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Interview mit Maximilian Hecker

„Es geht um das Hymnische, um das Schöne.“

Maximilian Hecker macht euphorische Musik… behauptet er.

Mit Infinite Love Songs lieferte Maximilian Hecker unbestritten die Indie-Pop-Platte des Jahres 2001 ab. Die Musikpresse feierte ihn als Rettung des Pop. Am 28. April erscheint Rose, sein zweites Album. Justmag-Redakteur Sebastian Dalkowski diskutierte im Interview mit Hecker vor allem über eine Frage: Sind die Songs nun melancholisch oder hymnisch?

Freust du dich auf die Veröffentlichung deines neuen Albums „Rose“? Mit welchen Gefühlen gehst du dem entgegen?

Ach ja freuen…freuen tut man sich vielleicht, wenn man das Album fertig hat. Jetzt hoffe ich mal…also heutzutage weiß man das ja nie, weil ja viel gebrannt wird. Aber mal sehen.
Das Problem ist, dass man nicht genug Geld hat, um von der Musik zu leben, aber sehr viel Zeit dafür aufbringt.

Aber du lebst doch eigentlich von der Musik, oder?

Ja genau. Im Moment geht es halt. Aber wenn das ein Flop wird, dann muss ich doch Taxi fahren.

Was erwartest du denn von der Veröffentlichung der Platte? Geht die in die Charts? Wirst du auf einmal schlagartig berühmt?

Ja, ich werde auf einmal schlagartig berühmt, habe ich mir vorgenommen. Nein, ich weiß nicht. Also in die Albumcharts zu kommen, ist heutzutage möglich. Ich habe gehört, Paul McCartney ist mit 8000 verkauften Platten in einer Woche auf Platz 10 gekommen. Insofern habe ich da gute Chancen.

Auf jeden Fall.

Na ja, nur weil es vielleicht gute Musik ist, heißt das noch lange nicht, dass man damit auch Erfolg hat.

Ja, leider nicht. Ist ja oft eher umgekehrt.

Ja genau. Insofern…also Freunde von mir sagen „Ja Maxi, das ist doch so toll, das müssen doch jetzt ganz viele kaufen und berühmt werden und so“ und dann sage ich, das ist halt nicht so. Zwischen der Platte und dem Käufer liegen so viele bürokratische Hürden. Wie viele Platten rausgestellt werden usw. Also es ist nicht „Ja, das ist ein gutes Ding, also kaufen es eine Millionen Leute“. Das ist vielleicht nur in Einzelfällen so. Bei Coldplay. Aber man kann damit nicht so leicht rechnen, weil es eben alles ein recht zäher Betrieb ist. Das Musikbusiness.

Also meinst du, dass du eher auf ein größeres Label musst, um berühmt zu werden?

Ach, das ist glaube ich, gar nicht so das ausschlaggebende. Ne, das mit dem großen Label ist auf lange Sicht sowieso keine gute Idee. Bei Kitty-yo habe ich ja musikalisch die Freiheit zu machen, was ich will. Also das ist ein Luxus, den man beim Major auf keinen Fall hat. Da hätte ich schnell das Problem… also wenn jemand über meine Musik bestimmen will, ist das so, als wenn jemand über meine Seele bestimmen will. Da würde ich ganz empfindlich reagieren.

Aber deine Platte hat doch alles das, was eine erfolgreiche Platte braucht. Melodien, absolut eingängig…ich habe mich schon bei deinem Debüt „Infinite Love Songs“ gefragt, warum das eigentlich relativ unbekannt geblieben ist. Coldplay machen mit ähnlicher Musik Millionen.

Die kommen ja auch aus England und haben eine ganz andere Glaubwürdigkeit. Ich meine, vielleicht kann es sein, dass ich damit Erfolg habe, aber ich richte mich jetzt noch nicht darauf ein. Außerdem, die meisten Musiker müssen sich eben ein wenig gedulden und fünf Platten rausbringen, bevor jemand sie wahrnimmt.

Zu deinem neuen Album „Rose“. Was würdest du sagen, hat sich verändert? Also große Unterschiede habe ich da jetzt nicht heraus gehört.

Das ist ja schrecklich. Warum das denn nicht?

Also, es war auf jeden Fall keine Abkehr von alten Qualitäten, sondern eher noch melancholischer, noch schöner, noch eingängiger. Also das, was die erste Platte ausgezeichnet hat, nur noch in besser.

Ich wundere mich nur, dass du sagst, es hat sich nicht viel verändert. Ich dachte, es sei orchestraler geworden.

Das war es ja auf deinem Debüt auch schon. Also ich will damit nicht sagen, dass sie schlechter geworden ist.

Die Intention ist ja schon die gleiche geblieben.

Also von der Stimmung her hat sich da nicht viel geändert. Gut, einige Songs sind noch hymnischer geworden, ziemlich breitflächig angelegt. Auf jeden Fall. Was würdest du denn sagen, was sich geändert hat?

Ja eben, dass es noch dramatischer geworden ist und orchestraler, epischer. Längere Stücke.

Da mir das Album noch trauriger vorkommt als das erste, frage ich mich, ob du ohne dieses…

Ist es wirklich so traurig?

Es kommt vielleicht auch auf die Stimmung an, in der man sich befindet.

Also vielleicht hast du recht, wenn man jetzt nur vom Inhalt ausgeht. Es geht eigentlich um was ganz anderes. Wie du eigentlich schon sagtest, eher hymnisch. Schwelgerische Lieder, deren traurige Texte diese Schönheit eher noch betonen. Also im Vordergrund steht auf keinen Fall Traurigkeit, die Darstellung meiner traurigen Gefühle, sondern es geht darum ein rauschhaftes, schönes Gefühl zu erzeugen durch die Musik.

Aber du hast ja schon gesagt, dass du bei der Aufnahme des Albums gelitten hast.

Ja, ja, aber das war natürlich nicht… habe ich da geschrieben, warum?

Weil du irgendwie an die Abgründe deiner…

Ja, ja. Im Studio will man natürlich an die Leistungsgrenze kommen und hat da natürlich Versagensängste. Das hat dann eher technische Gründe. Also ich muss mich jetzt die ganze Zeit dagegen wehren, dass ich traurige Musik mache. Das stimmt nämlich absolut nicht. Wirst du traurig, wenn du meine Musik hörst?

Teilweise schon.

Ja, aber es ist doch ein angenehmes Gefühl.

Ja…

…das dich erreicht, wenn du die Musik hörst.

Es kommt auf die Stimmung an, in der ich die Platte höre. Also schön auf jeden Fall, aber manchmal schon schmerzhaft.

Aber das trifft natürlich nur auf ein paar Stücke zu, oder?

Ja.

Zum Beispiel beim ersten Stück, das ist doch die totale positive Weltbejahung.

Mm.

Wenn ich da so singe „…i love you.“

Mm. Also wie gesagt, manchmal traurig, manchmal euphorisch. Das liegt ja vielleicht auch daran, dass du auf Konzerten immer alleine da stehst und da hat man ja immer dieses Bild im Kopf, dieser arme Junge, der dauernd leidet. Findest du das nicht?

Also finden? Nö. Es ist halt auch ein Stilmittel für die Musik und die erzeugt bei mir ein schönes Gefühl. Wenn ich Radiohead höre, dann werde ich dadurch ja glücklich und höre das ja nicht, um mich schlecht zu fühlen. Es ist halt einfach so eine schwelgerische Art von melancholischen Hymnen. Es ist einfach ein Stilmittel, um schöne Musik zu machen.

Also über die erste Platte „Infinite Love Songs“ wurde ja oft geschrieben, dass man sich nicht sicher sein kann, wie ironisch dein Pathos jetzt ist.

Das ist ja schrecklich, wenn sich jemand fragt, ob das ironisch ist.

Du sagst also, das ist nicht ironisch?

Nein. Also wieso soll denn das ironisch sein? Ich meine, wenn ich jetzt als Kermit, der Frosch, auftrete, dann vielleicht, aber komisch, dass man das einem nicht abnimmt. Vielleicht liegt das auch an der Zeit, das man gar nicht mehr erwartet.

Also manche würden das ja schon als Kitsch bezeichnen.

Ach ja, sollen sie ruhig. Ist ja auch ein bisschen drauf angelegt. Außerdem ist Kitsch ja lediglich eine Bewertung von… ja, wie soll ich das beschreiben. Also wenn jemand etwas als Kitsch bezeichnet, dann ist es für mich noch lange kein Kitsch. Also wenn das tatsächlich aus meinem Gefühl entsteht und wenn ich zu dem Lied stehen kann, dann ist es ja völlig egal, ob es jemand Kitsch nennt.

Auf deinen Konzerten bist du ja doch stellenweise ironisch, wenn du da zum Beispiel „Sweet home Alabama anspielst“?

Aber das ist ja was anderes. Die Performance und die Lieder an sich, das trenne ich dann.

Aber du bist jetzt niemand, der überhaupt nicht lachen kann?

Nein, nein, ich lache auch.

Du hast ja mal gesagt, dass es dein größtes Glück wäre, allein zu sein ohne zu leiden. Fühlst du dich unter Menschen nicht wohl?

Damit meine ich ja eher allein sein, ohne dass man jemand anderen vermisst.. Also die Fähigkeit, allein sein zu können, ohne dass man sich einsam fühlt. Es geht da mehr um so eine Art bescheidene Sicht der Welt, bescheidene Selbstansicht, also eher das Gegenteil von Größenwahn. So eine Zufriedenheit zu erlangen, eine Zufriedenheit mit sich selbst, nicht unbedingt ein euphorisches Glücksgefühl.
Also es ist nicht so, dass ich Beziehungen vermeide. Das ist absolut nicht so.

Warum ist dein Thema, über das du singst, immer die gescheiterte Liebe?

Ja und welche Antwort liegt denn da auf der Hand? Ich wunder' mich, weil die Leute das immer fragen. Die Antwort, die auf der Hand liegt, ist doch, dass ich das alles erlebt habe.

Also es ist alles aus deinem Leben gegriffen?

Na gut, es sind jetzt ja keine ganzen Geschichten, sondern eher Gefühle. Abstrakte Sätze. Natürlich ist es aus meinem Leben, aber es ist genauso aus dem Leben der anderen sechs Milliarden Menschen. Dieser Wunsch nach Geborgenheit. Die Sachen sind natürlich alle in eine sehr barocke Kunstform gebracht, aber die Gefühle sind authentisch.

Jetzt gehst du ja bald mit einer Band auf Tour. Früher warst du ja immer alleine unterwegs. Was wird sich da ändern?

Es wird wahrscheinlich angenehmer. Für alle Beteiligten.

Warum angenehmer?

Ja, dann ist es eben nicht mehr so eine emotionale Zumutung. Das entlastet ja auch mich, wenn ich weiß, dass die Zuschauer nicht genervt sind.

Warum sollten sie genervt sein?

Weil ich weiß, dass ich genervt wäre, wenn ich mich sehen würde.

Echt?

Na ja, also wenn da so ein Typ die ganze Zeit herum jammert, das ist ja schrecklich. Dann verteilt sich das alles ein wenig und alle sind ganz lustig drauf, spielen ein paar nette Lieder.

Hat schon mal jemand gesagt, dass deine Konzerte eine Zumutung sind?

Nö.

Also sind deine Konzerte wohl doch keine Zumutung, oder?

Ne, die Platte nicht, aber so ein Live-Konzert. Nur Gitarre oder nur Klavier und Gesang, also das kann schon echt auf die Eier gehen nach anderthalb Stunden.

Du spielst ja nicht anderthalb Stunden.

Wolltest du damit andeuten, dass es dann eine Zumutung gewesen wäre?

Nein, nein. Ich meine, ich habe bisher noch keinen gesehen, der bei deinen Konzerten rausgerannt ist.

Vielleicht sind es ja auch Minderwertigkeitskomplexe. Aber das wichtige ist ja auch die Weiterentwicklung des Sounds. Das etwas interessanter wird fürs Publikum. Internationaler. Dass ich mich messen kann mit Bands auf Festival.

Du wirst ja wegen deiner Falsett-Stimme oft mit Sigur Rós verglichen.

Ja, ist ja nett. Wie die Leute gleich immer auf so etwas…ja.

Kennst du die Band und magst du sie?

Ja, ja. Kennen nicht. Nicht persönlich.

Aber du hast CD's von ihnen, oder?

Ja.

In dem Film alaska.de bist du durch deinen Song „Cold Wind blowing“ ja zum ersten Mal in Erscheinung getreten. Sind weitere Songs in Filmen verwendet worden oder ist was geplant?

Ja, ich denke schon, dass es bald Interessenten geben wird. Also bisher waren in zwei, drei Indie-Filmen Lieder von mir.

Aber deine Songs eignen sich ja doch sehr für Filme?

Ja.

Möchtest du noch irgendwas loswerden, was du bisher noch nicht gesagt hast?

(kurze Pause) . Also, was ich immer wieder betone, dass es keine Musik ist, die nur der Traurigkeit wegen entsteht. Es geht um das Hymnische, um das Schöne.

Sebastian Dalkowski



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