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Liebe Medienpartner!
Musik in den Medien

Liebe Medienpartner!

Wenn Musik Körper wäre, ist der Promozettel Blinddarm.

Promozettel, das ist in den meisten Fällen ein schwarzweiß kopiertes Informationsblättchen, welches in unterschiedlichen Formulierungen eigentlich nur eines sagen will: Die CD, die es zu besprechen gilt, ist super. Der Promozettel als Gebrauchsanweisung zum Hören von Musik sozusagen. Aus dem „bestgehütesten Geheimnis der US-New Rock — Szene“ (Adema) wird so auch in Deutschland ein Megaseller und Gallery zur „ausserirdischsten Band des Universums“. Von Promozetteln erfährt man, dass „Muse sich fernab von Trends und Taktiken an ihrer Version von Rockmusik ausprobieren konnten“ oder auch dass Maximilian Hecker sein Debütalbum nicht nur im Alleingang, sondern im „kompletten Alleingang“ aufnahm.

Promozettel sind wie Agenten. Sie mitteln zwischen zwei Welten (im besten Fall: Plattenfirma / Journalist), sie schmeicheln mit Worten, führen sanft mit Vergleichen, weisen Richtungen, informieren, schweifen aus. Sie argumentieren mit Emotionen, malen Bilder, schaffen Allegorien. Promozettel wissen um den Zeitmangel der Schreiber. Deshalb bieten sie ihnen Sätze, oft komplette Meinungen an, die ungestraft übernommen werden können. Promozettel sind unsichtbar. Hinter dem entgültigen Text bleiben sie verborgen, ihr Einfluß ist der geheimnisvolle Faktor X in jeder CD Besprechung. Sie sind Schmiergeld und notwendiges Werkzeug in einem.

Promozettel sind witzig, wo sie es nicht sein sollten: Liebe Medienpartner, Wie letzte Woche ANGEDROHT, schicke ich heute unser Promopaket. Peppy Jones.
Sie bringen auf den Punkt, so dass man gar nicht anders kann, als Auszüge in die eigene Rezension zu übernehmen: Wenn mit Liebe Gekochtes in ein Gebüsch gekotzt wird. Oma Hans.
Sie verkomplizieren: In der postmodernen Figur des „Trickers“ wird die Verhüllungstrategie sogar programmatisch formuliert. Tocotronic
Sie sind übermütig: Der Tisch ist gedeckt, Leute, und dieses grandiose „Gitarrenpop-Menü“ ist alles andere als „mittel“. Crash Tokio.
Sie sind zärtlich: Ist das schön! Alles schreit „Frühling“! Wie schön, dass du wieder leiden musstest in der letzten Zeit! Wie schön, dass alles wieder gut geworden ist und dass du darüber Texte geschrieben hast! Bernd Begemann.
Sie lügen: Chavez behauptet: „Ich möchte den Leuten ein gutes Lebensgefühl vermitteln“. Adema.
Promozettel reflektieren: Warum einen Infotext zur neuen Oma Hans — Platte schreiben? Dafür gäbe es einige Gründe. Einer wäre: Journalisten können einfach abschreiben und zack, fertig wäre die Rezension. noch mal Oma Hans.

Vor allem jedoch offenbaren Promozettel. Geben zu erkennen, von welcher Erwartungshaltung eine Platte geprägt ist. Erfolg ist ein Beispiel: „Allein in Deutschland werden 700000 Singles verkauft…ist der bis dato höchste Neueinsteiger der Single Charts…wird ebenfalls vergoldet…kracht von 0 auf 3 in die deutschen Charts…“ — Scooter. Gerade jüngere Bands benutzen scheinbar exquisites Namedropping als Referenz: „Support von u.a. Die Happy, Suit Yourself, Glow, Sub7even, Bananafishbones. — Crossing Green. Es sind auch solche Bands, die oft Halbfinalteilnahmen an kostenpflichtigen Bandwettbewerben zu Eckpfeilern ihrer Bandgeschichte erklären. Eine bekanntere Hamburger Band hat daraus mal den Slogan entwickelt “Never been in a Bandbewerb." Wobei dies Grundsatz jedes überzeugenden Promozettels sind sollte: Zu wissen, dass der Musik an sich nichts Entscheidendes hinzuzufügen ist. Und es deshalb auch nicht versuchen sollte.

Vielleicht geht es so: Wenn Musik ein Geschenk ist und das Cover Geschenkpapier, dann ist der Promozettel die Glückwunschkarte, die blumig beschreibt, was das eigentliche Geschenk auch so sagt. Nur eben mit viel mehr Worten.

Stefan Petermann


Kommentare



fab_rikneu schrieb am 02.04.2005 um 20:57 Uhr:

Super Artikel!


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