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Schöne, neue Welt. Zuhause

Schöne, neue Welt.

Möbel For The Massen.

Im Jahr 2025: Die Motivationskampagne Du bist Deutschland ist nur in den Köpfen der Medienmacher aufgegangen. Die Realität sieht anders aus. Dort war die neue Gwen Stefani for H&M Kollektion binnen weniger als 24 Stunden vergriffen und hängt in acht von zehn Fällen gut verstaut im selbst zusammengebauten Pressholz-Kleiderschrank made by IKEA. Zuhause und am Körper haben deutsche Möbelfabrikanten und Modedesigner längst die Vormachtstellung der geschäftstüchtigen Schweden akzeptiert. Nur selten murrt jemand auf, so wie neulich der Inhaber und einstige Marktführer der C&A-Kette. Dieser traute sich, den schwedischen Bekleidungsriesen zu verklagen und bezichtigte ihn zudem noch des Plagiatvorwurfs aufgrund der frappierenden Ähnlichkeit zwischen den beiden Firmenlogos (Zwei Buchstaben! Das &-Symbol! Die Farbe!) Nächste Woche wird der C&A-Laden Konkurs melden und einer weiteren H&M-Filiale weichen (aktueller Stand in der Kölner Innenstadt: 18 Dependenzen — im Vergleich — 2005 waren es nur fünf). Während sich die Bekleidungshäuser im Jahr 2025 noch gegenseitig bekriegen, reiben sich die drei mächtigsten Männer Schwedens — die drei Söhne, des im letzten Jahr im Alter von 99 Jahren verstorbenen IKEA-Gründers Ingvar Kamprad (zäher Hund) — die Hände, denn sie wissen: Heute kauft jeder bei IKEA ein.

Wer war noch einmal Hülsta?

So fern das Zukunftsszenario im ersten Moment klingen mag, ein Blick in mein Zimmer und in die Statistiken belehren einen des besseren. Zurzeit existieren 37 Filialen in Deutschland und 227 weltweit. Tendenz steigend. Sogar in Hanau und Sindelfingen kann man sich jetzt mit Billy-Regalen eindecken. Wenn das schwedische Einrichtungshaus weiterhin in diesem Ausmaß expandiert, dann könnte höchstens noch die demographische Entwicklung in Deutschland den Schweden ein Schnippchen schlagen. IKEA erfreut sich nämlich vor allem in der Zielgruppe der 20 — 35-Jährigen besonderer Beliebtheit und lockt die junge Kundschaft mit modernen und funktionalen Einrichtungsgegenständen zu erschwinglichen Preisen (das gleiche Prinzip übrigens, nach dem auch H&M funktioniert). Wer bei IKEA einkauft, kann mit relativ niedrigem Einkommen einen gutsituierten Lebensstandard vortäuschen. Schönheit hat, seit es IKEA gibt, keinen Preis mehr. Qualität im Gegensatz schon. Ein Punkt an dem sich IKEA bis heute die Zähne ausbeißt, denn wer kauft schon ernsthaft seine Einbauküche bei IKEA?

Interessanterweise erzielt das Unternehmen die größten Gewinne nicht mit Möbeln, sondern mit dem restlichen Sortiment (Geschirr, Spielzeug, Gartenzubehör). IKEA versorgt den Kunden nämlich nicht nur mit Möbeln, sondern verkauft einen Lifestyle gleich mit. Nur so lässt sich die immense Popularität des perfekten Marketinginstruments überhaupt, den hauseigenen Katalog, erklären, der sich von der Auflagenstärke mit der Bibel und den Harry Potter-Büchern messen lassen kann.

Man mag IKEA aus dem gleichen Grund, wofür man es auch gleichzeitig hasst. Natürlich ist es super, dass jeder prinzipiell die Möglichkeit hat, sich mit wenig Geld toll einzurichten — aber muss denn wirklich eine ganze Generation von Young Professionals in Noresund-Betten schlafen?
Der Weg, der zum nächsten IKEA-Markt führt, ist der des geringsten Widerstandes. Zum einen gibt es die in den schwedischen Nationalfarben gestrichenen Filialen überall und zum anderen lässt sich dort das Angenehme mit dem Nützlichen vorbildlich verbinden. Man kauft die passende Bettwäsche zum Bett gleich mit und erspart sich lästige Suche und Rennerei. Zur Stärkung deckt sich der Idealeinkäufer im Anschluss noch mit 1-Euro-Hot-Dogs ein.

Money Money Money

Den Deutschen gefällt das Sortiment offensichtlich besonders gut. In keinem anderen Land erwirtschaftet das Unternehmen solche Gewinnsummen, die Ingmar Kamprad (der auf dem elterlichen Bauernhof in Elmtaryd in der Nähe von Agunnaryd aufwuchs) zum reichsten Mann Schwedens machen („Profit ist ein wunderbares Wort“). Der Gründungsvater eröffnete mit 17 Jahren die erste Filiale in einem schwedischen Kaff, bevor sein „Möbellager“ zu dem globalen Imperium heranwuchs, das es heute ist. Heute beschäftigt Kamprad über 80.000 Mitarbeiter in 227 Ländern. Auf dem Boden der Tatsachen soll er geblieben sein, angeblich leistet er sich noch nicht einmal ein eigenes Büro und bedient damit perfekt die Rolle des einfachen Arbeiters, der sich durch eisernen Willen und Disziplin bis ganz nach oben gearbeitet hat. Im besten Falle liest sich das dann so: „Die niedrigen Preise waren ihm ein inneres Anliegen: Ein für allemal haben wir uns entschieden, auf der Seite der breiten Bevölkerung zu stehen.“ Schöne Illusion. Ein anderer Geschäftsführer trifft mit seiner Erklärung der Preispolitik deutlicher ins Schwarze: „Wir senken typischerweise unsere Preise zehn Prozent unter die Lockvogelangebote der Konkurrenten, auch wenn wir beim Verkauf der Waren Geld verlieren. Aber sobald Macy's oder eines der anderen Häuser die Preise wieder anhebt, ziehen wir mit. Diese Strategie bedeutet, dass IKEA praktisch zu jeder Zeit die Waren am billigsten anbietet.“ Dieses Prinzip der temporären Preissenkung und Hebung funktioniert natürlich nur weil IKEA wie alle Global Player im Ausland billig produziert und bei einem solchen Preis-Dumping in der Realität nur die kleinen Möbelhersteller in Mitleidenschaft gezogen werden(abgesehen von den unterbezahlten Arbeitern in den Billiglohn-Ländern natürlich). Die Kundschaft freut es. Alles hat seinen Preis. Bei IKEA ist dieser meist niedrig. Gute Möbel sind teuer. Komm, lass uns morgen zu IKEA fahren.

Katja Peglow



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