Wo wir lieber mit der Masse gehen.
Die Alternative ist nicht immer besser.
Und wir schwören Stein und Bein… (Sebastian Dalkowski)
Es gibt ja so verrückte Sportarten und Menschen mit verrückten Frisuren sagen, dass die Sportarten noch verrückter seien als ihre verrückten Frisuren. Und manchmal sagen Menschen mit Pr. Oder Dr. vorm Namen, dass das „so und so gesund für die Kniegelenke“ sei. Und jede dieser Sportarten wird von circa drei Idioten weltweit betrieben. Was für ein Unsinn! Ich liebe Fußball. Zehn Trilliarden andere Menschen lieben ebenfalls Fußball, aber das ist mir egal. Sollen sie doch. Ich habe selbst zwölf Jahre gespielt und weiß nicht, wie ich Samstagnachmittage verbringen soll ohne die Radiokonferenz der Fußballbundesliga. Und manchmal gehe ich ins Stadion und schreie dem gegnerischen Stürmer von der Tribüne „Arschlochwichserpenner“ zu, wenn er sich im Strafraum fallen gelassen hat — nun ja, auch, wenn unser Abwehrrambo ihm die Knochen zertrümmert hat. Und natürlich mecker ich über die deutsche Fußballnationalmannschaft und bin der erste, der nach einem Sieg sagt: „Ich hab's doch immer gewusst“. Und wer jetzt nicht ruhig ist, den vermöbel ich mit seinem verdammten Lacrosse-Schläger.
Deutschland sucht, ich suche mit. (Linda)
Zuerst war es nur die Schadenfreude. Wie viel Spaß machte es mir zuzusehen, wie sich Leute vor der gesamten Fernsehnation blamierten. Die neue Staffel von DSDS startete und ich war von Anfang an Zeuge von Selbstüberschätzung, Nervenzusammenbrüchen und Dieter Bohlens Sprüchen. („Also, wenn du bei mir im Keller singen würdest, würden die Kartoffeln freiwillig geschält nach oben kommen.“ „Der Vertrag bei Clerasil ist dir schon mal sicher.“) Bei den Mottoshows ging es dann weiter. Ich versammelte mich mit meinen Freundinnen in unserem Wohnzimmer, um zu lästern, zu lachen und zu schmachten, wenn Nevio „Ich kenne nichts, was so schön ist wie du…“ von Xavier Naidoo sang und dabei schleimig grinsend in die Kamera auf das Fernsehpublikum zeigte. „Da! Er hat mich gesehen!“, „Spinnst du? Er meinte natürlich mich!“, stritten wir uns dann und amüsierten uns über unsere eigene Albernheit. Im Finale führten wir knallharte Analysen durch und machten den Favoriten des anderen runter: „Schnulzenheini!“, „Möchtegern-Rocker!“ Es ist peinlich und pubertär, aber ich stehe wenigstens dazu: Ich habe Deutschland sucht den Superstar gerne gesehen.
Let me entertain you. (Katharina)
Robbie Williams' Ausstieg und das Ende von Take That war mir ziemlich egal. Wie alle anderen interessierten mich Drogenexzesse und Skandale nur am Rande, und ich fand Child von Mark Owen viel besser als Robbies überflüssige Coverversion von George Michaels Freedom. Doch dann kam Angels. Und genau wie alle anderen dachte ich verzückt „Wow, was für ein Lied!“ und bald darauf auch „Wow, der Typ ist ja umwerfend!“. Weitere Schmachtfetzen folgten, wegen She's the One kaufte ich mir das zweite Soloalbum und spätestens mit Rock DJ wurde ich zum Robbie-Fan. Ausführliche Schwärmereien vom Charme des Engländers fand ich nun nicht mehr lächerlich, sondern gerechtfertigt. Die Hysterie um das Swing when you're winning-Album machte ich nicht nur mit, ich führte sie an. Und beim Konzert bin ich die, die am lautesten „Robbiiieee!“ kreischt, wenn der Star selbstverliebt und unwiderstehlich lächelt. Klar sind es eingeübte Posen, klar ist da jede Menge Macho-Gehabe, natürlich ist das alles ein riesiger Medien-Hype, doch das ist mir egal. Ich stehe auf Robbie Williams.
Die Schönheit des Multiplex. (Stefan)
Eigentlich sollte ich die kleinen Kinos mögen. Die mit den individuellen David-Lynch-Retrospektiven und den Vorführern, die die 35mm Kopie noch persönlich beim griechischen Verleiher abholen und deren nostalgisch gestalteten Programmflyer in den DritteWeltläden der Stadt ausliegen. Wenn ich die Wahl habe, entscheide ich mich für das große Kino. Das Multiplex mit den vielen Sälen und den genormten Mitarbeiteruniformen und den überteuerten Preisen für eine Rotweinschorle M&Ms. Das Multiplex, welches ein bundesweit einheitliches Programm spielt und nach diversen Shoppingtouren in den letzten Jahren heute ein Quasimonopol in Deutschland besitzt. In dieses Multiplexkino gehe ich gerne. Nicht unbedingt am Samstagabend, wenn Apolda (und hier bitte den Ort aus der näheren Umgebung einsetzen, von dem man glaubt, dass dort das „Unterschichtenfernsehpublikum“ wohnt) den neuen Vin-Diesel-Film ansieht. Aber Multiplex kann preiswert sein, wenn man zu den richtigen Zeiten kommt. Multiplex hat die größere Leinwand, den besseren Klang, die weicheren Sitze, das vielfältigere Angebot. Und ist anonym. Nach dem Film möchte ich nicht reden müssen. Nach dem Film strömen die unterbezahlten Mitarbeiter säubernd in den Saal und würdigen mich mit keinem Blick. Das ist gut so.
Die Redaktion
Kommentare
| LUCA schrieb am 06.04.2006 um 14:01 Uhr: |
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Wunderbar!! grandios und auf den Punkt gebracht …ich als Film- und Fußballfan fühle mich endlich verstanden und bestätigt, also bin ich doch nicht der einzige von den Monopolistenunterstützern der nichts mits einer Zeit anzufangen weiß wenn er sich mit den Jungs im Kino jeden Film zwischen Kiss Kiss Bang Bang und Die Wolke ballert´oder im Stadion mit 40.000 andren die Lunge aus dem Leib schreit…Manchmal ist es einfach schön genauso wie alle andren zu sein… selbst robbie kann ich was abgewinnen ;) weiter so
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