 „Ich bin kein zweiter Maximilian Hecker.“
Seit Montag, den 10. Mai 04, darf sich Roman Fischer offiziell 'Popstar' nennen.
Dienstag: Bigger Than Now, das Debüt des jungen Augsburgers, ist gestern releast worden. Während ich an der Postierung meines Aufnahmegeräts feile und soeben im Begriff bin den frisch gebackene Popstar anzurufen, bemerke ich das blinkende Display meines Handys. Dran ist der zu Interviewende selbst, um mir mitzuteilen, dass er sich migränebedingt nicht allzu wohl fühlt. Ich überlege, ob bei mir jetzt der berühmte Groschen fallen sollte. Zum Glück tut sich aber nichts und ich rufe einfach zurück nachdem Roman mir grünes Licht gegeben hat. Von schlechter Stimmung ist während unseres knapp einstündigen Gesprächs dann auch glücklicherweise nichts zu spüren. Ein Protokoll.
Wie ist es so von seinen ganzen Lieblingsbands mit auf Tour genommen zu werden? Ist man da unglaublich stolz oder setzt einen das nicht vielmehr unter Druck?
Beides. Also als Fan hat mich das mit Tomte natürlich unglaublich gefreut. Virginia Jetzt! und Miles hab ich erst durchs touren kennen und lieben gelernt. Dennoch war aber dieser Erwartungsdruck durch die viele positive Resonanz, die ich auf mein Demo erhalten habe konstant da. Dann hält man manchmal für einen kurzen Moment beim Liederschreiben inne und denkt „Das muss jetzt aber der SPEX gefallen…“. Von solchen Erwartungshaltungen muss man sich dann halt versuchen frei zu machen, wenn man am Album arbeitet.
Bist du mit dem Endergebnis deines Debüts zufrieden?
Anfangs überhaupt nicht. Mittlerweile denke ich, dass es eine ganz gute Grundlage geworden ist.
Stören dich eigentlich die permanenten Maximilian Hecker — Vergleiche, auf den ja wirklich in jeder Rezension verwiesen wird?
Der Vergleich geht mittlerweile wirklich seltsame Wege. Ich hab z.B. meinen Namen mal bei Google eingegeben und bin dadurch auf ein Hecker-Interview gestoßen, in dem ein Reporter ihn fragt, ob er denn einen Musiker namens Roman Fischer kenne, der 1:1 die gleiche Musik wie er machen würde.
Und was hat der Hecker gesagt?
Dass er mich nicht kennt [lacht] und dass das ein komischer Name wär.
Magst du den denn?
Ja total. Also die erste Platte.Vom letzten Album kenn ich kaum was. Ich fand sein Brusthaartoupet-Video zu dieser einen Single aber auch irgendwie sehr schräg…Das spannende an dem ist ja, dass keiner weiß, ob der jetzt wirklich so seltsam drauf ist oder ob dass einfach nur seine Auffassung von Humor ist. Der sagt ja auch so Sachen wie:„Also ich weiß nicht, ob die Leute damals bei Nick Drake auch gelacht haben“.
Was hörst du denn sonst noch so an Musik?
Vieles. Weezer, Travis, Coldplay, Blumfeld, Placebo und Muse. Die letzte Cardigans Platte war super. Also jetzt nicht so die super Indie Dinger. Ich steh z.B. auch auf die Britney Spears Single Toxic und auf Justin Timberlake.
Hat dich davon auch wer auf dem Album beeinflusst?
Also die wichtigsten Einflüsse waren schon Tocotronic, obwohl ich die mittlerweile verdrängt habe, und The Get Up Kids. Aber auch Miles, von denen ich inzwischen Fan geworden bin, vor allem vom Soloprojekt des Sängers (Monta, a.d. Red.). Den musst du dir mal angucken, wenn der mal in der Gegend spielt.
Du singst sehr viel über die Liebe, Enttäuschungen und vom Loslassen. Bist du dafür nicht noch zu jung?
[Ganz erleichtert] Danke, dass du das erwähnst. Ich befürchte nämlich immer, dass ich als zu frühreif abgestempelt werde. Die Angst ist schon da.
Stört es dich eigentlich, immer auf dein Alter angesprochen zu werden?
Schlimm wird's wenn Leute denken „Ach wie süß Roman, du bist erst 18“ und dann anfangen mir Fragen zu stellen, die nur darauf abzielen. Damit darf man halt nicht anfangen zu kokettieren, denn dann wird man wirklich schnell als altkluger Bursche abgestempelt.
Was erwartest du dir eigentlich von deiner Albumveröffentlichung?
Nichts. Das wird ja erst ab der zweiten und dritten Platte richtig spannend. Daran arbeite ich übrigens schon, kann aber noch nichts darüber erzählen. Du weißt ja, der Erwartungsdruck… Erstaunlicherweise hab ich aber noch keine schlechte Kritik über mich gelesen.
Wie gehst du denn mit Kritik um? Dein Album ist ja auch sehr persönlich.
Auf jeden Fall. Jeder negative Gästebucheintrag ist schon ein Schlag ins Gesicht, vor allem wenn er unter die Gürtellinie zielt. Zum Glück waren bisher aber alle ziemlich nett zu mir [lacht]. Mit sowas muss ich halt lernen umzugehen.
Hast du einen Lieblingssong auf deinem Album?
Ja, We'll Never Know, Lied Neun.
Wie bist du denn überhaupt an deinen Plattenvertrag gekommen? Stimmt es dass du entdeckt wurdest?
Ich war halt immer zum richtigen Zeitpunkt zur richtigen Stelle. Marc (Liebscher, Labelbetreiber von Blickpunkt-Pop- Anm. d. V.) ist z.B. durch eine Freundin von mir, die dem mal beim Haareschneiden mein Tape mitgegeben hat, auf mich aufmerksam geworden. Demos zu verschicken fand ich immer blöd. Da hab ich meine Musik doch lieber an Interessierte verschenkt.
Das ging ja alles sehr schnell bei dir.
Das wird mir auch oft missgönnt. Dabei nehm ich seit ich 14 bin Songs auf.
Was hättest du denn gemacht wenn es mit Blickpunkt-Pop nicht geklappt hätte?
Da hätt sich nicht viel geändert. Ich würd' halt weiterhin meine Songs kostenlos ins Internet stellen und hoffen, dass sich das von alleine verbreitet. So ist dann ja auch die SPEX auf mich aufmerksam geworden. Musik zu verschenken, ist für mich ein ganz wichtiger, auch menschlich wichtiger Aspekt. Ich würd nie irgendwelche Demoaufnahmen an Bandkollegen oder Freunde verhökern…
Wie hast du denn deine Liebe zur Musik entdeckt? Dein Album hast du ja auch komplett selbst eingespielt.
Das lief alles autodidaktisch. Ich hatte zwar auch mal Unterricht, war aber immer zu faul, Noten lesen zu lernen und hab das in der nächsten Stunde einfach nach Gefühl nachgespielt. Ansonsten komme ich auch aus einem musikalischen Elternhaus und hab dadurch automatisch Instrumente spielen gelernt. Der Hauptantrieb war aber die Tatsache, dass ich aus einem Dorf stamme und schlichtweg sehr, sehr viel Zeit hatte. Dann spielten auch noch familiäre Dinge eine Rolle, weswegen ich oft zu Hause geblieben bin anstatt raus zu gehen.
Wann war bei dir der Punkt erreicht, an dem du dachtest „Das ist jetzt veröffentlichungswürdig“ oder „Das könnte jetzt ein Hit werden“?
Da gibt's diese eine lustige Anekdote aus dem Studio, wo ich mit meiner Band so ein bisschen rumgejammt habe und dabei ist dann so eine Avril Lavigne Nummer raus gekommen. Die wär glaub ich ein Hit geworden, aber das kann ich ja schlecht unter meinem Namen veröffentlichen [lacht].
Du gehst ja noch zur Schule und machst in vier Wochen deinen Abschluss. Wie vereinbarst du das organisatorisch mit dem Musikmachen?
Die Leute neigen da zur Übertreibung. Ich hab eigentlich sehr viel Zeit. Seit ich zu Hause ausgezogen bin und auf die Gestaltungsfachoberschule gehe, hat sich das auch alles vereinfacht. Ich leg auch nicht viel Wert auf ein gutes Zeugnis, ich war halt immer ein schlechter Schüler, weil ich mich mehr auf meine Musik konzentriert hab. Da muss man sich dann für eine Sache entscheiden.
Dann wirst du nach dem Abi wohl auch nicht den klassischen Ausbildungs- oder Studiumsweg einschlagen?
Zum Glück muss ich das nicht. Jetzt nicht, weil ich so unglaublich überzeugt vom Erfolg meiner Musikkarriere wär. Ich seh das vielmehr als Chance, hoffentlich nie studieren zu müssen. Abgesehen davon halte ich ja auch nicht viel vom System Schule/Uni…
Was glaubst du, in welche Schublade dich die Leute stecken werden?
Hmm. Jungs sehen vielleicht den sensiblen Frauenversteher in mir oder denken ich wär ein..[denkt kurz nach] Schlappschwanz. Was ich aber viel schlimmer finde, ist, dass einige mir meinen Plattendeal nicht gönnen, weil ich den angeblich nur über Kontakte bekommen hab…
…oder weil du dir den untypischerweise nicht erspielen musstest?
Genau.
Bist du eigentlich froh diese ganzen Sachen, die Lokalbands für gewöhnlich machen müssen, übersprungen zu haben?
Ich hab auch übles Zeugs mitgemacht. Halt nur nicht so viel unter meinem jetzigen Namen. Aber vorher hab ich z.B. auch in meiner vorigen Band Ezecheel, in der ich mit einem Freund zusammen der Sänger war, auch bei Bandwettbewerben teilgenommen, was ganz lustig war obwohl wir dann verloren haben[lacht]. Aber auf sowas geb ich eh nichts…
Weil ihr verloren habt?
Nein, sondern weil auf solchen Veranstaltungen immer so ein Konkurrenzkampf herrscht.
Du meinst Neider?
Ja.
Belastet dich das?
Total. Das saugt viel stärker an deinen Kräften, als nach der Schule noch ein Interview geben zu müssen. Mein Freundeskreis hat sich seitdem ja auch enorm verändert. Entweder es wird mit Neid reagiert oder sie hängen sich an dich ran. Die allerwenigsten bleiben normal. Das war mir z.B. auch viel wichtiger bei meinem ersten Album zu lernen. Der Umgang auf der zwischenmenschlichen Basis. Das ist ja noch alles neu für mich, da kann man sich auch nicht immer so auf das Musikmachen konzentrieren. Unter diesem Blickwinkel war es auch ganz gut dass ich noch nicht alles auf der Platte verwirklicht habe, was ich ursprünglich erreichen wollte. Das meinte ich vorhin auch mit der soliden Basis für kommende Veröffentlichungen.
Was wurdest du eigentlich am meisten von Journalisten gefragt?
Der Maxi-Vergleich kam oft…
Den konnte ich ja auch nicht vermeiden…
…aber du hast gefragt, ob mich das nicht nervt und das ist ja schon was anderes. Ansonsten halt das mit dem Jungsein. Die häufigste Frage war aber, ob das nicht zu anstrengend neben der Schule für mich sei. Die Presse will das glaub ich immer ziemlich breit treten, damit sich möglichst viele Schüler mit mir identifizieren können.
Da hab ich ja nochmal Glück gehabt. Meine letzte Frage bezieht sich übrigens auf ein Gerücht, dass über dich im Internet kursiert. Stimmt es, dass dir der Sänger von den Sportfreunden mal ein Konzert versaut hat?
Nein [lacht]. Um Gottes Willen. Der Peter hat nur mal bei einem Konzert ein Schlagzeug angeschleppt und gefragt ob er mitspielen dürfe. Das klang halt sehr…improvisiert[erneutes Auflachen], war aber trotzdem eine super Geste von ihm, und dass sag ich jetzt nicht weil ich Angst vor ihm hab.
Katja Peglow
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