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Interview mit Das Bierbeben

„Das ist keine reine Spaß-Sache.“

Alfred Bierleck und Brian Vino im Interview.

Vielleicht keine reine Spaß-Sache, aber auf jeden Fall sehr nett. So ist das Gespräch mit Das Bierbeben. Wir sprechen über die ernste Seite des neuen Albums, das die Band gerade mit neuer Besetzung veröffentlicht hat. Aber auch über Bier und lustige Geburtstagsgeschenke. Jan Müller und Alex Tsitsigias sind die beiden Teile der Band, die den Hauptteil des Interviews ganz reizend bestreiten. Sunny Vollherbst als Mischer und Studioinhaber bietet die Ansicht als Außenstehender und Rasmus Engler liegt daneben auf dem Sofa und signalisiert immer wieder Zustimmung.

Ich zitiere eigentlich nicht gerne Presseinfos, aber heute muss ich mal: Daniel Meteo hat im Infoblatt zu Das Bierbeben geschrieben, es sei der Höhepunkt einer Entwicklung und das besondere dritte Album. Ist das jetzt nur ein Versuch zu erklären, warum das Album keinen eigenen Namen hat, sondern nach der Band benannt ist. Oder seht ihr diese Entwicklung auch?

Jan: Klar ist das auch ein Erklärungsversuch. Es wäre ja frustrierend, wenn man nicht sagen würde, dass einem das aktuelle Album am nächsten ist. Von daher fand ich den Satz sehr schön. Ich kann das so unterschreiben.

Worin besteht denn dann genau die Entwicklung?

Jan: Ich denke, wir haben damit angefangen, dass wir uns während des Aufnahmeprozesses daran erinnert haben, wie schwierig es ist, die so elektronische Musik live zurück auf die Bühne zu übersetzen. Daher sind wir noch während der Aufnahmen in ein anderes Studio gegangen und haben viel live aufgenommen: Gitarre und Schlagzeug. Weil es uns eigentlich sehr wichtig war, dass wir als Band funktionieren und dass die Platte auch wie eine Band-Platte funktioniert. Es sollte sich nicht nach zusammengeklecksten Kästchen anhören.
Alex: Auf rein technischer Ebene gibt es ganz viele Unterschiede zu den früheren Platten. Auf den früheren Platten wurde immer auch mit Samples gearbeitet, das heißt, ihr habt zum Beispiel Gitarren eingespielt und die wurden dann mit den Techno-Sounds gesampelt. Auf der neuen Platte wurden längere Strecken aufgenommen und auch mal ganze Stücke durchgespielt. Das macht die Platte von sich aus lebendig und die Stücke lassen sich leichter wieder auf die Bühne bringen, weil man genau das macht, was man auch im Studio gemacht hat.
Jan: Und weil es auch schön klingt. Man kommt ja auch an die Grenzen des eigenen Geschmacks mit dem, was man machen kann. Wir wollen schon, dass es ein bisschen scheppert und organischer klingt.
Für uns war das der logische Schritt, um uns nicht zu wiederholen. Die vorige Platte Alles Fällt ist ja ein sehr ruhiges Album, was wir damals auch sehr schön fanden. Jetzt wollten wir aber doch wieder ein bisschen lebendiger werden.

Gibt es so eine Entwicklung auch bei den Texten?

Da windet sich Jan und nach ein, zwei Minuten kommt ein erstes langgezogenes „Tjaaaa“
Jan: Das fällt mir schwer, die Texte selber zu analysieren.

Ist verständlich und musst du ja auch gar nicht, wenn du das nicht sagen kannst.

Jan: Ich kann nur soviel sagen, dass es mir wichtig war, wieder direkter zu werden. Auf der anderen Seite sind einige Texte auch wie kleine Kurzgeschichten. Vielleicht sind das die zwei wesentlichen Punkte. Aber eigentlich müssen das andere sagen.

Was hat sich denn durch die Umbesetzung für euch geändert?

Alex: Also für mich hat sich nicht so viel geändert.

Du bist ja auch ein Teil der Umbesetzung

Jan: Auf jeden Fall habe ich die Texte anders geschrieben. Ich merke, dass ich die Texte für Julia schreibe, die sie jetzt alleine singt und die vorher Julia und Jessica gesungen haben. Ich habe das im Hinterkopf, wenn ich die Texte schreibe, dass sie die dann singt und auch verkörpert. Das ist eine zusätzliche Konzentration, dadurch, dass nur Julia singt.
Und Alex hat natürlich einen Mehrwert in die Gruppe gebracht.
Alex: Danke. Also für mich war es gar nicht so, dass ich so viel an der Platte gemacht hätte. Ein großer Teil war ja schon fast fertig. Ich habe dann mal Gitarren oder Schlagzeug gespielt und ein paar Marimbas. Ich habe also im Grunde die Themen mit umgesetzt, die Jan, Julia und Rasmus eigentlich schon komponiert und getextet hatten.
Wir kannten uns ja auch alle. Ich war schon mit der Band befreundet. Als Thies gegangen ist, bin ich ja nicht unvorbereitet in die Band gekommen, ohne zu wissen, was sie vorher gemacht hat. Das ist ein Umfeld, das sehr lange gewachsen ist und damit ist das keine 180-Grad-Drehung. Und die Platte ist auch sehr langsam entstanden. Wir haben uns ja ein Jahr lang Zeit gelassen. Deswegen kommt es Dir als Hörerin wahrscheinlich auch gar nicht so vor, als hätte sich im Vergleich zur vorigen Platte so viel geändert.

Die Entwicklung war also nicht gesteuert und bewusst geplant?

Jan: Ich glaube, man könnte bei Das Bierbeben denken, dass wir Konzepte spinnen und das wie auf einem Reißbrett planen. So ist es dann aber überhaupt nicht.

Darin sind sich alle einig und erklären, dass das Album sich durch die Arbeit daran und in der Entstehung entwickelt hat. Auch Mischer Sunny Vollherbst, der daneben sitzt, bestätigt die Kleinarbeit an den Samples. Ganz besonders betonen Alex und Jan, dass alle befreundet sind, sich schon lange kennen und sich deshalb auch ohne Reißbrett verstehen. Das klingt nach einer sehr entspannten Aufnahme-Athmosphäre: Bestätigung von allen Seiten und Anwesenden. Wieviel Spaß Das Bierbeben bei den Aufnahmen gehabt haben müssen, zeigt sich, wenn man nach dem Hidden Track 'Happy Birthday' fragt:

Wie kam es denn zu dem Hidden Track?

Jan: Das war eine recht spontane Erleuchtung…

Sunny: Hey, den habe ich noch gar nicht gehört. Was ist das denn?

Jan: Den haben wir zusammen aufgenommen. Die Torte.
Und damit auch wir es verstehen, erklärt Jan:
Ich habe so eine tanzende und singende Torte geschenkt bekommen und die wollten wir da gerne einbauen.

Würdet Ihr dann unterschreiben, dass Das Bierbeben schon mit viel Spaß verbunden ist, aber natürlich auch eine sehr ernste Seite hat?

Jan: Auf jeden Fall. Es ist keine reine Spaß-Sache oder Quatsch. Aber sich damit wiederum so wahnsinnig ernst zu nehmen, das ist uns fern.

Welche würdet Ihr dann als die ernste und welche als die spaßige Seite sehen?

Jan: Tja, das ist dem Betrachter überlassen.

Ok. Dann würde ich sagen: Die Namen, wie Alfred Bierleck, Brian Vino…, sind doch eher die spaßige. Da möchte ich ja nicht wissen, wie viele Kisten Bier ihr gebraucht habt, um euch die auszudenken.

Jan: Also diese Scherze entstehen doch eher nüchtern.

Ach, derwegen. Und die ernsten Dinge dann nach einer Kiste Bier…

Jan: Also eigentlich auch nicht. Naja, vielleicht schon auch mal. Aber eigentlich muss jeder Witz auch nüchtern funktionieren.

Darauf können sich wieder alle einigen und am Ende steht: Ein guter Witz ist auch nüchtern lustig.
Da keinem ein Kalauer zur Untermauerung der These einfällt, soll wenigstens hier nachträglich einer das Schlusswort bilden: Eine Kiste Bier reicht für zwei, wenn einer nichts trinkt.
Und was Jan dieses Jahr zum Geburtstag bekommt, das hören wir ja vielleicht auf dem nächsten Album.

Kerstin Petermann



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