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Emiliana Torrini - Fisherman`s Woman

Stille ist ein Geräusch.

Band Emiliana Torrini
Album Fisherman`s Woman
Plattenfirma Sanctuary Records / Rough Trade
Bewertung 8 von 9 Punkten

Die Zeitschrift Elle hat Fisherman's Woman so beschrieben: „Leise Lieder, traurig-schön“. Das ist in etwa so, als ob man über Pulp Fiction sagen würde: „Lustig, manchmal brutal“. Gerade Traurigkeit ist ein Allgemeinplatz, ein inflationär gebrauchtes Wort, welches gerne benutzt wird, wenn Musik nicht schreit. Doch leise ist nicht gleich Melancholie. Leise kann auch ein Mutzusprechen, ein Vergewissern von Hoffnung, von Sehnsucht sein und die Suche der Möglichkeit, diese zu erfüllen: „Today has been ok / Nevermind what god said.“

Wörter sind eben manchmal nur bequeme Abteilungen. Deshalb ebenso verboten: Ätherisch. Elfengleich. Björk. Denn Emillina Torrini ist nicht: eine weitere Sängerin aus Island, die eine melancholische Blaupause mit ihrer zerbrechlichen Stimme veredelt. War ihr letztes Album, entstanden zu einer Zeit, in der der Begriff TripHop noch existierte, ein luftig-elegantes Vibrieren über elektronischen Beats, ist Fisherman's Woman eine zurückhaltende, fast sparsame Sammlung von akustischen Liedern, die fast vollständig auf das Zusammenspiel Gitarre/Stimme setzt. Meist ist Reduktion ja eine Reaktion. Im Fall von Emiliana Torrini vielleicht auf den Erfolg ihres für Kylie Minogue geschriebenen Nummer-Eins Hits Slow. Ein sprödes Gegenstück zu Gollums Song.

Anfangs erscheinen die zwölf Lieder skizzenhaft, unfertig und seltsam gleichförmig. Erst das Eintauchen in Zeitlupe, das aufmerksame Hören im Dämmerzustand ermöglicht es, sich ihrer tatsächlichen Substanz gegenwärtig zu werden. Plötzlich wird das Knarren von Bootsplanken hörbar, eine Akkordeonmelodie schleicht sich leise klappernd zwischen Satzfetzen, ein Piano summt unaufdringlich eine eigene Melodie. Ganz bewusst stellen die Arrangements Torrinis Stimme in den Vordergrund. Sanft gezupfte Gitarren umkreisen sie wie einen Stern und fügen sich ihrem Rhythmus, variieren ihn nur unmerklich. Das Intime kann auch die Gefahr des Ausschließen bergen, das Einfache der der Nachlässigkeit. Fisherman's Woman umgeht diese Tücken bravourös.

Vergleiche zu Nick Drake, Pieces of you oder auch dem letzten Heather Nova-Album sind erlaubt, aber letztlich nur Versuche, Referenzen zu finden, die Fisherman's Woman nicht nötig hat. Es steht für sich, in all seiner schlichten Erhabenheit.

Fazit: Zwölf Lieder, die flüsternd strahlen. Ein stilles, zuversichtliches Rätsel.

Stefan Petermann

Tourdates

10.03.2005 Köln / Prime Club
14.03 2005 München / Atomic
15.03.2005 Berlin / Postbahnhof
16.03.2005 Hamburg / Knust




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