JUSTmag - morgen werden wir erwachsen... StartseiteSucheFreundeTeamNewsletterGästebuch
Interview mit Spillsbury

„Wir wollen niemanden schocken!“

Mit nur einer veröffentlichten EP und einer Minitournee haben sich die beiden Ex- One:Thirty Melodic-Punker Zoe Meißner (20) und Tobias Asche (26) in die Herzen vieler Elektropunkfans gespielt.

Die eigene Unzufriedenheit auf Vinyl pressen ist den Hamburgern nicht genug. Was sie machen und wollen erzählen die beiden Spillsburys JUSTmag im ausführlichen Gespräch…

Hallo ihr beiden. Eure LP Raus ist am 7. Juli 2003 beim Hamburger Traditionslabel L'AGE D'OR erschienen. Wie sind denn so die Aufnahmen zum ersten eigenen Album verlaufen?

T: Ziemlich gut und entspannend. Für uns war's dass erste Mal unter professionellen Aufnahmebedingungen, da wir die EP vorher quasi zu Hause eingespielt haben.

Das Album wirkt als hättet ihr es in einem Rutsch eingespielt. Wie lange habt ihr insgesamt im Studio an den Songs gebastelt?

T: So ca. sechs Wochen. Allerdings nicht durchgehend, da wir zwischendurch noch auf Tour waren. Ob das jetzt kurz oder lang ist kann ich nicht beurteilen, weil mir dafür einfach die Vergleichswerte fehlen. Die Platte ist größtenteils ja noch zu Hause entstanden. Wir sind mit den fertigen Songs ins Studio gegangen und dort wurden sie dann einfach neu abgemischt.

Was erwartet ihr als Newcomer von der Veröffentlichung demnächst?

T (nach kurzer Pause): Ja…äh…mal schauen… schwer zu sagen. Ich freu mich erstmal ein eigenes Album gemacht zu haben…(will die Frage an Zoe weitergeben scheitert aber).

Könnt ihr denn schon von eurer eigenen Musik leben?

T und Z (lachend): Nö! Wir arbeiten beide noch nebenher und das wird sich wohl auch nicht in absehbarer Zeit ändern.
Z: Ich hab letztes Jahr Abi gemacht und will noch anfangen zu studieren. Zur Zeit jobbe ich aushilfsmäßig in einer Werbeagentur. Tobi arbeitet Vollzeit als Internetprogrammierer.

Zurück zur Musik. Im Vergleich zum fertigen Album klingen die Songs auf eurer EP eher Dance/80er- lastig. Neu abgemischt klingt ihr aber deutlich punkrockiger. Also: Weniger Synthesizer und mehr Gitarre. Warum seit ihr in diese Richtung gegangen?

T: Das hatte rein technische Gründe. Zu Hause waren die Produktionsaufnahmen doch sehr eingeschränkt von daher hatten wir dort einfach noch nicht die Mittel so zu klingen wie wir es jetzt auf unserem Album tun. Das war mehr so ein negativer Nebeneffekt und weniger ein bewusster Schritt um möglichst unsauber oder möglichst hochproduziert zu klingen.
[Mist. Also keine bewusste Abgrenzung der ganzen 80's Revival Bands mit denen Spillsbury immer verglichen werden…]

Mögt ihr denn solche Bands?

T: Die Musik von den Bands finde ich zum Teil ganz gut, obwohl ich fast ausschließlich nur die Singles kenne.

Euch stören die Vergleiche mit Mia., Ideal oder aber auch mit Wir sind Helden nicht?

T: Was nervt ist einfach nur ausschließlich auf diese Vergleiche reduziert zu werden. Als wenn es kein weiteres Kriterium neben einer Frau am Mikro und Synthesizergefiepse im Hintergrund gibt. Sowas stört schon, wobei es weitaus schlimmere Vergleiche neben den soeben genannten Bands gibt.

Mit welchen Bands würdet ihr denn gerne mal verglichen werden?

T: Schwer zu sagen. Hab vor Spillsbury mit elektronischen Sachen kaum was am Hut gehabt, von daher hab ich jetzt auch keine Lieblingsbands bzw. direkten Vorbilder aus diesem Bereich. Ideal z.B. kenne ich kaum, höchstens die Hits.

Durch welche Musik wurdet ihr denn dann maßgeblich beeinflusst?

Z: Ich hab sehr viel Smashing Pumpkins und Blur gehört. Aber diese Bands weisen ja nicht wirklich Parallelen zu unserer Musik auf.

Ihr kommt ja beide aus Hamburg. Könnt ihr eigentlich mit der sogenannten Hamburger Schule, von denen ihr euch ja musikalisch stark abhebt, überhaupt irgendwas anfangen? Auf den ersten Blick würde man euch viel eher der Berliner Szene zuordnen.

T: Was meinst du jetzt genau?

Ich finde dass ihr schon erheblich anders klingt als z.B. Tocotronic oder Die Sterne…

T: Aber doch nur in der Ausführung der Musik! Wenn wir unsere Songs jetzt nur mit Gitarre, Bass und Schlagzeug einspielen würden, glaube ich schon das wir den eben genannten Bands recht nahe kämen. Meine musikalischen Wurzeln liegen schon bei den ganzen Bands, die landläufig unter dem Etikett 'Hamburger Schule' zusammen gefasst werden. Speziell bei Tocotronic. Wir sehen uns da durchaus auf einem Level…wir sind ja schließlich keine Synthesizerspezialisten…ich krieg da nur ein paar piepsige Töne und eine Basslinie raus. Es ist jetzt nicht so dass wir auf diesem Gebiet die Virtuosen schlechthin sind. Das verbindet uns dann auch mit solchen Bands wahrscheinlich…

Das find ich jetzt interessant. Gerade bei Songs wie Raus hätte ich jetzt gedacht, dass sich der Text ganz speziell auf Hamburg und die dort ansässige Musikszene bezieht…

T: In diesem Song existiert sicherlich auch die normale Wortebene. Aber eben nicht nur. Der Song geht dann schon darüber hinaus…zitier mich bloß nicht wenn ich jetzt Metaebene sage, aber hier geht's viel mehr als um eine Stadt, hier geht's um einen Zustand, der verlassen werden soll.

Euer Infoschreiben beschreibt euren Stil als „atemlosen Electro-Schock-Pop“ und als „Elektropunk“. Würdest ihr dem zustimmen?

T: Womit wir wieder beim Thema Etiketten wären. Sicherlich irgendwie zutreffend. Das Wort 'Schock' würd ich eventuell streichen, denn wir wollen niemanden…(kurze Pause) schocken! (zustimmendes Gelächter von Zoe im Hintergrund)

Eure Songs sind z.T. sehr anklagend und wütend. Ist das alles autobiographisch gemeint bzw. wie unbefriedigend war euer bisheriges Leben?

T: Ich würde nicht sagen das ich ein beschissenes Leben geführt habe bzw. Spillsbury nur dazu nutze meine eigene Unzufriedenheit auf Vinyl zu pressen. Es sind vielmehr Reflexionen aus dem Alltag, die autobiographische Züge tragen. Wir wollen nicht nur nörgeln, sondern gerade z.B. mit solchen Songs wie eben Raus zum aktiven Handeln anregen.

Glaubst du denn das Musik heutzutage generell noch in der Lage ist zu gesellschaftlichen Veränderungen aufzurufen?

T: Klar kann sie das. Es gibt genug Leute die sich mit den Texten auseinandersetzen. Das kriegen wir auch selber mit bei Interviews, Konzerten,…

Apropos Konzerte. Wie war denn bisher so die Resonanz live?

T: Gut. Wir hatten bisher erst eine Tour mit Concord. Natürlich spielen wir nocht nicht vor ausverkauften Clubs aber die Resonanz war schon selbst im kleinen Rahm überwältigend wenn du mitkriegst wie wildfremde Leute deine Texte auswendig mitsingen können.

Guckt ihr euch eigentlich auch die anderen Bands an mit denen ihr auftretet? Ich spiel jetzt auf die beiden Intro Intims Anfang des Jahres in Köln/Berlin an wo u.a. noch Daniel Bedingfield und die Robots in Disguise gespielt haben.

T: (zögerlich) Ja…

Und?

T: Ich möchte es mal so formulieren. Wir hatten viel Spaß beim Zugucken, aber ich würd mir jetzt kein Poster von denen an die Wand hängen.

Ich verstehe…Kommen wir zum Schluss. Welche Frage hätte ich abschließend noch stellen sollen?

T: Schwer zu sagen. Ich kann dir höchstens sagen dass wir froh sind das du uns nicht nach der Bedeutung unseres Bandnamens gefragt hast…

…wobei mir das ja schon Kopfzerbrechen bereitet hat!

T: Ach nee… da gibt es auch überhaupt keine spannende Geschichte zu. Spillsbury klingt nur einfach ganz cool und international. So einfach war das. Aus.

Katja Peglow



XML (RSS/RDF)