog. Meine Freunde, nein, sie sprachen nicht, sie standen neben sich, als sie diesen Namen schrien: Polarkreis 18.
Bald darauf besuchten sie ein zweites Konzert. Dort kauften sie das selbstproduzierte Album und ließen sich vom Sänger Blumen auf das Cover malen. Im Laufe des Jahres wurde dieses Album wurde unter meinen Freunden zu einem Konsens. Sie klebten einen Bandaufkleber auf den Aschenbecher, den sie am häufigsten benutzten. Sonst hatten sie unterschiedliche musikalische Interessen, aber diese Band aus Dresden einte sie.
Objektiv: Was Polarkreis 18 zuerst produzieren: Jede Menge Bilder. Dies liegt am Bandnamen, am arktischen Albumcover, am Falsettgesang von Sänger Felix Räuber, der selbstverständlichen Symbiose zwischen tanzbarer Elektronik und orchestralen Klängen. Diese Bilder werden mit den Informationen potenziert, dass die Band ihre Lieder letztens im Dresdner Schauspielhaus aufgeführt haben und ihre Bühnenprojektionen „Klangfilm“ nennen. Auf dem Punkt gebracht würde ein wahrer Satz lauten: Polarkreis 18 sind eine Symphonie in Eis, für alle die mit Human Behavior, Kid A, Dummy und einer gewissen Affinität zu bedeutungsschwangerer Filmmusik sozialisiert wurden.
Und das Gute daran ist: All diese Referenzen verschwinden spätestens nach zehn Sekunden. Dann nämlich, wenn sich aus den Streicherteppichen, verwaschenen Melodielinien, verzärtelten Gitarren und eigentümlichen Soundkollagen die Eigenständigkeit der Band schält. Gut, weil die Dresdner gekonnt mit den klangästhetischen Vorlieben eines aufgeklärten Mitteleuropäers spielen und dabei verschiedene Gemütszustände auf einen Nenner bringen. Gut, weil der Bombast nie den Kontakt zum Boden verliert oder die Niederungen des postpopprogessiven Kitsch streift. Weil Polarkreis 18 sich trotz einer verdichteten Struktur immer wieder den Luxus nehmen, aus einem allzu strengen Songkorsett auszubrechen (Comes Around), zitieren ohne zu plagiatieren (After All, He Was Sad) und Look gerade im Trockeneisnebel einer Discothek am besten funktionieren wird. Deshalb und weil man hundertmal Island sagen kann, ohne Polarkreis 18 auch nur entfernt näher zu kommen: Hier treffen Referenzen der Vergangenheit auf Ahnungen von der Zukunft und sind letztlich eine fulminate Lokalisierung der Gegenwart.
Fazit: Objektiv = Subjektiv. Alles andere als ein dauerhafter Platz an der Spitze wäre unangebracht.
Stefan Petermann
Kommentare
| 4zvrf schrieb am 25.03.2007 um 12:48 Uhr: |
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an Jörg:
Du traust Stefan der die CD gehört hat mehr als deinen Freunden die auf dem Konzert waren wenn du entscheiden willst ob du auf ein Konzert der Band gehst?
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| Jörg schrieb am 18.02.2007 um 13:47 Uhr: |
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Stefan! Genau von dieser Band wird mir seit zwei Wochen erzählt. Seit ich mit Thomas an einem Freitag abend im Triangel saß und wir uns nicht mehr aufrafften noch in die Ilse zum Polarkeis 18-Konzert zu gehen, Freunde von uns aber waren! Übrigens spielen die Mitte März nochmal in Halle (Karten kosten nur 5,50 euro). Wäre das ein Grund mal aus Weimar aufzubrechen???
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