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Doves  - Kingdom of Rust

Der Wahnsinn Inside.

Band Doves
Album Kingdom of Rust
Plattenfirma EMI
Bewertung 8 von 9 Punkten

Kingdom of Rust ist Vogelgezwitscher, das die Welt anschreit. Wo sonst Fäuste protestieren, pulsieren bei den Doves die Melodien, reizend und wunderbar. Wo sich sonst Emotionen und Anspannungen in Ausfällen entladen, schrauben sich auf Kingdom of Rust Keyboards immer höher und höher, unerreichbar und unsterblich. Wo sich sonst Gefühle gewaltsam ihren Weg bahnen, jagen Gitarren unaufhörlich hinter Augenblicken hinterher, ohne zu ermüden.

Auf den ersten Blick sind auf Kingdom of Rust Popsongs. Der zweite Blick offenbart kleine Vulkane, die in jedem von uns brodeln. Es ist wie in Falling Down: In dem Film dreht William Foster ohne jedes Vorzeichen durch. Dabei ist er der Prototyp eines Durchschnittslangweilers. Und so sind auch die Lieder auf Kingdom of Rust Prototypen von Popliedern. Wie in einem trojanischen Pferd verbergen sich jedoch hinter den Melodien und der Stimme, die so süß verzaubern kann wie ein ganzes Schokoladenlager, Gefühle, Geschichten und Wut für ein ganzes Leben.

Wie aus dem Nichts bricht in 10:03 bei 2:30 ein Gewitter aus Gitarren und Schlagzeug über uns herein. Gleich im ersten Lied Jetstream sind diese Snares, die die Faust in die Höhe schnellen lässt; man muss nur laut genug aufdrehen, so wie das Vogelgezwitscher zum Schreien wird, wenn man es nur laut genug aufdreht.
Immer wieder verzaubert die Stimme. In ihr liegt all die Sehnsucht nach mehr, die zum Leben gehört. Sie ist all das Süße und Bezaubernde, was uns in der Welt begegnet: Freundschaft, Leidenschaft, Sonne und Liebe. In ihr liegt auch das Verlangen nach dem Leben und Fühlen. Wenn uns der Alltag nicht mehr reicht und das Bisherige zu eng wird, dann sehnsüchtelt die Stimme von Andy Williams uns zu: 'Da ist noch mehr. Geh hinaus und fühle es'.

Zu dem Fühlen und Leben gehört aber immer auch Trauern, Scheitern und Wut. Es ist eine leise, eine innere Wut, die sich in Gitarrengrollen und Schlagzeugdonnern entlädt. Es ist das Verlassen-Werden, das manchmal genauso tragisch ist wie ein Krieg, der Krieg in jedem von uns. Wenn dann jemand sagt: Wherever you go you will be with me and when you do talk you will be talking to me (Winter Hill), dann werden die Waffen niedergelegt.

Es ist auch das „Wer-bin-ich“ und „Wo-soll-ich-hin“, das zur Frage wird, die die Welt im innersten zusammen hält. Wenn dann jemand sagt: Like a moth to the flame I will turn back again (10:03), dann wissen wir: Das Leben wird uns so schnell nicht mehr loslassen.

Kingdom of Rust ist ein Album voller Widersprüche und Dinge, die sich scheinbar ausschließen: Melodien gesungen von einer Stimme süßer als jeder verliebte Blick aus Rehaugen und Gitarren, die über diese Stimme hereinbrechen wie eine kleine Herde Elefanten von Jericho. Damit ist Kingdom of Rust nicht mehr und nicht weniger als der kleine Wahnsinn des Lebens. Wenn der aber immer mit dem Versprechen endet: Winter seemed to melt now, now the swallows have arrived it can't be long until summertime (Birds flew backwards), dann können wir nicht klagen.

Fazit: Eine reizende Art, der Welt den blanken Hintern zu zeigen.

Kerstin Petermann



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