 These songs are too dark for your flashlight, you jerk.
| Band |
Kristofer Åström |
| Ort |
Köln - Prime Club |
| Datum |
11.09.2007 |
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„Das ist der Moment, in dem der Vollspacken feststellt, dass die dämlichen Blutsauger von QVC bei der Präsentation seiner neuen Digitalkamera gelogen haben.“ war mein Gedanke, als ich recht angenervt auf den verliebten Deppen vor mir starrte, der im fünf Minuten Takt konzentriert Verrenkungen machte, um mit seiner Kamera tolle Fotos für seine Festplatte zu machen und am Ende doch immer und immer wieder enttäuscht nichts als einen weißen Fleck im schwarzen Background auf dem Kameradisplay zu sehen bekam. Dieses traurige Bild bewegte dann doch und so verzichtete ich auf Fotos, um ein Zeichen gegen das nervige und sinnlose Knipsen bei Konzerten zu setzen. Zugegeben, der größere Grund für die trostlose Illustration des Artikels war mein leerer Kamera-Akku, was jetzt eine weniger spannende Geschichte ist. Was hätte man aber schon an einem Songwriter-Abend wie diesem großartig zu sehen bekommen? Da sind doch eh immer nur alte Kerle, die sich in Bier und Selbstmitleid ersaufen, und einige Songs auf ihren alten Gitarren spielen.
Man hätte auf einem Foto den ex-Finken Nils Koppruch gesehn, der an diesem Abend als Support spielte. Ein Mann mit einer Gitarre im Fokus und im Hintergrund kämpft sich der Schein des blauen Scheinwerfers nach vorne. Also doch das alte Klischee. Nils Koppruch, der konzentriert wirkt, abgebrüht und doch locker und freundlich zugleich. Einer, dem man nicht mehr viel vom Leben erzählen braucht. Andersrum geht es besser. Und das seit vielen Jahren schon. Und so spielte sich der Songwriter und Maler durch ein tolles Set mit neuen und alten Stücken. So ohne Bandbegleitung wirkten die Songs noch reduzierter und nackter und kamen seinem neu gesetzten Prinzip vom rohen Song, der sich durchsetzen muss, noch näher. Wenn er lustig sein wollte, spielte er ein Lach-Sample ab oder gab einen seiner kurzen trockenen Kommentare ab. Nils Koppruch eben. Den unfassbar schönen Titeltrack seines Solodebüts gab es sogar in einer leicht veränderten Fassung. Selbst Fink-Klassiker wie Er sieht sie an… oder Immerhin da konnten in diesem reduzierten Sound-Ambiente ohne Probleme bestehen und sorgten am Ende für großen Applaus.
Und dann eben der Hauptact Kristofer Åström und seine Hidden Trucks oder Rainaways oder wie auch immer sie sich nun nennen mögen. Das wäre schon ein interessanteres Foto geworden. Der freundliche Åström, der durchaus als metrosexuelles Wunderding aus Schweden in einer dieser Sexzeitschriften für Frauen oder einem Gay-Zine, durchgehen könnte. Der lustig wirkende Bassist mit seinem komischen komischen Bart. Verdammter Akku und verdammter Trottel vor mir. Die Musik selbst? Eine Ansammlung großer Momente. All Lovers Hell gehört natürlich dazu. Ganz groß unterstreichen. Dieses unglaubliche Zauberstück an Song, das die gesamte „Northern Blues“ Platte überagt. Ähnliches gilt für Poor Young Man´s Heart. All das vorgetragen von einer großartig aufgelegten Band, die den Songs deutlich mehr Biss verlieh, als auf den hin und wieder etwas zu lasch wirkenden Alben. Die Songs des neuen Albums wie Fallen, A Little Out Of Tune oder Not Cool Again bekommen natürlich die größere Aufmerksamkeit. All In, eines der Highlights auf Rainaway Town, wird auch zu einem der großen Höhepunkte des Abends. Spannung und Intimität in einem gut gefüllten Prime Club. So etwas funktioniert tatsächlich. Am Ende gibt es unzählige Zugaben und Åström lädt die Zuschauer in´s Stereo Wonderland ein. Ob da oder irgendwo auf den Straßen dieser Stadt mit einer günstigen günstigen Flasche Kölsch oder Mineralwasser aus dem Kiosk an der Ecke. Im Rausch des Gefühls möchte man diese Nacht in dieser Stadt festhalten.
Sebastian Jegorow
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