 Wie man versagt, um zu gewinnen.
Wer braucht eigentlich einen Führerschein?
Das Grauen hat viele Gesichter. Mein ganz eigenes hat einen Buckel, schlechte Laune und eine Fahrschule, denn es handelt sich um den Fahrlehrer des Grauens. Schlaflose Nächte, Angstzustände und Panikattacken beim Anblick eines Audi A4 kommen nicht von ungefähr. Aber beginnen wir von vorne.
Die Konsequenz des 18. Geburtstags eines Kleinstadtjugendlichen ist der Führerschein, das ist Gesetz. Vorbei die Zeiten, in denen man sich von den Eltern zum Kino kutschieren lassen musste, endlich Schluss mit dem ewigen Genörgle; also fahrberechtigt muss man sein. Und das am besten schon zeitlich so abgestimmt, dass man sich den Lappen am Geburtstag in die Tasche stecken kann. Wer im Dorf lebend keinen Führerschein macht, ist entweder zu arm oder zu faul, was eigentlich beides auf mich zutraf.
Aber dank eines unerklärlichen Geldsegens seitens meiner Eltern und einer ebenfalls unergründlichen Hartnäckigkeit einer Freundin meldete ich mich an. Ich sollte diesen Schritt noch bereuen…
Die Theorie war erstaunlicherweise kein Problem, zwar sieben Fehlerpunkte, aber immerhin bestanden. Die ersten Fahrversuche waren dann auch noch okay, zwar konnte ich meine Freundin nicht verstehen, die schwärmte, es sei so ein geiles Gefühl, mit 150 über die Autobahn zu brettern, denn ich fand das eher beängstigend. Aber nach den ersten acht Fahrstunden kam das wahre Gesicht meines bis dahin recht freundlichen, kauzigen Beifahrers zum Vorschein. Scheinbar war bis Stunde acht noch Schonfrist. Alles, was danach noch Fehler wie Motor-abwürgen oder falschen-Gang einlegen machte, schien bei ihm in die Kategorie „lebensunwürdig“ zu fallen.
Während ich also das tat, was ich konnte (was zwar nicht viel war, aber immerhin eleganter als seine Art mich auf meine Fehler hinzuweisen), überlegte ich mir, welche Situationen mir ähnlich zuwider wären, kam aber nur auf sehr wenige Horrorszenarien. Aber diese Bürde hatte ich mir nun mal selber auferlegt und ich wollte auf keinen Fall klein beigeben. Trotz mittlerweile 35 Fahrstunden war ich mir sicher, dass ein Bestehen der Praxisprüfung außer Frage stand. Allerdings hatte ich auch gute Tage, das heißt Tage, an denen das Falsche dem Richtigen unterlegen war. Darauf spekulierte wohl auch mein Fahrlehrer. Die erste Prüfung war dann so etwas wie der Amoklauf von Erfurt der Fahrprüfungen. Komplettausfall plus anschließendes Verzweifeln.
Es folgten lange Wochen der Quälerei und der teuren Zeitverschwendung bis mir der nette Mann hämisch grinsend verkündete, dass ich doch gar nicht so schlimm sei, er hätte schon Schlimmeres gesehen. Außerdem fielen soo viele beim ersten Mal durch. Die Hoffnung stirbt zuletzt, wie man so schön sagt, doch am Tage der zweiten Prüfung war ich schon nicht mehr zu normalen Gedankengängen fähig. Schlimm, wenn Prüfungsangst und Unwissen aufeinander prallen.
Mittlerweile hatte ich schon längst den Überblick über die Kosten dieses morbiden Spaßes verloren, selbst die genaue Zahl der Fahrstunden war mir unklar. In der Nacht nach der zweiten Eskapade fasste ich folgenden Entschluss: Manchen Kampf kann man nicht gewinnen. Ich hätte natürlich noch weitere 1000 Euro investieren können, aber die Überzeugung sagt mir, es hätte auch nichts gebracht. Ich zog also meinen Hut vor der motorisierten Gesellschaft und gab als Klügerer nach.
Wenigstens weiß ich jetzt, was ich nicht können will: Auto fahren.
Annemarie Jansen
Kommentare
| Ramona schrieb am 15.01.2006 um 23:07 Uhr: |
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kenn ich!!!kenn ich!!! bei mir wars quasi genauso, nur dass ich die zweite Prüfung dann mit ganz ganz viel Glück und zwei zugedrückten Augen vom Prüfer bestanden hab. Mein Fahrlehrer ist mir trotzdem immernoch megaunsympatisch… Fahrstunden waren die Hölle. aber ich wohn im Dorf, Führerschein is hier lebensnotwendig wenn man nich nur mit Kühen abhängen will
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| macmouse schrieb am 17.03.2005 um 15:29 Uhr: |
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Schöne Geschichte… die Weisheit am Schluß gefällt mir. Ich bin 33 Jahre alt, mache morgen meine Prüfung und fühle mich als wär ich eine 13jährige! Es ist einfach grauenhaft. Die General-Probe am heutigen Morgen wurde von meinem Fahrlehrer wie folgt kommentiert: „Also bei mir wärest du durchgefallen…“ DANKE, DAS MUNTERT AUF!
Wie auch immer… nach dem Disaster heute Morgen kreisen meine Gedanken um einen Punkt… ich habe 33 Jahre meines Lebens ohne diese vermeintliche Lebensqualitätssteigerung Führerschein geschafft, ich bin sicher, den Rest kann ich auch ohne schaffen… *seufz* Achachach…
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| Tina schrieb am 23.01.2005 um 19:28 Uhr: |
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ich konnte bis zur meiner fahrprüfung nicht wirklich fahr..(prüfung mit eingeschlossen)..wie ich den bestanden habe, frag ich mich bis heute.. ..aber am nächsten tag,als ich keinen lerher mehr an meiner seite hatte,war ich ein perfekter fahrer..
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| Florian schrieb am 11.01.2005 um 17:47 Uhr: |
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hmm.. scheint ja übel gewesen zu sein. okay, ich kenne deinen fahrlehrer (vielleicht auch glücklicherweise) nicht, aber das meiste was während der fahrstunden an psychischem druck und agressivität vom fahrlehrer ausgeübt wird ist nur vorbereitung für spätere fahrten mit z.B. 4 extrem nervenden freunden im auto.
und zumindest bei mir hats einiges gebracht.
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