 In 14 Schritten zum Weltruhm.
| Autor |
Mathias Mertens |
| Titel |
Kaffeekochen für Millionen: Die spektakulärsten Ereignisse im World Wide Web. |
| Verlag |
Campus Verlag |
| Seiten |
182 |
| Bewertung |
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Wenn das Internet Tagebuch schreiben würde, sähe das vielleicht so aus. 14 subjektive Einträge aus der pubertären Phase eines heutzutage selbstverständlichen Gebrauchsgegenstandes. Und wie das so ist beim Blättern in alten Tagebucheinträgen, erscheinen manche der damaligen Ereignisse seltsam vertraut, andere erfrischend naiv oder erstaunlich progressiv, während viele in einer unglaublich entfernten Zeit zu liegen scheinen.
De:bug und Spex-Autor Mathias Mertens schreibt über die erste Webcam, die nichts weiter als eine Kaffeemaschine in Cambridge zeigte, über die Internetmarketingkampagne, die Blair Witch Project zum profitabelsten Film aller Zeiten machte, über Aufstieg und Fall von Napster. Er erzählt chronologisch von der Verbreitung des I Love You-Virus und von „Salam Pax“, der 2003 aus dem bebombten Bagdad bloggte. Die 14 ausgewählten Ereignisse werfen ein Licht auf die Geschichte des kruden Militärexperiments, mit dem heute Milliarden verdient werden. Am aufschlussreichsten funktioniert dies beim Kapitel über Netscape und dem 1995 erfolgten Börsengang. Mertens beschreibt die Inszenierung des Netscape-Programmierers Marc Andreessen zum „Golden Geek“, zum Gesicht des neuen Mediums: „Der phänomenale Erfolg beruhte auf dem Glauben des Establishments, hier neue Heilsbringer gefunden zu haben, die ihrer leidenden Wirtschafts- und Kommunikationsstruktur neue Kraft verleihen würde. Und mit Andreessen war das Internet endlich auf herkömmliche Weise greifbar geworden.“
Mertens behauptet, dass das Internet wegen seiner „Nichtmaterialität stärker als andere Medien auf Ereignisse angewiesen“ sei. Die Auswahl der entsprechenden Ereignisse sind, gerade bei den aktuelleren Geschehnissen, durchaus streitbar. Ob der Verkauf des Papst-Golfes ebenso elementar ist wie die Verbreitung des Netscape-Browsers sei dahingestellt. Doch darum geht es Mertens auch nicht. Er weiß, dass es unmöglich ist, das Internet zu bestimmen. Deshalb benennt er Facetten davon. Sich aus denen ein Bild zusammenzusetzen, ist dann die Aufgabe des Lesers. Der hätte sich an einigen Stellen tiefgehendere, vom einfach Erzählenden abweichende Einblicke in die Ereignisse gewünscht und auch ein ausführlicheres, abschließenderes Nachwort gehabt. Aber da Mertens sich in einer sehr klaren, verständlichen Sprache durch die letzten 13 Jahren Internet plaudert, setzt sich der Leser letztlich bereitwillig den angestoßenen Denkprozessen aus und fügt seinem Wissen weitere Details hinzu.
Fazit: Das Internet auf 182 Seiten. Der Versuch, der scheitern müsste, wenn er nicht so informativ geschrieben wäre wie hier.
Stefan Petermann
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