 Neo.
| Band |
American Princes |
| Album |
Other People |
| Plattenfirma |
Yep Roc/Cargo |
| Bewertung |
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Die Räume sind beinahe problematisch niedrig und die Beleuchtung eher schwach als stark, aber daraus muss man eben etwas machen, das ist genau so gewollt, gleich neben einer Dauerausstellung der Kunst der letzten zwanzig Jahre. Das hat er angenommen, sich hineingeträumt und ganz schön viele haben das Ergebnis durchwandert. Eins davon ist das: Etwas abgelegen, weiter hinten, vorbei an den namensgebenden Prunkschinken hängt es, Goldgrube, gemalt 2007. Da waren die American Princes schon längst an der Arbeit, da war die E-Mail von Chuck Brody, Produzent von Yoko Ono, dem Wu-Tang Clan und Peter, Björn and John schon beinahe ein Jahr alt.
Vor gebrochen schwerem roten Himmel und tiefdunkler Waldszenerie machen sich zwei Männer, in Rüstungen gekleidet daran, Tierknochen aus einer Schubkarre zu bugsieren. Am Rand eines schreiend goldenen Abgrundes. Darüber haben die Princes auch nachgedacht, vielleicht sogar im gleichen Jahr. Kalifornien ist es, jenseits aller Weltübernahmetheorien, dessen stinkendes Meer aus Salzwasser und Luft sich „just like a coffin“ anfühlt. Und er nimmt sie beim Wort: „Paint your rivers and your cities and your guns in gold/ tell the stories and the secrets like they gotta be sold/ I have never been so alone.“
Träume sind sein Metier, aber nicht wie bei den Surrealisten, er sagt, dass ihm „alles Programmatische und Sektiererische des klassischen Surrealismus“ vollkommen fern liege. Trotzdem stammen seine Motive aus seinen Träumen, er fängt einfach an, unten links, bis das Bild oben rechts fertig ist; wie in Vorort, in dem eine teils darniederliegende Menschengruppe sich mit ihren Bannern und Fahnen in Flammen suhlt in der hypnotisierenden Ansicht einer Bombe. Und es scheint, als setzten sich die Princes nur einen Moment davor, mit deklaratorischer Macht, denn: „I had a dream last night and you were featured/ as soon as I said your name you crumbled to the ground/ and burned by the roadside.“
In den Achzigern, als er noch in Leipzig studierte und fleißig produzierte, auf das die Kunstwelt zwanzig Jahre später noch etwas abzugrasen habe, da möchten die Princes wohl auch gerne sein, mit Other People. „Talent borrows, genius steals“ (vielleicht etwas unfair), aber es scheint fast so, als sei dies ein Wettlauf, für jedes der elf Stücke des Albums andere Anleihen zu finden auf der weiten Weide von britischem Rock und amerikanischem Pop. Das Ergebnis bleibt schon noch knapp eigenständig und wirft vor allem eine ganze Reihe etwas kleinerer und kleiner Hits aus, funkig angehaucht Son of California, pop-rockig Watch as they go, schleppender anlaufend, dafür mit poppigem Keyboard Real love. Das ist nicht schlecht, es sind doch die kleinen Hits, die nur wir selber kennen und lieben, die die Liebe zur Musik ausmachen.
Fazit: „Nach meiner Vorstellung bedeutet Kunst die Bündelung der Mannigfaltigkeit der Welt in all ihren horizontalen und vertikalen Bezugsfeldern an einem bestimmten Punkt, um dann die gewonnenen Garben zu einem Muster ordnen zu können.“ Nichts anderes haben die American Princes auf Other People für die Achtziger unternommen. Herausgekommen ist ein Kleidungsstück voll bunter Glitzerpunkte.
Alle Zitate aus Interviews mit Neo Rauch, aus: Para (Ausstellungskatalog) oder von American Princes — Other People
Pascal Schillings
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