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Platte des Monats in Ausgabe 02/2005
Bright Eyes - Digital Ash In A Digital Urn

Let It Die.

Band Bright Eyes
Album Digital Ash In A Digital Urn
Plattenfirma Saddle Creek/Indigo
Bewertung 7 von 9 Punkten

Das neue Werk des Bright Eyes-Doppels beginnt wie eine Vertonung des Blair Witch Projects. Eine Tür knarzt, Schritte hallen, ein Keuchen setzt ein. Es ist 2:00 Uhr nachts, ein fürwahr gespenstischer Augenblick macht sich in meinem Zimmer breit. Erst als die vertraute Stimme Conor Obersts einsetzt, verschwindet das beklemmende Gefühl:„Shh, don't talk, don't talk“ (Time Code).

Zu reden gibt es offensichtlich eine Menge. So viel, dass Conor Oberst, der die einzige Bright Eyes-Konstante zusammen mit Produzent Mike Mogis bildet, parallel zwei neue Alben veröffentlicht hat, deren jeweilige Singleauskopplungen kurz nach Release seltsamerweise die Spitze der US-Charts eroberten. Während I'm Wide Awake, It's Morning ein lupenreines Folk-Album geworden ist, wird Digital Ash In a Digital Urn allerorts als elektronisches Pop-Album deklariert, was wohl auch an der üppigen Gästeliste liegen dürfte, die Oberst für sein neuestes Opus zusammen getrommelt hat. Clark Baechle (The Faint)und Jimmy Tamborello (The Postal Service) bilden da nur die (Elektro)-Speerspitze aus gut zwei Dutzend Musikern.

Musikalisch gesehen ist Digital Ash In a Digital Urn die weitaus interessantere, abwechslungsreichere Platte geworden, verglichen mit dem sehr homogenen Akustikalbum, das eher dem klassischen Reportaire der Bright Eyes entspricht. Man höre nur Gold Mine Gutted, das mit zwei gleichzeitig eingespielten aber verschiedenen Schlagzeugparts glänzt, und für den vertrackten Rhythmus des eigentlich ruhigen Songs verantwortlich ist. Sehr poppig kommt auch Hit The Switch daher, der Song, in dem Oberst sein vieldiskutiertes Alkoholproblem und seine Angst vor dem Tod verarbeitet:„ Each morning she wakes with a dream to describe // Something lovely that bloomed from her beautiful mind // I said “I'll trade you one for two nightmares of mine // I have some where i die // I have some where we all die„. Für Obersts Verhältnisse geht es erstaunlich selbstentlarvend weiter:“I'm thinking of quitting drinking again // I know i said that a couple of times // And i'm always changing my mind // Well, I guess I am // But there's this burn in my stomach & there's this pain in my side // And when I kneel at the toilet // And the mornings clean light pours in through the window sometimes I pray I don't die // I'm a goddamn hypocrite". Getragen wird das Lied dabei von einer solch beschwingten Melodie, die jeden Zynismus sofort im Keim ersticken lässt.

Natürlich meint Pop hier nicht gleich Pop, bedingt durch den textlichen Rahmen, in dem Oberst die Musik stattfinden lässt (das Album ist einer verstorbenen Freundin des Sängers gewidmet), dreht sich Digital Ash In a Digital Urn doch vor allem um das schwermütige Thema Tod. Erstaunlich ist die Art und Weise, in der Oberst seine Songs hier präsentiert. Arc Of Time zum Beispiel, ein Lied über die Vergänglichkeit, wird mit Stakkato-Beats und ähm… mit karibischen Anleihen unterlegt. Die Heulsuse gibt Oberst nur noch selten und manifestiert damit erneut seinen Ruf als exzellenter Songwriter mit Mut zur Weiterenwicklung.


Fazit: Fazit: Ist I'm Wide Awake, It's Morning musikalisch gesehen vor Lifted anzusiedeln, klingt Digital Ash In a Digital Urn wie der legitime Nachfolger des Meilensteins, obschon dessen Klasse nicht gänzlich erreicht wird.

Katja Peglow

Tourdates

Di, 22.02.2005 Köln, Stollwerck
Do, 24.02.2005 Hamburg, Fabrik
Fr, 25.02.2005 Bielefeld, Ringlokschuppen
Mi, 02.03.2005 Berlin, Postbahnhof
Do, 03.03.2005 München, Georg-Elser-Halle

Support: Rilo Kiley



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