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Ein Planet für Utopien.

Ein Planet für Utopien.

Eine zweite Erde? Nicht ganz.

Das kommt uns ja gerade recht: Mitten in der Klimakatastrophe entdecken wir das erste Mal einen möglicherweise bewohnbaren Planeten. Die USA hat ja schon mehrfach angedeutet, das sie dem Klimawandel lieber mit technologischen Fortschritten der Zukunft begegnen will, als mit Umweltpolitik im Hier und Jetzt. Warum also nicht eine Kolonisierungsmission für einen neuen Planeten in einigen Jahren und die trübe Erde einfach vergessen?

Das ist natürlich Quatsch. Auch fremde Absatzmärkte auf anderen Planeten oder Rohstofflieferungen von dort sind momentan noch absolut hypothetisch. Da gibt es ganz praktische Unwägbarkeiten. Zum einen befindet sich der Planet, der um den Stern Gliese 581 kreist, 20 Lichtjahre entfernt, also in einer Entfernung, für die das Licht 20 Jahre braucht. Das ist für kosmische Maßstäbe zwar nix, aber für menschliche Maßstäbe bedeutet es, dass in den nächsten 100 Jahren selbst bei technischen Revolutionen schon mal keiner da hin kommt. Zum anderen ist praktisch noch nichts über die tatsächliche Bewohnbarkeit dieses Planeten gesagt. Man weiß nur, dass er in einer Zone liegt, in der Wasser flüssig sein könnte, was von uns Menschen als Vorraussetzung für Leben, wie wir es kennen, gesehen wird. Unbekannt ist auch, ob es ein Magnetfeld gibt, wie genau die Schwerkraft bemessen ist (wahrscheinlich aber höher als auf der Erde), wie die Zusammensetzung der Atmosphäre ist, ob der Planet überhaupt rotiert oder ob er, was wahrscheinlich erscheint, immer dieselbe vor Hitze glühende Seite seiner Sonne zeigt.

Jetzt von einer Super-Erde oder einem biblischen Paradies (vielleicht liegt dieses ja tatsächlich auf einem anderen Planeten) zu sprechen, trifft es also höchst wahrscheinlich nicht ganz. Im übrigen dauert dort ein Jahr auch noch gerade mal 13 Tage! Doch abgesehen von all diesen Unwägbarkeiten ist dieser noch namenlose Planet ganz wahrhaftig eine Sensation. Denn es bricht nach dem Klimawandel binnen kürzester Zeit die zweite große Skeptikerdiskussion auf — die nach der Möglichkeit von außerirdischem Leben. Bei allen Unwahrscheinlichkeiten, die für solches gegeben sein müssen, ist eines jetzt viel wahrscheinlicher: dass es andere bewohnbare Planeten gibt.

Bis heute wurden 229 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Aufgrund unserer technischen Möglichkeiten waren das bisher kaum erdähnliche Planeten, sondern meist große Gasriesen, die um lichtschwache rote Zwergensterne kreisen. Dennoch wurde unter diesen bereits ein bewohnbarer Planet entdeckt. Und das praktisch gleich hier um die Ecke. Was bedeutet das erst für die Unendlichkeit des Universums?

Was außerirdisches Leben auf diesem Planeten betrifft, gibt es erst mal keinen Grund zur Euphorie. Die bisherigen Daten lassen nicht auf eine paradiesische Erde hoffen, für unser Verständnis von Leben würde sich wahrscheinlich nur ein schmaler Grenzbereich zwischen Tag und Nacht des fremden Planeten eignen. Doch wer sagt, dass unser Verständnis von möglichem Leben das einzig mögliche ist? Und überhaupt sollten wir erst lernen, die Vielfalt an Leben auf unserem Planeten zu erhalten, bevor wir einen Fremden betreten und vielleicht mit dem ersten Schritt auf dessen Oberfläche die Zerstörung seiner Vielfalt beginnen.


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Jörg Dietrich



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