 Das Gel in den Haaren Kai Diekmanns.
| Band |
Oma Hans |
| Album |
Peggy |
| Plattenfirma |
Schiffen Records/Indigo |
| Bewertung |
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In einer besseren Welt wären Oma Hans die Studioband von Sabine Christiansen. Das schlechte Gewissen Roland Kochs. Das Gel in Kai Diekmanns Haaren, die Jacketkronen von Stefan Raab und Susanne Fröhlichs Moppel-Ich. Die Helden der Negativzone.
"Landungsbrücken sprengen / Depressive Anekdoten / Die keinem etwas helfen / Außer Geld" (aus Gummiwände)
Oma Hans stehen, und man kann das nicht oft genug schreiben, in der Tradition von Angeschissen, Blumen am Arsch der Hölle und den großartigen Dackelblut. Punkrock jenseits der Weißblechbierdose, jenseits jeder antiautoritären Selbstgefälligkeit. Jens Rachut reiht scheinbar willkürlich Textbrocken zu Sätzen, die sich erst nach genauerem Betrachten zu Geschichten formen. Peggy ist das dritte Album der Hamburger. Im Vergleich zu den Vorgängern Bremen-Zürich-Karlsruhe und Trapperfieber wirkt es geradliniger, weniger verspielt. Die Texte nicht mehr so fokussiert, die Musik einheitlicher. Das kostet den Liedern an manchen Stellen zwar an Spannung, führt jedoch insgesamt zu einem konsequenteren Gesamtbild.
"Vier Männer, eine Frau / Sie macht den Vergaser sauber / Ein Mann springt auf / Und sticht sie ab" (aus Der Rasenmäher)
In der Info heißt es: „Oma Hans…wenn mit Liebe Gekochtes in ein Gebüsch gekotzt wird“. Darum geht es: Beim Kotzen singen. Es geht um Wut. Keine plumpe, triviale, tölpelhafte Wut, sondern eine, die sich selbst reflektiert. Die sich versteht als eine mögliche Form der Artikulation von Widersprüchen, aber nicht als die einzige. Eine soziale Wut, die hinter dem Zynismus, den parolenhaften Texten, den Gitarrenwänden ein zutiefst moralisches Gewissen birgt, eine Verantwortung spürt, Dingen eine Stimme zu verleihen, die sonst verschwiegen werden. Eine Musik, die sich überprüft, sich selbst in Beziehung setzt, eine Position einfordert. Eine Musik, die Gitarre ist, klassischer Punk, zuckender Bass, Stakkatosnardrumeschlägen, zweiten Gesangslinien, Brüllen, Sprechgesang, komplex und sich nie zu schade ist für einen Refrain.
„Sie kamen, riefen Klonga / dass hieß Töten/und zogen durch die Stadt / ich hatte andere Sorgen / der Abfluss von meinem Klo / er war verstopft“ (aus Julia)
Kürzlich fragte der Pro7-Videotext provokant: „Tsunamispenden oder Silvesterböller?“. Knapp 70 Prozent der Anrufer investierten die 30 Cent pro Anruf und entschieden sich für das Feuerwerk. Es ist notwendig, dass es Bands wie Oma Hans gibt, dass sie Musik auf diesem Niveau machen, dass diese Platte am Anfang des Jahres erscheint. Ironie sind die Anderen.
„Komm jetzt lieber mit / Auch wenn es härter wird / Denn wir treiben jetzt / In Richtung dieser Stille hin“ (aus Der Kreisverkehr)
Fazit: Peggy ist die Talkshow der Guten. Viel viel mehr, als Punk üblicherweise zu leisten vermag. Die erste wichtige Platte dieses Jahres.
Stefan Petermann Tourdates
11.02. CH-Zürich, Helsinki Bar 12.02. D-Stuttgart, Schlesinger 13.02. D-Regensburg, Alte Mälzerei 14.02. D-München, Substanz 16.02. D-Trier, Exhaus 17.02. D-Wiesbaden, Schlachthof 18.02. D-Oberhausen, Druckluft 19.02. D-Köln, Gebäude 9 04.03. D-Berlin, Türkischer Hochzeitssaal 05.03. D-Hannover, Cafe Glocksee
Kommentare
| Dr. Benway schrieb am 28.09.2005 um 22:27 Uhr: |
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tolle Platte in der Tat! Ich habe sie aus dem Netz als MP3 Dateien, aber bei dem tollen Cover lohnt sich glatt der Kauf! Sind das die Freundinnen der Bandmitglieder??
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