 Wenn der Schuh drückt…
Zu Besuch in der Schuhschlichtstelle Nürnberg.
Seien wir doch mal ehrlich: Ist Schuhe kaufen cool? Eigentlich doch nur bedingt. Sie sind teuer und es ist verdammt schwer ein wirklich stilsicheres Paar zu finden, das zudem ja auch noch passen sollte — also im angenehmsten Fall keine Blasen o.ä. verursacht. Und egal was es dann letztendlich wird, ob Chucks oder Manolo Blahniks, das gewisse Restrisiko bleibt immer: Wird meine brandneue Fußbekleidung auch in ein paar Wochen noch, im wahrsten Sinne des Wortes, halten, was sie beim Kauf versprach?
Denn Nähte gehen gerne mal auf, Sohlen lösen sich ab und irgendwas im Inneren des Schuhs hat sich plötzlich doch locker gemacht und drückt bei jedem Schritt schmerzhaft in den Fuß. Man mag an Reklamation denken — und falls man sich tatsächlich dazu bequemt und sein Geld oder adäquaten Ersatz verlangt, erdreistet sich der Verkäufer doch tatsächlich zu behaupten, Du hättest den Schuh falsch getragen! Soll es geben! Doch es ist nun nicht so, dass man sich diesem übermächtig erscheinenden Argument kampflos ergeben muss — jedenfalls nicht in Nürnberg. Denn hier gibt es eine von zwei, ja, Schuhschlichtstellen in Deutschland.
„Schlichtungsstelle Schuhe“ heißt die Abteilung, die die Verbraucherzentrale Nürnberg gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Mittelfranken ins Leben gerufen hat. Eine Einrichtung, an die sich der hilfesuchende Verbraucher im schwierigen „Streitfall Schuhe“ getrost wenden kann. „Wie in jeder Frage des Verbraucherschutzes bieten wir auch im Fall der Schuhreklamation zunächst eine umfassende Beratung an. Diese kostet fünf Euro und klärt den Verbraucher über die rechtliche Lage auf, welche Ansprüche er geltend machen kann, und welche nicht“, erklärt Heidemarie Kaiser von der Nürnberger Schuhschlichtung. So enthält die Beratung u.a. Informationen über die 2002 eingeführte „Beweislastumkehr“, nach der ein Händler die Schuhe in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf zurücknehmen muss, wenn er keinen „falschen, unpfleglichen Gebrauch“ derselbigen nachweisen kann. Was ein „falscher, unpfleglicher Gebrauch“ nun ist, weiß Frau Kaiser auch nicht so genau. Doch wenn man mit seinen Schuhen das Übliche getan hat, also sie anziehen, mit ihnen rumlaufen und sie wieder ausziehen, sollte man auf der sicheren Seite sein.
„Die meisten Fälle“, so Frau Kaiser, „erledigen sich nach dieser Beratung von selbst. Es gibt aber auch kompliziertere Fälle, wo wir einen Schritt weitergehen müssen.“ Dann wird ein Termin mit der „Schlichtungsstelle Schuhe“ vereinbart — ein für den Verbraucher kostenloser Service. Bei der Schuhschlichtung setzen sich drei Leute an einen Tisch, um die betreffende Fußbekleidung zu begutachten: ein Anwalt von der IHK, ein Sachverständiger und ein Vertreter der Verbraucherzentrale, in den meisten Fällen ist dies Frau Kaiser. „Der Sachverständige prüft, inwiefern der reklamierte Mangel tatsächlich vorliegt und wie er zustande kam.“ Dabei könne es auch schon mal etwas kurios zugehen, erinnert sich Frau Kaiser: „Einmal hatten wir einen Fall von quietschenden Stöckelschuhen, die der Händler nicht zurücknehmen wollte. Da ist der Sachverständige dann selbst in die Schuhe geschlüpft und ist ein wenig umhergelaufen. Die Schuhe quietschten tatsächlich und er befand die Geräusche als zu nervig, um sie zu akzeptieren.“
Nach der „Diagnose“ besprechen der IHK-Anwalt und Frau Kaiser das weitere rechtliche Vorgehen. Befürwortet die Schiedsstelle eine Reklamation der Schuhe, werden Händler und Käufer angeschrieben und über das Urteil informiert. Zwar sei der Händler nun nicht zur Rücknahme der Schuhe verpflichtet, in der Regel würde die Empfehlung der IHK aber befolgt, so Frau Kaiser.
Doch trotz dieses revolutionären Services, des kostenlosen Angebots und der hohen Erfolgsquote der „Schuhschlichtung“ hat diese Abteilung der Verbraucherzentrale überraschenderweise nur wenig Arbeit. „Wir warten immer, bis wir drei Paar Schuhe zusammen haben, ehe wir einen Schlichtungstermin vereinbaren. Jetzt stehen hier schon seit langem zwei Paar herum, aber das dritte lässt auf sich warten. Ich denke, beim nächsten Mal werden wir wohl nur zwei Schuh-Streitfälle schlichten.“
Sebastian Lühn
Kommentare
| Annemarie krüger schrieb am 17.11.2007 um 22:56 Uhr: |
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Auch ich habe ein Problem mit Schuhen. Kann keinen Ansprechpartner finden
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| Melanie Schipper schrieb am 23.09.2007 um 07:56 Uhr: |
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Würde gern erfahren, an wen ich mich direkt wenden kann, wenn ich ein Poblem mit meinen Schuhen habe?
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