„Esoterisches ist mir zuwider.“
Lennart Wolff ist ein gefragter Hellseher und Lebensberater, der in die Zukunft sieht, Pärchen zusammenführt und eine Zeitlang sogar mit Verstorbenen kommunizierte. Wie es zugeht im Leben eines Hellsichtigen und warum er nie der nächste Uri Geller werden wollte, verrät er uns.
Wann haben sie Ihre Fähigkeit als Medium und Hellseher entdeckt?
Im Alter von acht Jahren. Meine Großtante ist damals verschwunden und man hat sie überall gesucht. Sie hat neben einem Wald gewohnt und der wurde auch durchkämmt, aber man konnte sie nicht finden. Ich habe nur gesagt: „Sie ist im Bett“, aber da haben die Leute ja zuerst nachgesehen und sie war nicht dort. Später hat man sie dann im Bettkasten entdeckt. Wie und warum sie dort hineingekommen und erstickt ist, das weiß man bis heute nicht.
Was für Gefühle hat man da als Kind? Hat ihnen das gar keine Angst gemacht?
Angst ist nicht das richtige Wort, es war eher irritierend. Wenn ich allerdings den Tod vorhersehe, ist das schon sehr beängstigend. Den Tod sehe ich immer sehr deutlich. Wenn dann von außen festgestellt wird, dass das Kind hellsichtig ist, ist das eine überfordernde Situation. Es hat fünf Jahre gedauert, bis ich einordnen konnte, in welche Richtung das geht. Und mit dreizehn war ich dann wirklich sehr selbstbewusst und konnte damit umgehen. Ich glaube ein Vorteil war, dass ich es nicht mit zwanzig bemerkt habe. Wenn man so etwas früh feststellt, ist es weniger irritierend und irgendwann normal, glaube ich.
Wie hat ihr Umfeld darauf reagiert?
Für meine Familie und meine Eltern war es auch eher normal und das ist bemerkenswert, weil in meiner Familie bisher niemand hellsichtig war. Meine Eltern akzeptieren es und finden es gut, dass ich meinen Weg gefunden habe und erfolgreich darin bin. Ich glaube, das ist Eltern wichtig. Ich glaube, es ist nicht so wichtig, was man macht, sondern dass man das macht, was auf einen zugeschnitten ist.
Kommen sie aus einem religiösen oder spirituell geprägten Elternhaus?
Nein. Ich komme aus einem ganz normalen Elternhaus. Sind meine Eltern gläubig? Ich glaube ja, aber sie glauben nicht an die katholische Kirche. Das ist auch das, was ich mitgenommen habe. Ich bin gläubig und glaube an Gott, aber nicht an den Gott, den die Kirche verkauft. Ich fühle mich keiner Konfession zugehörig. Ich glaube an Gott in einer ganz gewissen Form. Ich glaube an gewisse Werte, ich glaube an die Liebe und an Freundschaft. Das ist für mich letztendlich Gott. Es muss auch nicht der Begriff „Gott“ sein, ich glaube an gewisse Dinge.
Sie verdienen ja wirklich Ihren Lebensunterhalt damit und sind ziemlich erfolgreich. Wann ging es denn damit los?
Ich bin nicht nur ziemlich erfolgreich, ich bin sehr erfolgreich! Ab 16, 17 habe ich das hauptberuflich gemacht.
Und wie läuft eine Sitzung bei ihnen ab?
Ich biete zwei Beratungen an, die Telefonberatung und die persönliche Beratung. Die Telefonberatung mache ich jetzt seit fast vier Jahren weil ich gemerkt habe, dass die Nachfrage so groß ist und es viele Leute gibt, die nicht nach Köln zur Beratung kommen können. Wobei es das auch gibt, dass jemand aus Österreich aus dem Flieger steigt, zu mir kommt und wieder zurückfliegt. Ich brauche als Vorbereitung ein Foto, zur Visualisierung, anders geht es nicht. Dann kommt mein Klient zu mir, setzt sich aufs Sofa mir gegenüber und dann geht´s los. Die Leute können mir dann soviele Fragen stellen, wie sie haben. Meist Fragen, die die Zukunft betreffen, oder ich sage einfach, was ich sehe.
Sie sind also ein visueller Mensch, der die Zukunft aus dem Gesicht liest?
Jein. Wenn eine Person hereinkommt, sehe ich Bilder und zwar in einer gewissen Abfolge. Das geht sehr, sehr schnell und aus diesen Bildern setze ich mir die Zukunft dieses Menschen zusammen. Und damit liege ich wohl so oft richtig, dass ich damit sehr erfolgreich bin. Manchmal habe ich auch Träume, die sich bewahrheiten, aber meistens sind es eben diese sehr schnell aufeinanderfolgenden Bilder. Die ersten Bilder, die ich sehe, stimmen immer. Sobald ich versuche, daran herumzubasteln, werden sie fehlerhaft.
Können sie das steuern? Haben Hellseher auch mal Feierabend?
Nein, die Hellseherei ist eine sehr willkürliche Sache. Das heißt, es gibt auch Leute, bei denen ich nichts sehe. Das ist selten, kommt aber vor. Ich steuere es insofern, dass ich nicht jedem sage, wenn ich etwas sehe. Das ist meine Steuerung, aber ich selbst kann mich dagegen nicht wirklich wehren. Man kann es nicht abschalten.
Haben sie ein bestimmtes Klientel, das sie aufsucht oder zieht sich das durch alle Schichten und Altersklassen?
Das ist ganz, ganz quergestreut. Es sind im Übrigen nicht nur dumme Menschen, die mich aufsuchen, das ist ein Vorurteil. Es sind Hausfrauen, es sind Ärzte, Manager und Rechtsanwälte. Es sind Rentner, Schüler, prominente Leute und sogar Bischöfe. Also Leute mit hohen kirchlichen Ämtern, von denen man nicht glaubt, dass die zu einem Hellseher gehen würden. Und es ist doch so, es kommt jeder.
Welche Fragen werden ihnen am liebsten gestellt?
Es sind eigentlich die drei Säulen, so nenne ich es, die die Menschen beschäftigen: Beruf, Finanzen, Liebe. „Komme ich mit meinen Partner wieder zusammen?“ Das ist die Frage, die ich täglich höre.
Sie haben auch Partner-Rückführungsprogramme im Angebot. Haben sie da keine Bedenken? Trennungen haben doch meist einen guten Grund.
Stimmt, ich lehne sehr viele Fälle ab wenn ich merke, dass es nur mit Egoismus zu tun hat. Zum Beispiel, wenn man sich getrennt hat und der Exfreund mit der neuen Partnerin schon wieder Kinder hat. Es gibt allerdings Fälle, wo sich ein Paar trennt und nicht weiß, warum. Wo gewisse Blockaden bestehen, die mit der Beziehung selbst gar nichts zu tun haben. Wenn die äußeren Umstände einfach nur ungünstig waren, kann man gut helfen.
Bis vor Kurzem haben sie ihrer Kundschaft auch angeboten, Kontakt zu Verstorbenen aufzunehmen. Was erhoffen sich Menschen davon?
Dabei geht es vor allem darum, nicht akzeptieren zu müssen, dass es einen Punkt gibt, an dem alles aus ist. Kein Kontakt mehr, kein Sehen, nichts. Die Chance, das nicht akzeptieren zu müssen, ist das, was die Leute antreibt, Kontakt aufnehmen zu wollen. Ich muss ihnen sagen: Solche Kontaktaufnahmen sind sehr, sehr schwierig. Es geht, es gibt aber auch sehr viele Fälle, in denen es nicht geht.
Sie wollen den Trost verspüren, dass es nach dem Tod weitergeht?
Richtig! Oft auch für sich selbst. Wenn der „Beweis“ erbracht ist: Der Mutter geht es gut, dann hat man selbst auch weniger Angst vorm Tod.
Und wie kam der Kontakt zu Verstorbenen zustande?
Das müssen sie sich ganz einfach vorstellen: Ich brauchte ein Bild vom Verstobenen, konzentrierte mich auf diese Person und bekam Eingebungen. Das lief ähnlich wie bei Bildern von lebenden Menschen. Dann konnte ich teilweise auch Details aus seinem Leben wissen, die ich nicht wissen konnte. Ich merkte dann: Die Person ist noch da und dann ließen sich auch Fragen der Angehörigen beantworten.
Sie benutzen also keine „klassischen Hilfsmittel“ eines Mediums wie Pendel oder Witch-Boards?
Nein, dass lehne ich sowieso grundsätzlich ab. Wenn sie meine ehrliche Meinung hören wollen: Jemand, der wirklich über diese Fähigkeit verfügt, braucht keine Hilfsmittel. Keine Kristallkugel, keine Karten, kein Pendel und keinen Kaffeesatz, oder was es sonst noch Abscheuliches gibt. Das hat mit Hellsichtigkeit nichts zu tun. Auch diese ganzen Astro-Sendungen haben nichts mit Hellsichtigkeit zu tun.
Dann erübrigt sich wohl die Frage, ob sie sich je bei Uri Geller bewerben würden.
Das sowieso nicht, das bin ich oft gefragt worden. Das sind Bühnenmagier á la David Copperfield. Das sind Tricks, es ist Fakt. Uri Geller selbst ist schon dreißigmal widerlegt und es funktioniert trotzdem im Jahr 2008 noch. Faszinierend. Aber es hat auch seine Berechtigung im Fernsehen. Es ist mit viel Rauch und nem schwarzen Raben. Es ist ne tolle Show, mehr aber auch nicht. Es hat mit meiner täglichen Arbeit nichts zu tun.
Haben Leute, die wirklich hellsichtig sind, Showeffekte und Rauch nicht nötig?
Hm, das würde ich nicht sagen. Ich selbst bin häufiger im Fernsehen und genieße das auch. Das ist aber reines Marketing und hat mit der Fähigkeit selbst nichts zu tun. So werden Leute auf mich aufmerksam und ich muss ja auch von etwas leben, meine Miete, Essen und Sprit bezahlen. Das ist ein Vorurteil, dass es wirklich spirituelle Menschen nicht in die Öffentlichkeit drängt. Ich bin der lebende Gegenbeweis. Ich bin ein sehr spiritueller Mensch, aber kein Esoteriker.
Wo liegt da für Sie der Unterschied?
Ich bin spirituell sehr gefestigt und weiß, worin meine Fähigkeiten bestehen. Dafür brauche ich aber eine gewisse Kulisse nicht. Das heißt, sie werden bei mir keine Räucherstäbchen sehen, keine Kristallkugel. Esoterik hat mit Spiritismus zu tun, aber Esoterisches ist mir zuwider.
Linda Wilken
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