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Das Bierbeben  - Das Bierbeben

Eine Geschichte von Elfen und Trollen.

Band Das Bierbeben
Album Das Bierbeben
Plattenfirma Shitkatapult
Bewertung 8 von 9 Punkten

Hänsel und Gretel werden heute in den Märchenwald geschickt. Sie tragen heute wohl Schuhe von Converse und Lederjacken, denn sie sind im Jahr 2009 und auf dem dritten Album von Das Bierbeben.

Aber der Wald ist der gleiche: voll mit Dunkelheit und Rätseln. Immer wieder wabern Metaphern hinter den Bäumen und aus dem Gestrüpp hervor wie Nebelschwaden. Sie lassen keinen Lichtschimmer hindurch und tauchen den Wald in Dunkel. Schon nach den ersten Schritten im Wald kündigt eine Elfe an, was die beiden auf den nächsten Metern und Liedern erwarten wird: Es kommen dunkle Tage über uns. Ohne Mitleid, ohne Gnade kommen sie über uns. Die Stimme, mit der die Elfe das Lied singt, ist reizend und das einzige, was etwas Licht in den Wald bringt.

Dummerweise ist dieses Licht ein trügerisches; es leuchtet einen Weg, der der falsche ist. Es lenkt die beiden davon ab, dass die Metaphern dunkel und böse sind. So kann es sein, dass die beiden entlang des Lichtes geradewegs der nächsten Metapher in die Falle hüpfen. So kann es sein, dass die beiden mit dem Gesang mitsummen und auch einige Zeilen mitträllern. Bald werden ihnen diese Zeilen aber im Halse stecken bleiben. Dann nämlich, wenn sie merken, was sie da so unbedarft und freudig singen: Und die Tage werden Nacht. Der Stern verlässt seine Bahn. Er wird schwarz. Dumpf klingt der Ton und wir schlafen nie mehr ein (Nihilit).

Wie Trolle, die klein und fies hinter den Bäumen hervorluken, tauchen die Bilder auf, merkwürdig vertraut und vielleicht deshalb bedrohlich. Es sind nicht nur die dunklen Tage, die die beiden verfolgen, sondern auch sinkende Schiffe (Behind the green door). Selbst ein Bild, das Hoffnung sein sollte, wirkt im Nebel merkwürdig beklemmend: Frei wie ein Vogel, der schon lange lahmt, von Kindern in die Büsche gejagt (Frei wie ein Vogel).

Und vielleicht ist es gerade diese direkte Beschreibung von negativen Gefühlen, die die beiden leicht unangenehm berührt und beklemmt auf ihrem Weg durch das Album; ein wenig so, als würde jemand zu weinen beginnen und sie wüssten nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Sie fühlen sich ertappt, als wenn sie hinschauten, obwohl sie es eigentlich nicht sehen sollten, weil es viel zu privat ist. Da gibt es kein Wegschauen oder „Ach, das ist eigentlich nichts für mich“.

Genau das fasziniert die beiden so, lässt sie immer weiter gehen und treibt sie auf das Lebkuchenhaus zu. Es hält sie gefangen und lässt sie nicht mehr los. Mit jedem Lied und jedem Meter werden sie weiter in den Bann des Albums gesogen.

Wie Nebelschwaden wabern diese düsteren Bilder immer wieder durch den Wald und am Ende steht eine Stimmung voller Niedergeschlagenheit und Hilflosigkeit. Allein der Weg ist hell, der von Julia Wiltons Stimme beleuchtet wird. Hell und reizend bringt sie Licht in das Dunkel und verdeckt die Düsternis jenseits des Weges. Sie täuscht über die Dunkelheit hinweg. Wie eine Sirene lockt sie die beiden von einem Bild zum nächsten und bestimmt den Weg. Dabei wird das Franz-Josef-Degenhardt-Cover Hochzeit beinah zum Kinderlied, so unschuldig süß lockt die Stimme die beiden auf den falschen Weg.

Das trügerische an den Bildern ist ihre Unbestimmtheit. Sie sind direkt und doch allgemein. Wessen Schiff ist es, das sinkt? Das eigene oder das eines anderen? Wer ist der freie, lahme Vogel? Sie selbst oder jemand anderes? So sehr die Bilder schmerzen und beklemmen, sie können auch distanziert werden, von dem, der sie nicht auf sich selbst bezieht. Sie wollen nicht zwingend die beiden in das Lebkuchenhaus der Hexe treiben. Sie sagen nur, dass irgendwo ein Hexenhaus steht und wir Obacht geben müssen.

Es funktioniert, die Bilder einfach nicht auf sich beziehen und von sich weghalten. Es funktioniert selbst bei dem einzigen Lied, bei dem es eine Distanz nicht gibt: Abschied. Es geht um den traurigsten aller Abschiede, aber irgendwie nie um den eigenen. Wir sehen zu, wie andere sich verabschieden und das ist so beklemmend. Das ist aber auch das, was Bierbeben zu einem Album macht, das so sehr berührt und zu einer Band, die so wunderbar ist.

Fazit: Ein Album, wie jemanden weinen sehen. Ein Wegschauen und Weghören gibt es nicht.

Kerstin Petermann

Tourdates

24.Apr.2009 Turm Halle
28.Apr.2009 Conne Island Leipzig
29.Apr.2009 Druckluft Oberhausen
30.Apr.2009 Rock in Ruinen Dortmund
01.Mai.2009 Uebel und Gefährlich Hamburg
08.Mai.2009 Festsaal Kreuzberg Berlin
14.Mai.2009 Faust Hannover
15.Mai.2009 Die Registratur München
16.Mai.2009 Wagenhallen Stuttgart



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