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Der Fluch des Vermieters.

Der Fluch des Vermieters.

Und es schimmelt doch.

Aus der Serie Fight Club:

Zuerst roch es nur muffig. Dann kamen die grau-grünen Flecken an der Wand dazu. Zum Schluss noch die Behauptung, wir wären Schuld: Wir hatten Schimmel in der Wohnung, in vier Zimmern, die alle an derselben Wand liegen. Wir waren ziemlich naiv und glaubten, der Vermieter würde es schon richten, wenn wir es nur meldeten. Der Vermieter, beziehungsweise die Verwaltungsgesellschaft, begnügte sich stattdessen damit, die Verantwortung uns zuzuschieben und sich selbst rauszuhalten.

Krümelprobe vs. Gesundheitsamt
Dafür mussten sie uns nur nachweisen, dass es entweder keinen Schimmel gab oder dass wir ihn verursacht hatten. Nicht ganz einfach, wenn in vier Zimmern grau-grüne Flecken an der Wand hochwuchsen und Bücher, die in direkter Nähe der Wand standen, klamm wurden. Zum Glück war das Mauerwerk nicht feucht, wie uns ein Handwerker bewies. Er war von der Verwaltungsgesellschaft beauftragt und bohrte in die Wand; dort holte er ein paar Krümel heraus, sah, dass sie nicht aneinander klebten wie nasser Sand, und nannte es Krümelprobe. Später sollte er noch behaupten, dass es nicht einmal mehr Schimmel gab.

Wir holten das Gesundheitsamt dazu und ließen den Fachmann unser eigenes Ergebnis finden. Wir nannten es Gegengutachten. Es bescheinigte uns, dass das Mauerwerk wohl feucht war, die Wand schlecht gedämmt und außerdem der nasse Keller Hauptursache des Schimmels.

Stinken gegen Schimmel
Wahrscheinlich hätte der Handwerker der Verwaltungsgesellschaft auch noch in die Kellerwand gebohrt, um uns zu beweisen, dass der Keller nicht feucht war. Das war aber nicht nötig, da sie einen anderen Grund für den Schimmel schon gefunden hatten: Wir. Wir sind fünf Männer beziehungsweise Frauen in der Wohnung und wenn alle duschen würden, dann gäbe es natürlich Schimmel. Und dann käme auch noch das Kochen hinzu. Studenten würden ja ständig Nudeln kochen. Was da an Wasser verdampfe … Das müsse ja zu Schimmel führen.

Fortan durften zwei von uns duschen, zwei kochen und einer musste leider auf beides verzichten.

Der durfte dafür lüften und zwar ordentlich. Als Versöhnungsangebot und damit wir das Schimmelproblem unter Kontrolle bekämen, gab uns der Sachbearbeiter der Verwaltungsgesellschaft noch einen Ratschlag mit: ordentlich lüften, das heißt, das Fenster auflassen, wenn wir fortgingen und ruhig auch mal die Heizung dabei anlassen, damit die Wohnung beim Lüften nicht auskühle.

Fortan schickten wir die Nebenkostenabrechnung an den Vermieter zurück mit dem Vermerk, die Hälfte möge doch der Sachbearbeiter der Verwaltungsgesellschaft übernehmen. Wir bräuchten das Geld für Porto.

Anschreiben gegen Schimmel
Am meisten hat wohl die Deutsche Post von unserem Schimmel profitiert: Wir versuchten die Verwaltungsgesellschaft schriftlich davon zu überzeugen, dass wir den Schimmel nicht gezüchtet hatten. Wir teilten ihr noch viel mehr schriftlich mit:
Dass die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung nicht überdurchschnittlich hoch sei, wie der Sachbearbeiter bei seinem Besuch sofort festgestellt hatte, ohne dass er dafür hätte messen müssen. Unsere Hygrometer stellten nur eine völlig normale Luftfeuchtigkeit fest.

Dass der Vermieter dafür verantwortlich sei, den Schimmel zu beseitigen. Dass wir die Miete mindern würden. Und zum Schluss, dass wir kündigen würden. Zu oft hatten wir denselben Brief von der Verwaltungsgesellschaft erhalten: Sie lüften zu wenig. Das Mauerwerk ist trocken. Die Luftfeuchtigkeit zu hoch. Wir erkennen die Mietminderung nicht an. Einige Sätze standen tatsächlich immer wieder gleich in den Briefen, tatsächlich mit demselben Tippfehler.

„Was machen Sie eigentlich beruflich?“
„Oh, ich copy-und-paste Antwortbriefe an Mieter.“

Wir bekamen zwar kein Geld dafür, machten es aber genauso: Schimmelentfernung … Sache des Vermieters. Gesundheitsschädigend … allergische Reaktionen spürbar. Luftfeuchtigkeit gemessen und normal. Hiermit fordern wir Sie erneut auf, den Schimmel zu beseitigen und halten an der Mietminderung fest.

Wir taten das in der Gewissheit, dass wir sowieso bald ausziehen würden. Wir waren also nicht darauf angewiesen, dass etwas passierte. Wir wussten nur nicht, wie die Verwaltungsgesellschaft reagieren würde: auf die Mietminderung, auf eine fristlose Kündigung, auf Zimmer, die bei der Übernahme nicht gestrichen waren, weil Schimmel an den Wänden war. Wir wussten nicht, wie wahr sie ihre Drohungen machen würde, „entsprechende rechtliche Maßnahmen zu ergreifen.“

Fortan fühlten wir uns wie Robin Hood und wollten für unser Recht kämpfen.

Mut gegen Schimmel
Unsere Waffe war eine Anwältin, die uns kostenlos beriet. Zwar konnte sie nicht viel machen, ohne unsere Wohnung und die Verwaltungsgesellschaft zu kennen, aber wir fühlten uns sicher, wenn sie uns bestätigte, dass wir die Miete mindern dürften, allerdings nur um zwanzig Prozent. Wir vertrauten ihr auch, als sie uns riet, lieber fristgerecht und nicht fristlos zu kündigen. Sicher sei sicher und erspare eventuellen Ärger.

Es gab Momente, in denen ich uns bei einem Anwalt sah, den wir sehr wohl bezahlen müssen, weil er uns vor Gericht vertreten muss. Überall war Geld, dass die Verwaltungsgesellschaft einklagen konnte: die nicht gestrichenen Zimmer, die geminderte Miete, Schimmelentfernung auf Kosten der Mieter … alles Dinge, die wir nicht bezahlen mussten und auch nicht wollten, aber wenn es hart auf hart … wer wusste denn schon…

Wer wusste denn schon, was Schimmel anrichten kann? Es gibt den „Fluch des Pharaos“, der von Schimmel verursacht wird. Und dann noch die anderen Arten, die auch für den Menschen gefährlich werden können. Schimmel, der sich in Atemwegen ausbreitet. Allergische Reaktionen können in jedem Fall auftreten. Ich merkte, wie ich immer häufiger und heftigere Schnupfensymptome hatte. Vorher habe ich mir nie um meine Gesundheit Gedanken gemacht.

Es gab auch Momente, in denen ich am liebsten einen Nachmieter gesucht hätte, der mein schimmliges Zimmer übernahm. Nur dumm genug musste er eben sein oder gutgläubig oder wenn ich es ihm einfach nicht sagte und ein bisschen drüber strich…
Zum Glück bin ich nicht so und kann deshalb mit reinem Gewissen in meinem neuen Zimmer sitzen und mich freuen, dass es vorbei ist. Wieder etwas, das wir überstanden haben. Wieder etwas, auf das ich hätte verzichten können, bei dem ich viel gelernt habe. Den letzten Teilsatz schreibe ich auch nur mit zwei Monaten Abstand zu der Geschichte.
Der Schimmel mag weg sein, aber die grauen Haare bleiben und das Misstrauen zu Vermietern.

Gabor Thielmann



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