 Authentic Trip.
| Autor |
Funny Van Dannen |
| Titel |
Zurück im Paradies |
| Verlag |
Kunstmann Verlag |
| Seiten |
174 |
| Bewertung |
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09.06.2006 WM-Eröffnungsspiel. Einer der schönsten Tage des letzten Jahres. Ich habe auf dem Rasen hinter der Uni gelegen, warmes Bier getrunken und Funny Van Dannens Kurzgeschichtensammlung Neues von Gott am Stück gelesen. Bei der Rezeption solch ungewöhnlicher Literatur muss man sich vielleicht tatsächlich absetzen und nonkonform handeln. Ein knappes Jahr später der Beweis für diese Theorie.
Irgendein deutscher Flughafen. Während die Menschen sich voller Melancholie für zwei Stunden von ihrem Handy verabschieden und genervt ihr XXL-Handgepäck durch die Gegend schieben, versuche ich den Nachfolger Zurück im Paradies zu lesen und schaue alle Nase lang auf die unästhetischen Verspätungsanzeigen des Billigfliegers. Das geht so gar nicht. Obwohl die Flugbegleiter mit ihren lustigen Zeichen und dem ganzen Zeugs wirklichkeitsfern und absurd wirken, greift das Ganze auch im Flugzeug nicht wirklich und der erste Eindruck von Zurück im Paradies geht völlig flöten, weil die verfluchten Ökospacken vor mir zudem zu liberal sind, um ihre vier lauten Kinder ordentlich zu erziehen. Wenige Tage später fiel das Urteil über die neuen Funny Van Dannen Geschichten in einem chilligeren Ambiente dann doch positiver aus.
Denn schließlich hat sich im Dannen-Universum nichts verändert. Noch immer ist ein ein Klon des unseren, das in manchen Punkten dann doch anders tickt. So ruft hier Gerhard Schröder während seiner Amtszeit als Bundeskanzler an und fragt, ob er im Garten zelten darf, ein lebensmüder Löwe wird eingeschläfert, Geschichten beginnen hier mit Sätzen wie „Zwei Enten aus Kassel saßen in Hannover am Lagerfeuer und sangen ohne Gitarre Johnny-Cash-Lieder..“ und entwickeln daraufhin erst ihr sonderbares Eigenleben. Egal ob der Tschetschenienkrieg oder die Arbeitslosigkeit, die Probleme und die Trostlosigkeit der deutschen Realität sind in den Geschichten trotzdem allgegenwärtig. Funny Van Dannen läßt die Figuren in ihrer Situation dann jedoch kindlich naiv und voller Ehrlichkeit handeln. So was von harmlos ist das Ganze, in dieser Zeit. Hier gehen Alltag und Surrealität Hand in Hand und haben sich ganz lieb, denn so richtig böse ist im Dannen-Kosmos kaum jemand. Wozu denn auch?
Die stärkste Geschichte ist Der Besuch. Hier gehen Adam und Eva Gott besuchen. Dies erinnert stark an die Titelgeschichte des Vorgängers und besitzt ebenso viel Wortwitz. Auch der Rest sorgt für große Unterhaltung. Die zweite Hälfte der Geschichten wirkt um einiges abgedrehter und stellenweise völlig absurd. Hin und wieder kann dies auch recht anstrengend wirken.
Ob man das Buch nun auf dem Klo zum schmökern (Jesus Maria, welch dummes Wort) liegen lässt oder vor lauter Entfremdung einen Tag lang komplett in das Dannen-Universum flieht, um sich vor der eigenen Entwicklung zum amoklaufenden Misanthropen zu schützen, bleibt einem selbst überlassen. Unterhalten kann Funny Van Dannen allemal. Vielleicht gelingt ihm das diesmal tatsächlich nicht ganz so treffend wie beim Vorgänger, doch selbst das ist noch eine Klasse für sich.
Fazit: Hin und wieder zu abgedreht, jedoch immer wieder amüsant. Eine Rückkehr ins Paradies.
Sebastian Jegorow
Kommentare
| Tegan schrieb am 16.11.2007 um 18:36 Uhr: |
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Die Geschichte mit Gerhard Schröder und dem Zelten war doch in „Neues von Gott“ oder?!
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| jack jackson schrieb am 04.06.2007 um 20:30 Uhr: |
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der gute van dannen schreibt nicht nur bücher sondern macht noch bessere musik — bisher 9 cds — ich empfehle nebelmaschine.
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