 „In Stockholm ist das schlimmste Publikum.“
Ein Geheimtipp ist er noch immer, der Schwede Rasmus Kellerman, der unter dem Namen Tiger Lou im Juni 2004 sein Debütalbum Is My Head Still On? in Deutschland veröffentlichte. Am 19. Februar spielte er mit seiner Band mal wieder in Deutschland: Beim Rock im Saal in Haldern. Sebastian traf den 24-Jährigen im anliegenden Gasthaus.
Du bist ziemlich oft in Deutschland auf Tour. Warum?
Ich weiß nicht, aber wenn du dir die Tourdaten ansiehst, die Tiger Lou in den letzten beiden Jahren gemacht hat, dann war die Hälfte davon in Deutschland.
Magst du das deutsche Publikum? Ist es anders als das schwedische?
Wenn du mich das vor einem Jahr gefragt hättest, dann hätte ich definitiv zugestimmt. Die Leute hier sind viel aufmerksamer, reagieren viel mehr auf das, was wir auf der Bühne machen, während die Leute in Schweden zum Konzert gehen und eine Menge trinken und die Konzentration verlieren. Aber neulich haben wir ein paar Konzerte in kleineren Städten in Schweden gespielt und das Publikum war da auch anders. Aber wenn du in Stockholm spielst, ist da das schlimmste Publikum.
Warum?
Sie haben diese Einstellung, wenn man keine coole Band ist, stehen sie einfach nur herum, trinken und reden. Aber natürlich haben wir auch gute Shows in Stockholm gespielt. Aber die großen Städte sind seltsam. Das passiert mir in Deutschland überhaupt nicht.
Ein Freund erzählte mir, dass dich Mädchen in Stockholm auf der Straße erkennen.
Nein [lacht]. Dein Freund lügt.
Aber MTV spielt deine Videos, oder?
Ja, aber niemand erkennt mich auf der Straße.
In welchen Ländern wurde dein Album veröffentlicht?
In ganz Skandinavien, in Deutschland, Österreich, Belgien, Italien, Spanien und in den Niederlanden. Aber die Plattenfirma hat das Album nicht auf die selbe Art gepusht, wie es das in Schweden getan hat. In Schweden haben wir eine Menge Pressezeug gemacht, weil es sehr leicht ist, da das Label jeden in Schweden kennt, die Magazine und so. In Deutschland haben wir ein bisschen gemacht, als ich hier auf Tour war, aber in anderen Ländern haben wir nichts gemacht. In Österreich haben wir beispielsweise 200 Alben verkauft. Das ist viel für mich, weil dort niemand von Tiger Lou gehört hat. Ich habe einmal da gespielt und das war's.
Auf deinem Album gibt es vor dem letzten Song eine ziemlich lange Pause. Warum?
Ich bin wirklich von Zeit fasziniert, von Zahlen, und deshalb war es für mich wichtig, dass, wenn die CD fertig ist und man die Länge der CD sieht, es etwas besonders ist, entweder 36:35 oder 40:00. Also ist die Pause nur da, damit das Album genau 40 Minuten hat. Ich weiß nicht, warum ich es vor dem letzten Song gemacht habe. Ich hätte es auch nach dem letzten Song machen können.
Ich finde, dass Schwedisch eine ziemlich melodische Sprache ist. Warum singst du auf englisch?
Weil ich in meinem ganzen Leben nie auf schwedisch gesungen habe. Ich kann es wirklich nicht ertragen. Ich finde es wirklich seltsam, schwedische Songs zu hören. Die ganze Musik, die ich höre, ist auf englisch. Englisch ist viel natürlicher für uns als für Deutsche, weil wir bei uns nichts synchronisieren. Alle Kinofilme, die wir sehen, sind auf englisch. Wir haben mit sieben Jahren angefangen englisch zu lernen.
Du hast heute eine Menge neuer Songs gespielt. Wann wirst du ein neues Album veröffentlichen?
Hoffentlich Ende August, hoffentlich gleichzeitig in Schweden und Deutschland, aber das weiß ich jetzt noch nicht. Wir hatten geplant, es schon vorm Sommer herauszubringen, aber dann sind einige Dinge geschehen und wir mussten es verschieben.
Warum gibt es so viele gute Bands in Schweden?
Es ist ziemlich seltsam, jeder fragt mich das. Ich weiß es nicht, es gibt nicht wirklich die eine Antwort. Aber es ist leicht, Proberäume zu finden, es gibt kostenlose Musikschulen, jedes Kind wird früh an die Musik herangeführt. Für viele Menschen ist es natürlich, Musik zu spielen, wenn sie aufwachsen.
Aber es scheint so, dass die meisten Menschen nur die schwedischen Rockbands kennen, nicht aber die schwedischen Popbands. Fast niemand hier kennt beispielsweise Kent.
Ja, das ist ziemlich seltsam, weil Kent vermutlich die größte Band in Schweden ist. Sie haben es mit englischen Alben versucht, aber es hat im Ausland nie geklappt.
Wer ist momentan dein Lieblingskünstler aus Schweden?
Momentan ein Typ namens Andreas Tillander. Er hat zwei Alben auf einem Label namens mille plateaux gemacht. Es ist elektronische Musik. Er hat gerade sein drittes Album gemacht, es heißt World Industries und es ist wirklich großartig.
Sebastian Dalkowski
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