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Interview mit Crashing Dreams

„Die sind da schon innerlich verbunden.“

Die Steinbachtwins zu zweit und in ganz vielen (Zweit)Bands.

Ursprünglich kommen sie aus Stuttgart und dort haben sie in noch viel mehr Bands gespielt, aber hier geht es vor allem um die Projekte, die sie jetzt verfolgen, seit sie in Leipzig wohnen.

Entscheidet ihr euch bewusst dafür, jetzt mehr mit einer Band zu machen oder ergibt sich das?

Flavio: Das ist wie bei anderen Bands auch phasenweise: Es gibt Zeiten, da bin ich mit Crashing Dreams unterwegs, dann wieder nicht und letztes Jahr war ich dann mit Palestar sehr aktiv. Im Prinzip kannst du sagen, das ändert sich vierteljährlich.

Sofort ruft Patrick von Palestar dazwischen: „Na, da wird's ja mal wieder Zeit.“

Fabrizio: Das ist eine Sache der Planung und Organisation. Wenn gerade Aufnahmen mit der einen Band gemacht werden oder eine CD veröffentlicht wird, dann sind wir natürlich da aktiver. Geht auch nicht anders, man kann sich ja nicht aufteilen. Aber es ist natürlich auch so eine Gewissensfrage, wenn man einen zweiten Auftritt angeboten bekommt, ab welchen Termin man dann mit der anderen Band…

Flavio: … das Geld, das Geld entscheidet.

Flavio lacht dabei und versucht sofort klarzustellen, dass das nur ein Witz war, aber zu spät: Der Zwischenruf ist schon auf Band aufgenommen.

Tepe: Ne, die Frau entscheidet.

Flavio: Nein. Es geht gar nicht ums Geld und auch nicht um die Frau. Ich würde sagen, die Wichtigkeit des Auftritts entscheidet.

Gab es schon Zeiten, in denen ihr mehr Lust auf die eine Band hattet, die andere aber so nach Aufmerksamkeit geschrien hat, dass ihr bei der mehr machen musstet?

Flavio: Als wir noch in Stuttgart gewohnt haben, haben wir in mehreren Bands gleichzeitig gespielt. Das war echt eine Koordinationsarbeit. Einmal hatten wir nachmittags im Schauspielhaus in Stuttgart eine Auftritt und dann abends noch einen in einem Club. Das gabs schon ein paar Mal, dass wir zwei Konzerte am gleichen Tag hatten.

Fabrizio: Ich hatte das letztens erst. Da hatte ich wirklich wichtige Termine mit A heart is an airport. Das war auch sehr wichtig für mich. Ich hatte aber auch bis in den Sommer rein bei den Woog Riots mitgespielt. Die Platte haben wir auch sehr eingeprügelt. Die Auftritte musste ich ihnen dann absagen und bin dann somit auch aus der Band geflogen. Da hatte ich aber keine Probleme damit, denn das war meine Drittband. Aber Tepe, du hattest ja auch mal zwei Bands. Wie gings dir?

Tepe: Ja stimmt. Das härteste war dann mal, da habe ich in Stuttgart mit Crashing Dreams gespielt. Danach musste ich dann noch 50 Kilometer fahren auf die Alp hoch und hatte da noch ein Konzert mit meiner anderen Band. Das war chaotisch aber ging, bis auf die nur 5 Minuten, die wir Zeit hatten zum Umziehen.

Habt ihr überlegt, mit welcher Band ihr am weitesten kommen könnt? Flavio, du spielst bei Palestar und die wurden eine ganze Weile sehr als große Neuentdeckung und neue Hoffnung gehandelt. War das ein Grund für dich, bei Palestar einzusteigen?

Flavio: Also ich weiß gar nicht mehr genau wie das war. Ich muss noch mal fragen. Patrick, seit wann genau gibt es Palestar?

Patrick: Seit 28 Jahren…

Flavio: Ach Quatsch, nee sag mal…

Patrick: Na, seit Ende des letzten Jahrtausends.

Flavio: Also seit 1999 ungefähr. Es war aber keine kühle Berechnung, dass ich bei Palestar eingestiegen bin, als der alte Schlagzeuger ausgestiegen ist. Patrick hatte mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte, da war ich gerade 6 Wochen in Amerika. Ich kannte Patrick nur flüchtig und für mich war eher der Gedanke, meine Freundin ist in Leipzig und mein Bruder auch, ich gehe also sowieso nach Leipzig und dann habe ich dort ein paar neue Freunde. Ich wollte das einfach ausprobieren. Es war auch das erste Mal, dass ich in einer Band mit gewerkelt habe, ohne dass mein Bruder dabei war. Das war erst komisch, dann habe ich mich aber dran gewöhnt und es hat mir auch Spaß gemacht.

Habt ihr also bewusst gesagt: Wir spielen auch getrennt in verschiedenen Bands. Gerade spielt ihr ja in einer Band gemeinsam (Crashing Dreams) und jeweils in einer getrennt (A heart is an airport und Palestar)?

Flavio: Das ist Zufall.

Fabrizio: Ja, zum einen Zufall, aber zum anderen auch ein bisschen bewusst. Und der Witz ist ja…

Flavio: … Ne, das liegt am Instrument. Du hättest Gitarre bei Palestar gespielt.

Fabrizio: Ja genau. Wär ich der Schlagzeuger, würde ich wahrscheinlich bei Palestar spielen. Aber ich bin kein Schlagzeuger und zwei Gitarren haben sie schon. Eine dritte wäre echt too much. Allerdings: Radiohead sind auch zu fünf. Jungs, überlegts Euch noch mal.

Flavio: Ja, aber der Witz ist ja, dass Patrick jetzt mit uns beiden zusammen spielt, in verschiedenen Bands: A heart is an airport und Palestar. Es wäre eigentlich interessant, ihn zu fragen.

Patrick?

Patrick: Ja?

Ist das für dich eine … Belastung…erm oder ein Konflikt mit beiden in zwei Bands zu spielen?

Patrick: Also mit BEIDEN in EINER Band, das wäre zu extrem, hehe. Nein, was natürlich sehr krass wäre: wenn ich mit beiden Bands an einem Abend singen würde. Das gab es einmal bei einem Festival. Da geht's dann eher um stilistische Sachen, körperlich ist das machbar. Aber beide Bands haben natürlich auch extreme Vorteile für mich und ich fühle mich in beiden sehr wohl und ich könnte mir nicht vorstellen, in einer der Bands nicht zu spielen.

Was hat das denn für Vorteile?

Patrick: Dann vielleicht ich noch mal ganz kurz…

Tom: Immer 'Ich Ich Ich'… Da fällt mir aber ein Witz ein…

Der Witz tut hier nichts zur Sache, nur so viel: Er ist sexistisch, um nicht zu sagen: macho.

Tepe (singt): Tataaaaa!

Patrick: Also wie war die Frage?

Thema Machowitze.

Patrick: Nee. Die Vorteile, in mehreren Bands zu spielen… Unser musikalisches Interesse ist extrem breit gefächert und es ist mitunter ganz schön schwer, alles, was man spannend findet, nur mit einer Band umzusetzen.

Flavio: Das sind wirklich musikalische Unterschiede und Richtungen. Das ist auch bei Clubs und Konzertsälen so: Mit der einen Band hast du in einem Club eher Chancen als mit der anderen. Auch, um mit anderen Bands Kontakt zu schließen. Es gibt auch im Freundeskreis Leute, die sagen: 'Ich finde Crashing Dreams total toll, aber das andere, was du machst, total scheiße." Oder andersrum.

Flavio und Fabrizio, ist das für euch ein Unterschied, zusammen in einer Band zu spielen und ohne den anderen? Wenn ihr zusammen in einer Band spielt, seid ihr ja immer diejenigen, die sich am längsten kennen. Gluckt ihr da sehr zusammen?

Fabrizio: Das sollten wir Tepe fragen. Tepe?

Tepe: Ich finde es faszinierend: Wenn sie sich mal streiten, dann wird das immer auf italienisch oder auf englisch gemacht.

Fabrizio: Naja, Tepe muss ja nicht alles mitkriegen.

Patrick: Das habe ich aber auch noch nicht erlebt.

Tepe: Das ist aber witzig: Wenn Fabrizio etwas auf Gitarre vorspielt, dann weiß Flavio immer sofort, was er spielen soll. Oder er weiß gleich, was da kommt. Die sind da schon innerlich verbunden. Es gab auch schon die Situation, da hat mich Flavio angerufen und mir etwas erzählt; ich weiß nicht mehr was. Und eine Viertelstunde später hat Fabrizio angerufen und mir wortwörtlich das gleiche erzählt. Aber aufs Wort.

Fabrizio: Und wir hatten uns nicht abgesprochen.

Tepe: Nee, die hatten sich nicht abgesprochen und Fabrizio wusste nicht, dass Flavio schon angerufen hatte.

Flavio: Das ist das Zwillingssyndrom.

Fabrizio: Das war auch am Anfang schon musikalisch so, als wir zusammen Sachen ausprobiert haben. Da war das auch schon so ein blindes Zusammenspiel. Dadurch, dass wir viel auch die gleiche Musik und die gleichen Bands gehört haben, musste ich manchmal wirklich nur zwei Töne anspielen, nicht mal einen Akkord, und Flavio wusste sofort: Ah, das soll jetzt der und der Sound sein oder das und das Lied. Oder das soll so ähnlich klingen wie… ach weiß der Geier… Guided By Voices. Oder andersrum: Flavio fängt an zu spielen und das erinnert mich gleich an ein Lied, das wir vor einer Woche gehört haben. Das lag natürlich auch daran, dass wir lange die gleichen Einflüsse hatten und lange auch zusammen gewohnt haben. Das hat sich in den vergangenen Jahren natürlich arg verändert, aber da ist immer noch geblieben dieses… dieses…

Flavio: … dieses Urverständnis.

Fabrizio: Genau. Dieses Vertrauen, dass der andere seine Arbeit hundertprozentig erledigt.

Flavio: Es gibt natürlich auch Streitpunkte, aber da ist es wie bei guten alten Ehepaaren: Da kann man sich auch mal zanken und der Zoff geht auch ganz schön laut. Da warten wir manchmal, bis die Tepe nach der Probe nach Hause gegangen ist und dann schließt sich die Tür und wir schreien uns kurz an und es ist wichtig, dass alles gesagt wird. Wir reden hier auch von Diskussionen über die Musik. Da werden dann beide Versionen ausprobiert und es wird diskutiert. Was das Gute an der Zwillingsbeziehung ist: Du weißt ganz genau, am Ende des Tages ist alles wieder in Ordnung und alles ist geklärt.

Werdet ihr eigentlich oft verwechselt? Gerade seht ihr euch ja nicht ganz so ähnlich, zumindest von der Frisur her. Aber man sieht ja immer noch, dass ihr Zwillinge seid.

Fabrizio: Ich habe von Flavio erfahren, dass er natürlich massig mit mir verwechselt wurde in den ersten Tagen, nachdem er nach Leipzig gekommen ist, weil die Leute nur mich kannten. Mittlerweile verwechseln mich die Leute auch mit Flavio. Ich wurde schon ein paar Mal gefragt, ob ich nicht bei Palestar Schlagzeug spiele. Was mich sehr sehr wundert…

Patrick: Wieso, du siehst doch gleich aus.

Flavio: Ja, er hat meine Trainingsjacke an. Vor allem Anfang vergangenen Jahres ist es mir oft passiert, dass ich auf Veranstaltungen gegangen bin und wurde da von hauptsächlich Mädchen angelächelt. An einem Abend war es mal wirklich extrem, da wurde ich sechsmal verwechselt. Dann gab es mal eine Situation, da haben mich Mädchen angelächelt und ich habe so gesagt: 'Nein. Ich bin nicht Fabrizio.' Und die kannten weder Fabrizio noch mich. Die haben dann gesagt: Also so eine Anmache hätten sie noch nie gehört.
Mittlerweile drehen wir uns auch beide um, wenn jemand den Namen von einem von uns sagt: Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass der falsche angesprochen wurde.

Wenn das so klappt mit dem Verwechseln, habt ihr Eure Ähnlichkeit schon einmal ausgenutzt und euch für den jeweils anderen ausgegeben?

Fabrizio: Wenn ich bei Palestar als Flavio Schlagzeug spielen würde, das würde auffallen.

Patrick: Ja, das würde auffallen.

Tom: Hey, ich bin heute nicht gut drauf. Tut mir leid.

Auch in der Schule konnten sie leider nicht von der Ähnlichkeit profitieren, indem zum Beispiel der eine für den anderen die Mathearbeit geschrieben hat: sie waren beide gleich schlecht in Mathe.

Ich hatte auch gedacht und mich gebrüstet, dass ich Flavio und Fabrizio auf jeden Fall und immer auseinander halten könne. Das ist auch kein Problem bei den unterschiedlichen Frisuren und wenn man sie so im direkten Vergleich nebeneinander sitzen hat, der Test, den ich noch machen muss, ist leider schwieriger: Im Klappcover von Minimum to exist, dem Debütalbum von Crashing Dreams von 2003 sind Flavio und Fabrizio auf einem Foto. Leicht unscharf, der eine von vorne, der andere im Profil und beide mit schulterlangen Haaren. Natürlich liege ich mit meinem Tipp falsch, wer von beiden Flavio und wer Fabrizio ist. Aber wahrscheinlich sagen sie das auch nur und in Wirklichkeit war es doch richtig. Es sei ihnen gegönnt.
Und der Spaß bleibt ja auch, erst mal mitzuspielen, wenn sie mal wieder verwechselt werden.


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Kerstin Petermann





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Kommentare



Uli schrieb am 14.01.2008 um 18:52 Uhr:

Wirklich nettes Interview. Inzwischen (nach ca. sechs Jahren) kann ich die beiden sogar auseinanderhalten! ;-)


Flavio schrieb am 04.01.2008 um 14:12 Uhr:

Ein gelungenes Interview, teilweise sehr informativ, teilweise einfach lustig! Danke an alle weiteren Leser und vor allem an die Autorin! Und bis bald wieder mal! Ciao, Flavio

eMail: flavio77@gmx.de | Homepage: www.steinbachtwins.de

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