 Theater, Surrealismus oder doch einfach nur Pop?
| Band |
Pet Shop Boys |
| Ort |
Chemnitz |
| Datum |
09.05.2007 |
|
Für Pet Shop Boys-Konzerte gibt es eine hohe Messlatte. 1991 tourten sie mit ca. 15 Tänzern und einer Theater-Show durch die Welt, die jeden Song mit eigenen Kostümen, eigenem Bühnenbild und eigener Story versah. Das brachte Euphorie bei der Presse, Begeisterung beim Publikum, nur kein Geld. Die Pet Shop Boys mussten draufzahlen. Sie sind nun mal nicht U2 oder Pink Floyd und ihr Publikum bleibt eine Subkultur. Seitdem sieht das Konzept für jede Show anders aus, nur so aufwendig wurde es nie wieder.
Im Vergleich dazu passt für die neue Tour eher ihr aktueller Song Minimal. Doch vergleicht man mit anderen Konzerten, sind fünf Tänzer und Backgroundsänger, eigene Videoeffekte für 2/3 der Songs und wandelbare Bühnengestaltung durch riesige Neon-Röhren nicht wirklich minimalistisch. Trotzdem fragt man sich unwillkürlich, ob die Pet Shop Boys mit dieser Show noch immer ihre Wirkung erzielen? Reicht es, wenn zwei Tänzer um Neil Tennant herumhopsen und dazu Video-Effekte eingeblendet werden?
Die Wahrheit ist, es funktioniert, wenn die einzelnen Teile der Show zusammenpassen. Wenn bei den langsameren Stücken wie Dreaming Of The Queen oder Numb passende Sequenzen, z.B. vom Trauerzug Lady Di's oder aus der sowjetischen Avantgarde-Film-Kiste, im Hintergrund, die von den Sängern erzeugte Stimmung untermalen. Und es passt bei den tanzbaren Nummern, wenn Videos, Tänzer und Sänger virtuos zusammenarbeiten, wie beim alten Hit Heart oder bei einem der Höhepunkte, dem U2/Frankie Vallie-Cover Where the streets have no name/I can't take my eyes off you. Bei letzterem liefern sich auf der einen Bühnenhälfte einer der Tänzer mit dem eingespielten Video des anderen Tänzers ein fulminantes Duell, während Neil Tennant auf der anderen Seite vor seinem surrealistisch animierten Portrait singt. Da trifft Pop auf Art.
Am überraschendsten ist allerdings, dass neben den vorhersagbaren Selbstläufern der Hit-Maschine, wie Always on my mind, Go West oder West End Girls, die wie üblich in neu interpretiertem Soundgewand daherkommen, zwei neue Songs die euphorischsten Reaktionen auslösen. Integral und The Sodom & Gomorrha Show sind so kraftvoll wie die Pet Shop Boys selbst zu besten 80er Zeiten nie waren. Letzteres bildet auch den Abschluss der Show mit einem Crescendo an Militarismus-Ironie, in welchem selbst dem letzten Zweifler klar wird, Ziel dieser Show war es nie ein perfektes Theaterspektakel auf die Bühne zu stellen, hier wurden elektronische Songs in einer Electro-Surrealismus-Performance zelebriert.
Fazit: Am Anfang noch zwei bis drei schwächere Performances, doch spätestens ab der Hälfte ein Feuerwerk und wenn in der Zugabe It's a sin vor blauem Neon-Kreuz proklamiert wird, brechen sowieso alle Dämme.
Info: Als Besonderheit eröffneten die Pet Shop Boys das Konzert mit 'Wir sind die Pet Shop Boys' einer verdeutschten Coverversion eines My robot friend-Songs. — Die DVD Cubism zur aktuellen Pet Shop Boys-Tournee, gefilmt im Oktober 2006 in Mexico, erschien bereits am 11. Mai.
Jörg Dietrich
Bilder-Galerie
|