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Die Sterne (23.01.2005)

Gewohnheit ist tanzbar.

Band Die Sterne
Ort Kassablanca (Jena)
Datum 23.01.2005

Gewohnheit kann so schön sein. Man muss nicht immer überrascht werden. Sternekonzerte sind wie ein beglücktes Wühlen in alten Mixtapestapeln. Man kann dieser Band nicht dankbar genug sein. Für ihre klugen Lieder, natürlich an erster Stelle. Für den Mut, ihren Stil nur minimal zu variieren. Für die Lässigkeit, mit der sie Konzerte wie dieses einfach so aus dem Ärmel schütteln. Kein Ton zuviel, keine überflüssige Publikumsanimation. Die Sterne spielen seit 13 Jahren zusammen.

Frank Spilker entschuldigt den ausgefallenen Jens Friebe — Support. „Dann wird das eben nur ein ganz normales, langweiliges Sternekonzert.“ Und beginnt mit Wir rühren uns nicht vom Fleck. Christoph Leich am Schlagzeug trägt ein Feinrippunterhemd und eine massiv goldene Uhr am Armgelenk, spielt körperlich und präzise. Hinter einer Festung von analogen Siebzigerjahrekeyboards hockt Richard von der Schulenburg wie ein kleiner trauriger Hund mit herabhängenden Ohren. Bassist Thomas Wenzel wiegt sanft die Hüften zu seinem Bartwuchs und Frank Spilker tanzt, wenn er nicht gerade vergisst, Mineralwasser zu trinken. Das Publikum feiert Wahr ist was wahr ist. Den Kaktusgarten. Die Rollen sind klar, verteilt seit Jahren, warum etwas ändern, was alle Freude strahlen lässt?

Letztens waren die Boxhamsters in Jena, nächsten Monat kommen Kante, danach Tocotronic. Es ist irgendwie so, als ob sich niemals die Frage nach einer „Neuen Deutschen Musik“ gestellt hätte. Die alten Hits klingen wie die Neuen oder neu, zu Es möchte echt sein springt Frank Spilker ins Publikum zum Tanzen, ruft „Bringt mich zur dritten Strophe“ und das ist großartig und authentisch, auch wenn Frank Spilker oft bei Es möchte echt sein ins Publikum springt. Überhaupt das Publikum. Wünscht sich, entgegen sonstigen Gepflogenheiten, vornehmlich die Stücke der aktuellen Platte. Hau drauf und hau ab bedeutet Stagediving und Das Weltall ist zu weit klassischen Discopop. „Wir hoffen, wir können damit unseren Status als verkopfte Popband festigen“, sagen Die Sterne.

Auf der Rückfahrt vergleicht ein Junge mit verschwörerischer Stimme Frank Spilker mit dem Beißer aus den James Bond-Filmen. Jemand haucht an die Regionalbahnfensterscheibe und kritzelt ein paar Zeilen von Die Interessanten hinein. Man nimmt sich vor, am nächsten Tag alte Sternetexte noch mal genau zu lesen. Wie gesagt: Gewohnheit ist schön. Gottseidank möchte man meinen.

Stefan Petermann



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